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Kultur Der Holocaust mit Kinderaugen
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01:50 04.10.2014
Fabian Ranglack mit der Puppe Robert. Quelle: Beate Nelken
Rostock

„Bitte, fragen Sie. Wir sind die Letzten“, so hatte die Cellistin und Auschwitz-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch (89), die gegenwärtig beim Schweriner Festival Verfemte Musik mitwirkt, am Mittwochmittag Rostocker Geschichtsstudenten darauf hingewiesen, dass es bald keine Zeitzeugen mehr für den Nazi-Völkermord an sechs Millionen europäischen Juden geben wird.

Am selben Abend wurde dieser Gedanke in einer Premiere der Rostocker Compagnie de Comédie auf andere Weise lebendig weitergeführt: Zu Beginn des Stückes „Engel mit nur einem Flügel“ von Franz Josef Fendt und Ralf Kiekhöfer sagt ein Herr Goldstein aus Paris eine Zeitzeugenveranstaltung ab — mit der telefonischen Aufforderung an den Schauspieler Fabian Ranglack, es doch selbst zu machen. Der macht es dann auch — und zwar in sehr beeindruckender, oft beklemmender Weise.

Mit einer Kiste und einer Puppe spielt Ranglack die Geschichte des jüdischen Jungen Robert Goldstein, der während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland die Ausgrenzung und schließlich die Deportation der Juden im Viehwaggon erleben muss. Robert selbst kann durch glückliche Zufälle überleben, seine Mutter und die Schwester werden umgebracht.

Regisseurin Sonja Hilberger hat diese subtile Geschichte, die nun als mobiles Stück für Kinder von zehn Jahren an gespielt wird, mit hohem szenischen Feingefühl inszeniert. Immer wieder scheint die Puppe aus der Werkstatt des bekannten Mecklenburger Puppenspielers Uli Schlott das Publikum mit großen, fragenden Kinderaugen direkt anzuschauen. Robert kann nicht verstehen, warum er nicht mehr mit seiner Freundin Anna spielen darf, warum er, der lustige, aufgeweckte Bengel, immer öfter still sein muss oder warum die Mutter heimlich einkaufen geht. Unverständlich bleibt für ihn, warum Menschen wie er oder seine Familie ausgegrenzt und mit Gemeinheit behandelt werden.

Und Fabian Ranglack spielt oder spricht alle anderen neun Rollen: neben dem innig besorgten Vater beispielsweise einen zynischen Lehrer, der dem Jungen den Judenstern anheftet, als wolle er ihn damit erstechen. Oder die harten, bedrohlichen Nazi-Stimmen. Dabei gelingt es dem Schauspieler, allein im Dunkel der Bühne, dem Klang der Worte und mehr noch der eindringlichen Wirkung von Pausen zu vertrauen. So schafft er eine Atmosphäre, die ohne falsche Sentimentalität dennoch zu Herzen geht. Das Publikum applaudierte beeindruckt. Information und Kontakt über www.compagnie-de-comedie.de



Dietrich Pätzold

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