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Kultur Denkmal für den Bürgerschreck
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01:00 12.05.2002
Bad Doberan

Was die Gesellschaft noch schlimmer traf: Er schmuggelte seine drastischen Botschaften nicht nur als Bluesrock, sondern mitunter auch verpackt in zuckersüße Popsongs unter die Menschen. Bekanntestes Beispiel: Der Song „Bobby Brown“ erzählt von einem jungen Mann, der sich in diversen Sexualpraktiken erprobt, um sich im Refrain zum Leitbild zu stilisieren: „Oh Gott, ich bin der amerikanische Traum“.

Einem Künstler, der absichtlich kein Fettnäpfchen ausließ, ein Denkmal zu setzen, erfordert neben Humor auch einigen Mut. Dennoch nahm es eine Handvoll Zappa-Fans aus Bad Doberan auf sich, das musikalische Idol zu verewigen. Schließlich kann Zappas Quertreiberei auch ganz anders interpretiert werden. „Zappa war kein Hippie, er war ein Patriot und er nahm niemals Drogen“, sagt der Zappa-Kenner Jim Cohen und entschärft das Bild vom Bürgerschreck. Mit Erfolg. Im kommenden Juli wird ein Zappa-Denkmal enthüllt. Mitten in Bad Doberan. Dort nämlich findet unter der Ägide von Wolfhard Kutz und seinem Zappa-Fanklub „Arf Society“ seit 1990 die „Zappanale“ statt.

Monatelang tingelten die wackeren Zappa-Fans durch Ausschüsse und Fraktionen und stellten ihr Projekt vor. Ungeteiltes Wohlwollen begegnete ihnen dabei erwartungsgemäß nicht. „Doberan hat genügend gute Namen, Kate Diehn-Bitt zum Beispiel“, sagte Stadtvertreter Peter Husar (CDU) anfangs, doch er ließ sich bekehren. Ebenso Bürgervorsteher Christian Berner: „Ich war nicht gleich dafür“, sagt der SPD-Mann, „aber wir brauchen in Bad Doberan Highlights.“ Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) preist den Musiker als politisch ambitionierten Menschen und begrüßt das Denkmal als Anregung, sich mit dem Musiker zu befassen. Dass Zappa ein mehr als unbequemer Zeitgenosse war, wird allenthalben im Rahmen der Meinungsvielfalt in der Demokratie abgefedert. Streit entzündete sich dagegen am geplanten Standort. Am Kamp sollte das Denkmal ursprünglich stehen, doch war den Stadtvertretern der Kontrast zu den umliegenden Gebäuden zu stark. Der Standort am Alexandrinenplatz gegenüber dem Kaufhaus fand Zustimmung. Vergangenen Herbst passierte die Beschlussvorlage die Stadtvertreterversammlung. Seitdem herrscht interfraktionelle Harmonie.

Das Denkmal wird derzeit von dem tschechischen Bildhauer Vaclav Cesak hergestellt. Als Vorlage diente ein Foto Zappas. „Das Bild stammt von der Platte 'Burnt Weeny Sandwich' von 1969. Meine erste Zappa-Platte“, sagt Kutz. Die Skulptur zeigt den Künstler mit mildem Lächeln um die Lippen. Es ist eine eher seltene Ehrung, denn das bislang einzige Zappa-Denkmal steht in Vilnius. Skulptur und Zickzack-Sockel werden zirka 15 000 Euro kosten, die der Verein aus eigener Tasche und über Sponsoren aufbringt. „Und wenn kein Geld für die Reinigung da ist, dann machen wir das auch noch“, sagt Kutz. Am 27. Juli wird das Denkmal enthüllt. Ursprünglich sollte der tschechische Staatspräsident und Freund Zappas Vaclav Havel das Tuch von der Büste ziehen. Doch er musste aus Krankheitsgründen absagen. Nun werden der Konzertveranstalter Fritz Rau und Frank Zappas Geschwister Candy und Bob den feierlichen Akt übernehmen.

Die Stadtvertreter geben offen zu, dass sie mit der Musik des Amerikaners nicht viel anfangen können. Er höre Zappa nur auf der Zappanale, sagt der Bürgermeister. Die Beatles und die Rolling Stones nennt Peter Husar als seine Heroen. „Hätte mich Zappa beeinflusst, würden meine gefürchteten Wutausbrüche wohl kein Ende nehmen“, bemerkt der als impulsiv bekannte Politiker scherzhaft.

Ausschlaggebendes Argument in der Debatte um das Denkmal war das Renommee der Zappanale, die in diesem Jahr zum 13. Mal stattfindet und längst zu einem Wirtschaftsfaktor geworden ist. Fast vier Tage tobt der Zappa-Marathon zwischen dem 25. und 28. Juli, pro Tag rechnet Kutz mit mindestens 2000 Besuchern. „Die Veranstaltung trägt unseren Namen in die Welt“, sagt Bürgermeister Polzin. Bis nach Amerika, genauer gesagt, wo sich mittlerweile renommierte Musiker vehement um Auftrittsmöglichkeiten in Bad Doberan bemühen und sogar bereit sind, alte Feindschaften beizulegen. In diesem Jahr etwa wird der Musiker Scott Thunes anreisen, der sich in den achtziger Jahren bei Kollegen überaus unbeliebt gemacht hatte, weil er eine Zappa-Tournee platzen ließ. Wenn sich nun alte Kameraden wie Don Preston, Bunk Gardener oder Jimmy Carl Black zusammen mit ihm auf die Bühne stellen, dann können sich die Doberaner Zappa-Fans das als Verdienst anrechnen.



M. SCHÜMANN

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