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Der Himmel so blau über Kröpelin

Kröpelin Der Himmel so blau über Kröpelin

Der Verein „De Drom“ verlängert Schau mit Arbeiten von Uecker bis Kadishman

Kröpelin. „Wir haben eine bedeutende Ausstellung nicht nur wegen Uecker. Wir haben bedeutende israelische Künstler, aber auch unbekannte“. Hubertus Wunschik (57), früherer Bürgermeister von Kröpelin, betreibt mit seiner Lebensgefährtin Christine Borgwald (32) im Kröpeliner Bahnhof den Kulturverein „De Drom“ – benannt nach dem plattdeutschen Gedicht „De Drom“ von Fritz Reuter.

Die „Gesellschaft zur Förderung von Kultur, Bildung und Gemeinwesen in der Regiopole Rostock“, wie der Vorsitzende den Verein nennt, hat Großes vor. 2010 gegründet hat „De Drom“ zum zweiten Mal die deutsch-israelischen Kulturtage ausgerichtet. Zur Eröffnung kam der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman (58) aus Berlin. Wegen des Erfolgs der Ausstellung „Der Himmel so blau“ werden die Arbeiten von zehn deutschen und israelischen Künstlern länger als vorgesehen gezeigt. Bis 26. Juni bleibt die Schau geöffnet.

„De Drom“ organisiert Lesungen, Konzerte, Ausstellungen. Wunschik will mit seinem Verein, der 20 Mitglieder hat, die kulturellen Zentren Rostock und Wismar verbinden. Langfristig will er eine Kunstakademie nach dem Vorbild von Heiligendamm ins Leben rufen. Dafür hat er einen großen Künstler an Bord. Günther Uecker zeigt in der Kröpeliner Schau die Arbeit „Analphabetische Skulptur“. Und er sei Schirmherr der Kunstakademie, so Wunschik. Der 86-jährige Star des deutschen Kunstbetriebs, der in Wendorf geboren wurde und auf Wustrow aufwuchs, stellt ab 16. Juni im Wolfenbütteler Schloss aus. Anschließend reist Uecker nach MV und plane einen Besuch im Kröpeliner Bahnhof, so Wunschik. Am 1. Juli wird in Schwerin der Neubau des Staatlichen Museums für alte und neue Meister eröffnet, wo Arbeiten Ueckers aus der Schweriner Sammlung gezeigt werden. Ab 3. Juli zeigt Uecker in der Rostocker Kunsthalle seine Ausstellung „Der geschundene Mensch“, die seit 1992 mehr als 300000 Besucher in 45 Ländern anzog.

In Kröpelin ist eine fünfteilige Skulpturengruppe aus dem Jahr 2011 zu sehen – zum ersten Mal. Eine komplexe Arbeit, die sich nicht nur in Ueckers Gesamtwerk der unterdrückten Kreatur einpasst, sondern auch in diese Ausstellung, die sich ebenfalls mit der Unterdrückung des Menschen beschäftigt. Ueckers Malerei auf Leinwand, das sind auf den ersten Blick schwarz-weiß gestaltete Boxsäcke, die an Ketten im Raum hängen. Es könnten auch stilisierte Burka-Figuren sein. Sie kneifen das Auge, steht man still davor, und geben dem Kopf endlos Raum für Assoziationen. Geht man hindurch, fangen sie durch den Luftzug an, sich zu bewegen – als würden sie tanzen. Ein wenig gruselig und verstörend.

Einen Raum weiter sind Arbeiten von Menashe Kadishman (83) aus Tel Aviv zu sehen. Die Arbeiten des Teilnehmers der documenta 4 (1968) werden weltweit in Häusern wie dem Israel Museum Jerusalem, dem MoMA New York, der Tate Gallery London oder dem Jüdischen Museum Berlin ausgestellt – und eben im Kröpeliner Bahnhof. Skulpturen wie „Geburt“, „Isaac Opfer“, „Motherland“ oder „Schachelet“ aus der Zeit von 1985 bis 1990 sind ebenso verstörend und stellen zum Teil mit Anleihen an Picassos Schreiendes Pferd die Leiden der Kreatur ins Zentrum.

Wunschik, der 1984 in Düsseldorf seine erste Galerie eröffnete, ist es gelungen, im kleinen Kröpelin einen anspruchsvollen Mix aus Stars wie Uecker, Kadishman, dem Mönchengladbacher Bildhauer Thomas Virnich (59), dem provokativen, politischen Düsseldorfer Künstler Felix Droese („Ich habe Anne Frank umgebracht“), dem Düsseldorfer Maler Ulrich Erben und Künstlern wie Avi Yair aus Tel Aviv, Sven Kierst aus Düsseldorf, Shirley Wegner aus Port Jefferson (USA), Avital Bar-Shay und Belu-Simion Fainaru aus Haifa zu schaffen – wie gesagt, im beschaulichen Kröpelin; an den Gleisen.

Michael Meyer

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