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Kultur Der „Droste jüngere Schwester“: Lyrikerin Sarah Kirsch ist tot
Nachrichten Kultur Der „Droste jüngere Schwester“: Lyrikerin Sarah Kirsch ist tot
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00:00 23.05.2013
Sonntag Der Himmel wolkenbefahren an wenigen Sonneninseln bleibe ich hängen ich höre Den ganzen Tag Eric Clapton von meinen Untertänigen Recordern so ist mir tröstlich Trostlos zumute auf diesem verblichenen Planeten ich könnte glatt einen gefüllten Trommelsalutschußrevolver vergeuden an mir. (aus S.K.: Erlkönigs Tochter. Gedichte, 1992) Quelle: HGROHE
Hamburg

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki nannte sie der „Droste jüngere Schwester“(Annette von Droste-Hülshoff): Sarah Kirsch galt mit ihren rätselhaft einfachen Naturgedichten seit längerem als Klassikerin, als bedeutendste Lyrikerin der deutschen Gegenwartsliteratur. Wie ihr Verlag gestern mitteilte, starb die scheue Dichterin bereits am 5. Mai im Alter von 78 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in Schleswig-Holstein. Dort lebte Kirsch, die 1977 aus der DDR in den Westen übergesiedelt war, seit 30 Jahren sehr zurückgezogen in dem kleinen Dorf Tielenhemme — in einem ehemaligen Schulhaus hinterm Deich zwischen Schafen, Kühen und Krähen, die genauso wie Sturm und Meer in ihren Gedichten auftauchten.

Interviews gab die Schriftstellerin selten: „Ich spreche lieber durch meine Texte“, sagte sie einmal. In der ländlichen Abgeschiedenheit des Nordens, der sie die meisten dichterischen Motive entlehnte, hatte die studierte Biologin ihre ideale Lebensweise gefunden. Sie schätze die Grenzerfahrungen, die ihr die raue norddeutsche Natur biete, sagte die Lyrikerin: „Wenn der Wind ungebremst ankommt, stellt sich schnell die nötige Demut ein.“

Reich-Ranicki lobte Sarah Kirschs „Bilder von hoher Plastizität und Suggestivität“: „Sie vergegenwärtigt Seelenzustände, sie macht Empfindungen und Stimmungen bewusst.“

Geboren wurde Sarah Kirsch 1935 unter dem Namen Ingrid Bernstein in Limlingerode im Südharz. 1960 nannte sie sich aus Protest gegen die Massenvernichtung der Juden in der Nazizeit Sarah.

Ihre literarische Karriere startete die Lyrikerin nach dem Besuch des Leipziger Literaturinstituts „Johannes R. Becher“ Anfang der 60er Jahre zusammen mit ihrem damaligen Mann, dem Schriftsteller Rainer Kirsch. Ihre Liebesgedichte trugen ihr 1973 den Heinrich-Heine-Preis ein, zahlreiche weitere Preise folgten. 1996 erhielt sie die renommierteste deutsche Literaturauszeichnung, den Büchner-Preis.

Phasenweise reflektierte Sarah Kirsch in ihren Gedichten auch den politischen Kontext, zu DDR-Zeiten eckte sie mit ihren versteckten Anspielungen an. Außerhalb ihres Werkes bezog sie kontinuierlich politisch Stellung: 1976 unterzeichnete sie den Protestbrief gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann, wurde daraufhin aus der SED ausgeschlossen und übersiedelte 1977 von Ost- nach West-Berlin.

Nach der Wende verurteilte sie die Künstlerkollegen ziemlich hart, die sich von der Stasi in die Pflicht hatten nehmen lassen. Ihre Wahl an die Akademie der Künste Berlin-Brandenburg lehnte sie ab und kritisierte die Vereinigung des ost- mit dem westdeutschen PEN-Club.

Sarah Kirsch war nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Malerin. Eine Sammlung ihrer Aquarelle, Bilder und Zeichnungen hat Christoph Wilhelm Aigner unter dem Titel „Beim Malen bin ich weggetreten“ herausgegeben. „Das ist der Versuch, Papier und Farbe in Einklang zu bekommen. Da entsteht so eine Art Nirwana, und man weiß nicht, wie die Zeit vergeht, und ist eigentlich ganz ruhig und glücklich“, sagte die Lyrikerin einmal über ihre „Kleckserei“.

Carola Große-Wilde

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