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Kultur „Der Greis ist heiß“
Nachrichten Kultur „Der Greis ist heiß“
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00:00 23.04.2016

Timmendorfer Strand. Das Weltall, unendliche Weiten. Das Bühnenbild ist ein Sternenhimmel mit dem Schriftzug „Keine Panik“. Willkommen im Lindenberg-Universum. Mit dem Song „Odyssee“ startet der Sänger gleich rasant, in gewohnt schwarzer Arbeitskluft, mit Nietengürtel, schmaler Krawatte, Hut und Sonnenbrille — die er aber häufig abnimmt, um mit schwarz ummalten Augen Blickkontakt zum Publikum aufzunehmen.

Gut 400 Fans befeuern die Nachtigall, wie Lindenberg sich selbst nennt, bei der Generalprobe zur „Keine Panik“-Tour. Im Seehotel Maritim in Timmendorfer Strand zelebriert er alte Gassenhauer und Songs aus seinem neuen Album wie „Durch die schweren Zeiten“. Sie erzählt persönlich Erlebtes: „Für einen Freund, der hatte einen schweren Durchhänger, aber ich sag‘: Guck mal nach vorn, wir kriegen das wieder hin.“

Dass Lindenberg am 17. Mai 70 wird, mag man kaum glauben, sieht man den drahtigen Kerl mit Gummibeinchen über die Bühne hüpfen. Wenn er das Mikro am Kabel durch die Luft schleudert, an der Zigarre saugt, von einem Bein auf das andere tippelt und die Worte vernuschelt, wirkt er zuweilen wie der Darsteller der Figur, die er selbst erschuf. Man kann auch sagen, „der erfolgreichste nicht singende Sänger der deutschen Popgeschichte“, wie die „Taz“ schrieb, bleibt sich selbst treu. So klingen seine neuen Songs vertraut, und da verzeiht man auch Reime wie: „Wenn du gehst, kracht der Himmel ein, meine Sonne, sie hört auf zu schein‘, die Nächte werden endlos sein.“

Die Fans singen mit, schwenken Lichter, sie machten schon vor Jahrzehnten mit Udo auf der „Andrea Doria“ alles klar und sind mit ihm angegraut. Natürlich ist das Alter ein Thema — im Song „Mein Body und ich“ sagt Lindenberg seinem Körper Danke und wundert sich, dass er „als Schnapsdrossel und Profi-Schluckspecht“ so lange durchgehalten hat. Und er denkt an jene, „die uns vorausgegangen sind.

Prince ist nicht mehr bei uns, jetzt ist er zusammen mit Bowie und Lemmy, und ich bin mir sicher, dass die an uns denken, so wie wir jetzt an sie“.

Ernst wird es auch, wenn Lindenberg mit Kindern „Wozu sind Kriege da?“ singt und mit Parky von Deichkind die „Bunte Republik Deutschland“ rappt. Auf Gänsehautmomente folgt Remmidemmi mit wirbelnden Tänzerinnen und Gästen wie Johannes Oerding und Josephin Busch, dem „Mädchen aus Ostberlin“. Eine große Show zieht Lindenberg, zunächst in Arztkittel, bei dem Song „Der Greis ist heiß“ ab — und ausgerechnet dabei platzt ihm die Naht seiner engen Hose im Schritt, die Unterhose blitzt hervor. Keine Panik. „Soll ich nackig oder muss ich die Hose wechseln?“ fragt er — und entscheidet sich für letzteres. Alles easy.

Am Ende ziehen ihm die Tänzerinnen einen weißen Astronautenanzug an und führen den Udonauten von der Bühne, während im Hindergrund auf der Leinwand die Rakete in unendliche Weiten schießt. Die Fans sind entzückt, kreischen und jubeln — und manch einer hofft, später an der Bar mit der Nachtigall noch einen zwitschern zu können.

Von Petra Haase

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