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Der „König der Chöre“ wird 90

Der „König der Chöre“ wird 90

Gotthilf Fischer feiert sein Jubiläum eine Woche lang – mit jedem seiner Chöre an einem anderen Tag

Stuttgart . Es wird sicher etliche Geburtstagsständchen geben, wenn der „König der Chöre“ sage und schreibe 90 wird. Und gegen ein „Happy Birthday“ wird sich Gotthilf Fischer auch nicht wehren, versprach er – auch wenn sich der aufgeweckte Jubilar mit den schlohweißen Haaren von jeher als „Hüter des deutschen Liedguts“ versteht. Kaum ein anderer brachte so viele Menschen zum Singen wie der Schwabe. Seinen Neunzigsten feiert er eine Woche lang – mit jedem seiner Chöre an einem anderen Tag.

Auch Titel wie „Herr der singenden Heerscharen“ hat er sich erworben – oder „Therapeut der wunden Seelen“. Mit all dem könne er „sehr gut leben“, betont Fischer, der sich zum Geburtstag noch viele Reisen ins Ausland wünscht. „Wenn ich da etwas Englisches anstimme, sagen die Leute: „Singen Sie deutsch.““ Lieder wie „Im schönsten Wiesengrunde“, „Das Wandern ist des Müllers Lust“ oder „Jetzt gang i ans Brünnele“ seien dort – leider – fast bekannter als hier. „Die haben die alle drauf“, freut sich Fischer.

Für Moritz Puschke, Geschäftsführer des Deutschen Chorverbands, hat Fischer seinen Teil dazu beigetragen, dass Chorsingen wieder „in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist“. Inzwischen seien viele neue Formate entstanden, und das Repertoire habe sich natürlich gewandelt. „Die zentrale Botschaft dabei bleibt: Singen steckt an, Singen verbindet. Dies ist sicherlich auch ganz im Sinne des Jubilars.“

Geboren wird Fischer am 1928 in Plochingen, 20 Kilometer westlich von Stuttgart. Sein Vater ist Zimmermeister – und Hobbymusiker. Mit 14 gründet er seinen ersten Chor, nach Kriegsende wird er mit 17 Leiter des Gesangvereins Concordia in Deizisau, später Leiter weiterer Gesangvereine. Bundesweit bekannt wird er mit den Fischer-Chören, die 1969 in der ZDF-Sendung „Dreimal neun“ des TV-Moderators Wim Thoelke auftreten.

Bald drauf erscheint die erste Schallplatte. Der Weg zum ersten Millionenauftritt war geebnet: 1974 in München, vor dem Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft, lässt Gotthilf Fischer einen Mammutchor von 1500 Menschen auf dem Rasen des Olympiastadions „Eviva Espana“ anstimmen. Es folgen Hunderte TV-Auftritte, „Sing mit den Fischer-Chören“ heißt seine eigene Sendung. Es entstehen

Dutzende Schallplatten. Fischer erinnert sich noch eindrücklich an Besuche im Vatikan. „Mit 300, 400 Sängern im Petersdom - das war ein ganz besonders Erlebnis.“

Rund um die Welt hören zeitweise 62 000 Sangesfreunde, vereint in Freundeskreisen der Fischer-Chöre, auf das Kommando des Schwaben. Weit über 16 Millionen Schallplatten werden weltweit verkauft.

„Böse Menschen haben keine Lieder“, das Motto der Fischer-Chöre ist bis heute sein Credo. „Wenn einer singt, ist er fröhlich“, sagt der Jubilar, der sein Alter am liebsten verschweigt. „Einfach nicht dran denken“ – dann merke man die 90 Jahre nicht, ist Fischer überzeugt. Seine große Liebe Hilde stirbt im Jahr 2008 im Alter von 89 Jahren und nach 59 Jahren Ehe. Sie bringt 1949 Sohn Herbert mit in die Ehe, gemeinsam bekommen sie noch Renate und Brigitte.

Zum eigenen Tod hat Fischer ein sehr offenes Verhältnis: „Ich wünsche mir, eines Tages dirigierend in die Kiste zu fallen“, soll er mal gesagt haben. Roland Böhm

OZ

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