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Kultur Der Fowle Zauber hat ein Ende
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03:49 09.03.2013

Alles begann 2001 mit dem Versuch, das Elfengold zu stehlen. Der hyper-intelligente Menschenjunge Artemis Fowl entführte im ersten Band von Eoin Colfers gleichnamiger Fantasy-Serie die elfische Agentin Holly Short, um als Lösegeld den Schatz des „Erdvolkes“ zu fordern. Das lebt in einer Parallelgesellschaft unterhalb der Erdkruste ohne Wissen der Menschen, nur Artemis kommt hinter ihr Geheimnis. Zwölf Jahre und sieben Folgen später sind er und Holly enge Freunde geworden und kämpfen gemeinsam gegen die skrupellose Koboldin Opal Koboi. Das Finale „Artemis Fowl. Das magische Tor“ erscheint heute im List Verlag.

20 Millionen Mal verkauften sich die Abenteuer von Artemis und Co. bislang rund um den Globus. Der dritte Band „Artemis Fowl. Der Geheimcode“ wurde 2004 mit dem Deutschen Bücherpreis ausgezeichnet. Die Serie brachte Colfer den Durchbruch. Der irische Autor hätte nicht mit diesem Erfolg gerechnet:

„Ich dachte, die Kritiker würden Artemis für ein schlechtes Vorbild halten, das man lieber nicht auf die Jugend loslassen sollte.“

Das Besondere an Colfers Reihe ist die Ambivalenz der Figur Artemis, die er mit seiner Namensgeberin teilt: Die griechische Göttin der Jagd gilt als grausam und schutzgebend zugleich. Colfers Held ist ein Genie mit kriminellen Energien, dessen Ego so groß ist wie sein IQ hoch. Doch in der Zärtlichkeit gegenüber seinem riesenhaften, treuen Bodyguard Butler oder seinen jüngeren Brüdern zeigt sich seine sanfte Seite. Für die Figur des Artemis habe sein jüngerer Bruder Pate gestanden, sagt der 47-jährige Colfer. Der sei sehr frech und in seiner Jugend immerzu in Schwierigkeiten geraten. „Er findet das toll, vor allem die Bezeichnung als Genie.“

Sein schwarzer Humor und sein Gespür für Pointen stellen Colfer in eine Reihe mit Autoren wie Douglas Adams, für dessen Science-Fiction-Epos „Per Anhalter durch die Galaxis" Colfer 2009 eine würdige Fortsetzung schuf. Inspiriert zur Artemis-Serie — die er als „Stirb langsam mit Elfen“ charakterisiert — hat Colfer die irische Tradition, Elfen und Kobolde als Teil der Natur zu verstehen.

„Ich glaube zwar nicht direkt an Elfen, aber ich glaube an das Unerklärliche. Wenn sie tatsächlich existierten, würde ich unglaublich gerne eine kennenlernen. Es ist wie mit dem Nikolaus: Wenn du daran glaubst, ist es echt.“

Colfers Geschöpfe folgen nicht dem klassischen Elfenklischee. Statt ätherisch und liebreizend sind sie frech, arrogant — und manchmal auch beides. „Meine Elfen sind Menschen in ihren Eigenheiten und Einstellungen sehr ähnlich. Ich wollte keine Gruppe von Wesen, die alle gleich sind.“ Für die große Spannbreite in Colfers Figurenuniversum stehen der handfeste Verbrecher-Zwerg Mulch Diggums, der mit seinen Verdauungsgasen Fluchttunnel schaffen kann und der verkopfte Tüftler-Zentaur Foaly. „Meine Frau sagt, dieser Computernerd sei mir selbst am ähnlichsten. Er denke wie ich, dass seine Witze unglaublich komisch sind. Und sei damit allein auf weiter Front ...“, sagt Colfer. Im siebten Band verfiel Artemis dem „Atlantis-Komplex" und raspelte plötzlich nur noch Süßholz, was in Fan-Foren für Kritik sorgte. Im letzten Band läuft Colfer noch einmal zu Höchstleistungen auf. Die finstere Koboldin Opal Koboi öffnet „Das magische Tor“ und erweckt so die Berserker-Krieger zum Leben, die seit Jahrhunderten auf das Zerstörungs-Kommando warten. Artemis, Foaly und Co. müssen das drohende Weltenende verhindern. Das kündigt sich an, als all die Smartphones und Tablet PCs explodieren, die Opals Firma „Koboi Industries“ unter und über der Erde in Umlauf brachte. Fowl liefert so nebenbei auch einen ironischen Kommentar darauf, wie wir uns von Technik dominieren lassen.

Da denkt man, der Fowle Zauber nähere sich mit dem letzten Band dem Ende — da kündigt Disney an, den Stoff zu verfilmen. Noch in diesem Jahr sollen die Dreharbeiten beginnen.

Eoin Colfer will künftig immer abwechselnd Romane für junge und erwachsene Leser schreiben. Für die reifere Zielgruppe hat er um die Figur eines unter Mordverdacht geratenen Türstehers („Der Tod ist ein bleibender Schatten“) eine neue Serie im Genre der Comedy Noir geschaffen. Für junge Leser erscheint im April — zunächst in englischer Sprache — der Auftakt zur neuen Reihe „Warp“. Sie handelt vom jungen Zeugen Riley, der mit Hilfe einer FBI-Agentin vor einem skrupellosen Killer flieht — und dabei durch die Zeit reist. Colfer beschreibt seine jüngste Schöpfung als „Oliver Twist trifft die Matrix.“

Der Autor
Eoin Colfer, Sohn eines Lehrers, arbeitete selbst als Lehrer, bevor er als Schriftsteller erfolgreich wurde. Mehrere Jahre hat der 47 Jahre alte Ire in Saudi-Arabien, Tunesien und Italien unterrichtet. Heute lebt er mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Wexford im Südosten Irlands.
„Artemis Fowl. Das magische Tor“ von Eoin Colfer, Über-

setzung aus dem Engli-

schen von Claudia Feldmann, der achte Band der Reihe

erscheint im List Verlag,

336 Seiten, 19,99 Euro

Nina May

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