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00:07 21.04.2018

Heute vor zwei Jahren starb Prince. Michel Birbæk (55) setzte der Tod des Musikers so sehr zu, dass er einen Roman schrieb, der jetzt erschien. „Das schönste Mädchen der Welt“ (nach dem Prince-Hit „The most beautiful Girl in the World“) erzählt von einem Prince-Fan den das Ereignis aus der Lethargie reißt.

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Den Schriftsteller Michel Birbæk hat der Tod des Musikers Prince so sehr getroffen, dass er einen Roman dazu geschrieben hat.

Wie war das, als Sie erfuhren, dass Prince gestorben war?

Michel Birbæk: Ich saß in einem Meeting und merkte, wie mein Handy eine Stunde durchvibrierte. Ich dachte: Da ist aber jemand hartnäckig. Aber es hat nicht eine Person durchklingeln lassen.

Es war eine SMS nach der anderen. Fast jeder, den ich gut kenne, meldete sich.

Weil jeder wusste, dass Sie, der größte Prince-Fan der Welt sind?

Bin ich nicht; da habe ich andere Kaliber kennengelernt. Er war aber der Künstler meines Lebens. Ich glaube nicht, dass ich noch jemanden kennenlerne, bei dem ich so mitwachsen kann wie bei ihm.

Durchgehend? Viele Hörer hat Prince verloren – er hat es den Fans nicht immer einfach gemacht.

Das ist doch das Tolle. Mein großer Prince-Moment war, als er nach „Purple Rain“ kein neues Hit-Album gemacht hat, sondern alles geändert: seinen Look, seinen Sound, seine Band. Das war ein richtiger Künstler, der nie gemacht hat, was wir wollen, sondern, was er wollte. Ich habe, auch wenn mir manche Alben nicht so gefallen haben, keinen seiner Auftritte verpasst. Er war einzigartig auf der Bühne.

Aber die Höhepunkte waren schon, wie bei Ihrem Romanhelden Leo, die Konzerte der „Lovesexy“-Tour?

Ja. Damals war ich auch als Musiker in der Lage, zumindest manches, was ich gesehen hatte, in meine traumatisierte Deutschrockband reinzuhämmern. Die Armen – nicht tanzende Amateurmusiker aus Niedersachsen – mussten plötzlich Tanzsequenzen mit mir eintrainieren.

Nun haben Sie nach langer Pause wieder einen Roman geschrieben?

Ich glaube, nichts auf der Welt hätte mich wieder zum Schreiben gebracht, wenn nicht der Schock so groß gewesen wäre. Ich hatte meine Schriftsteller-Karriere auf dem Höhepunkt meiner Verkäufe beendet. Der Verlag dachte, ich hätte den Verstand verloren, aber ich wollte nicht mehr so leben. Jeder Roman bedeutet ein Jahr alleine vorm Rechner. Da bin ich ein bisschen wie Prince; da mache ich leider auch nicht immer das, was andere von mir wollen.

Der Roman handelt davon, was das Leben mit einem macht, dass man manchmal nicht ganz unbeschadet aus der Liebe herauskommt. Warum haben Sie das mit dieser Prince verbunden?

Es war mir sehr wichtig, zu zeigen, dass auch die perfekte Liebe kaputtgehen kann. Ich habe in meinem bisherigen Leben Menschen kennengelernt, die mit dem, was Leo passiert, umgehen konnten, und andere, die daran kaputtgegangen sind. Ich wollte mit dem Roman einen Weg zurück ins Leben aufzeigen.

Gibt es eine Botschaft dahinter?

Für mich ist die größte Leistung, die ein Mensch erbringen kann, das Muster zu brechen, das ihm mitgegeben wurde. Ich habe kein Verständnis dafür, dass jemand das, was ihm Schlechtes widerfahren ist, an die Menschen weitergibt, die er liebt. Im Roman hat Leo gemerkt, dass er Gefahr läuft, das zu tun, und geht lieber, bevor er alle, die er liebt, in Gefahr bringt. Jahre später bekommt er durch Prince’ Tod die Chance zur Versöhnung.

Und schließlich geht es in dem Roman um die Macht der Musik.

Es gibt Songs, die machen auch beim hundertsten Hören noch etwas mit mir. Ich glaube, wir unterschätzen die Bedeutung von Musik – auch von Literatur. Ich glaube, dass sie der Klebstoff der Menschheit sind und dass wir ohne sie vor die Hunde gehen würden. Ich glaube auch, dass Musik die größte Religion ist. Bring eine Gitarre mit oder einen Fußball. Das geht immer. Dazu kommt, was Prince und seine Musik mit mir auf dem Dancefloor anrichten kann, seine Kleidung, seine Haltung: 40 Jahre Superstar, kein einziger Skandal, kein schlechtes Wort. Er hat sich auch nie „King“ genannt, wie es andere nötig hatten. Er ist immer schön Prince geblieben. Ich könnte noch zwei Stunden schwärmen. Auch darum geht es in „Das schönste Mädchen der Welt“, um die Liebe zur Musik.

Der Autor

Michel Birbæk wurde 1962 im dänischen Kopenhagen geboren und zog 1974 nach Deutschland. Er verdingte sich als Musiker, freier Autor und Gagschreiber für Harald Schmidt und Stefan Raab. Zwischen 1997 und 2011 schrieb er sehr erfolgreich Romane; nach dem letzten, „Das Beste kommt zum Schluss“, kündigte er an, die Schriftstellerei sein zu lassen und nur noch Drehbücher (unter anderem für „Danni Lowinski“) zu schreiben. Der Tod seines Idols Prince ließ ihn diese Entscheidung überdenken. Das Ergebnis ist der nun erschienene Roman „Das schönste Mädchen der Welt“.

Das Buch

Die Musikerkarriere hat Leo Palmer längst an den Nagel gehängt. Der Endvierziger hat es sich als Studiobesitzer eingerichtet in einem Leben ohne Höhe- und Tiefpunkte. Doch gerade als er endlich mal wieder eine für ihn interessante Frau trifft, erreicht ihn, den weltgrößten Prince-Fan, die Nachricht vom Tod seines Idols. Und er macht sich auf in seine Heimat, zu den Menschen, die mal seine Leidenschaft teilten, und auch zu der Frau, die für ihn einmal „Das schönste Mädchen der Welt war“. Michel Birbæk, einer der besten Unterhaltungsschriftsteller des Landes, erzählt in seinem neuen Roman eine bittersüße Liebeserklärung: an das Leben und die Liebe und die Musik, die all das miteinander verbindet.

Michel Birbæk: „Das schönste Mädchen der Welt“;

Blanvalet,

352 Seiten, 20 Euro

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