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Kultur Der Hausbesitzer und die Heuschrecke
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00:00 12.09.2018
Galerist Johannes Zielke (r.) mit dem kunstsinnigen Ehepaar Ellen Kairies-Rafajlovic und Michael Quasnitza in der Ausstellung. FOTOS (2): ELKE ERDMANN
Born

Der Hausbesitzer, fein angezogen mit Schlips und Kragen, Jackett und Streifenhose sitzt auf einem Haus. Der Mann und die Gebäude ringsherum wirken wie aus der Spielzeugkiste. Er hält in seiner Herzhand eine Blume, blickt erwartungsvoll. Waltraut Fischer, damals noch in Berlin, malte dieses Ölbild 1993.

Begegnungen mit Malerei und Skulpturen von Waltraut Fischer

Galerist Johannes Zielke entdeckte die Werke der Malerin aus Schiffmühle im Oderbruch. Ihre Bilder und Skulpturen laden nun zu „Begegnungen“, so der Titel der Ausstellung, in den Kunstraum Darß in Born ein.

Das Gemälde „Die Heuschrecke“ gelangte auf ein großes Plakat. Es zieht den Betrachter in den schönen überschaubaren und lichtdurchfluteten Raum hinein. Die Bildmotive der Malerin sind ungewöhnlich.

Die Figuren, zumeist mit übergroßen Köpfen, wirken leblos und erstarrt. Das Kind mit der Heuschrecke auf der Schulter neigt den Körper wehrlos zur Seite. Die sprungkräftigen Hinterbeine des grün schillernden Insekts sind deutlich ausgeführt.

Ein anderes Gemälde zeigt ein „Kind mit Puppe“, die gefesselt auf einem Stuhl sitzt. Der Blick des Mädchens auf Augenhöhe ist böse. Waltraut Fischer zeigt gesellschaftliche Stimmungen, Verwerfungen, vermittelt Botschaften, malt mit langsam trocknendem Mohnöl symbolische Geschichten.

Der phantasievolle Betrachter erzählt sie weiter. „Ich versuche, mich in die Aussage, die hinter dem Bild steht, hineinzufühlen“, sagt Ellen Kairies-Rafajlovic aus Berlin zur „Bestattung des Pirol“

von 1986. „Mich macht das neugierig. Auf den ersten Blick sieht es so ein bisschen nach naiver Malerei aus, auf den zweiten kann man eine Absicht erkennen.“

Waltraut Fischer wurde 1937 im Erzgebirge geboren. Ihr Vater war Gärtner. Sie erlernte den Beruf einer Dekorateurin im Binnenhandel, studierte danach Gestaltung an der Fachschule für angewandte Kunst in Berlin, schloss in Erfurt ein zweites Staatsexamen für Kunstpädagogik ab. Sie bildete Plakatmaler, Schaufensterdekorateure und Schriftenmaler aus. Seit 1972 arbeitet die Künstlerin freischaffend als Malerin und Illustratorin.

Im Jahr 2000 zog sie in den Landkreis Märkisch-Oderland nach Schiffmühle. Sie thematisiert Nachbars Schwein, dem es offensichtlich nicht gut geht, setzt ihm eine Dornenkrone auf, malt einem anderen düster blickenden Tier Sträflingsstreifen und Strichcode auf den Körper. Oder „Der Ochse“ steht über dem viel zu kleinen Stall. Eine teilnahmslose Tischgesellschaft, die sie „Nekropsie“, also Leichenbesichtigung nennt, sitzt vor Pflanzen in Gläsern und zylinderartigen Gefäßen. Die Spannung in ihren Bildern erhöht sich durch variationsreiche schachbrettähnliche Untergründe.

Doch Waltraut Fischer malt auch das zarte Weibliche, wie ihr „Akt mit Maiglöckchen“ zeigt. Die Frühblüher, Perlenkette und das Tuch über den Schenkeln der jungen Frau sind Ausdruck der Schönheit.

Folgt man dem Lebenslauf der Künstlerin, so führt er bereits seit 1976 zu Studienreisen in die Mongolei, wo sie von Steppennomaden aufgenommen wurde. Erlebtes findet sich in ihren Bildern und Holzskulpturen wieder und in ihrem Buch „Die Farbe des Windes“.

Die Ausstellung im Kunstraum Darß in Born, Im Moor 3b, kann noch bis zum 3. Oktober donnerstags bis sonntags von 13 bis 18 Uhr oder nach vorheriger Anmeldung besucht werden.

Elke Erdmann

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