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00:00 25.06.2016
Kunsthallen-Chef Franz N orbert Kröger vor seiner Wirkungsstätte in Kühlungsborn. Quelle: Frank Söllner

„Den kannst du in die Wüste stellen, dann baut er dort etwas auf“, hat Franz Norbert Kröger mal über sich gehört. Ihm gefällt diese Einschätzung. Und sein Organisationstalent kann er als Chef der Kunsthalle Kühlungsborn voll ausleben.

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Seit 25 Jahren ist Franz N. Kröger Chef der Kunsthalle Kühlungsborn und bietet einen Mix aus Musik, Ausstellungen und Kulturvorträgen abseits des Mainstreams

Das Haus hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. „Erbaut wurde es 1907/08 als Lesehalle für die umliegenden Hotels“, erzählt Kröger. Damals hieß dieser Teil des heutigen Ostseebads noch Arendsee, bis er 1938 mit den Orten Fulgen und Brunshaupten zur Stadt Kühlungsborn zusammengeschlossen wurde. Im Laufe der Jahrzehnte gab es für die Lesehalle eine Menge anderer Nutzungen:

Milchkurtrinkhalle, Lagerraum, Theater-Sommerspielstätte, Tischtennis- und Sporthalle. Das Haus hat sich bis heute seinen Charme erhalten, eine einfache und doch elegante Mischung aus Jugendstil und Bäderarchitektur, die viel Licht in einen einzigen großen Raum hineinlässt.

Seit 1991 ist Franz N. Kröger Chef der Kunsthalle Kühlungsborn. Er hatte damals auch Glück, dass im Seebad etwas Neues begann. „Elke Siml, die seinerzeit Künstlerbund-Chefin war, hat sich stark für die Kunsthalle engagiert“, erinnert sich Kröger. So wurde das Haus unter Federführung des Bremer Architekten Carsten Gieseke umfassend saniert und umgebaut. Als Kunst- und Kulturwissenschaftler nahm Kröger die Aufgabe gern an. Dass es nun schon 25 Jahre sind, wundert auch ihn heute ein bisschen. „Normalerweise war ich nie länger als zwei bis drei Jahre irgendwo und bin dann weiter gezogen“, sagt der 61-Jährige.

Seine persönliche Vorgeschichte: Der gebürtige Wismarer absolvierte von 1974 bis 1976 ein Studium als Clubleiter an der Fachhochschule Meißen, es schloss sich ein Studium der Kulturwissenschaft an der Berliner Humboldt-Uni an. Von 1980 bis 1986 leitete Kröger den Studentenclub „Block 17“ in Wismar. In der Wendezeit war er Sprecher des Neuen Forums – einer Bürgerrechtsbewegung – und Intendant des Theaters Wismar, bis ihn der Ruf nach Kühlungsborn ereilte. Seit 1991 hat Kröger „seine“ Kunsthalle nicht nur zu einem Kulturzentrum in Kühlungsborn gemacht, ihre Anziehungskraft wirkt weit über die Stadt hinaus. Es sind wiederkehrende kulturelle Ereignisse, die sich im den mecklenburgische Kulturkalender eingeschrieben haben, ein Mix aus Musik, Ausstellungen und Kulturporträt.

Das erste größere Ereignis war das Gitarrenfestival, das Kröger 1992 mit Hilfe des brasilianischen Gitarristen Jaime Zenamon auf die Beine stellte. Seitdem hat sich dieses Festival etabliert, beim interessierten Publikum, aber auch bei Musikern. „Wenn die Künstler hier sind, sind sie König“, ist Krögers Maxime, so behandelt er seine Gäste. Die wissen das zu schätzen. Und die Umgebung lockt:

Draußen rauscht das Meer, es sind nur ein paar Meter bis zum Strand. Eine Ostsee-Idylle. In diesem Jahr ist übrigens Jubiläum: Das 25. Gitarrenfestival geht vom 19. bis 26. August über die Bühne. An sechs Abenden kommen Gitarristen aus Klassik und Jazz, darunter in diesem Jahr zur Night of Jazz Guitars am 19. August, zu der sich Martin Taylor, Ulf Wakenius, Andreas Dombert und Paul Morello vereinen. Und dann ist auch Jaime Zenamon wieder dabei, der vor 25 Jahren mithalf, das Ereignis zu etablieren.

Krögers durchschnittliches Kunsthallenjahr sieht so aus: 50 Abendveranstaltungen, rund 15 Vorträge, sieben bis neun Ausstellungen. In der Kunst hält sich Kröger gern an die Vertreter der klassischen Moderne: Miró, Dalí oder Picasso. Aber abseits des Mainstreams fühlt sich Kröger wohler. „Ich will immer ein Stückchen Neues, Unbekanntes zeigen.“

Zu den festen Terminen gehören auch die Pianotage im Mai, das Jazz-Meeting im Juli und die Kammermusiktage im Oktober. Für das nächste Jazz-Meeting vom 20. bis 23. Juli sind unter anderem Bajazzo und der Downbeatclub fest gebucht.

Was den Jazz angeht, hat Kröger noch einen Wunschkandidaten: „Pat Metheny will ich mal hierher holen.“ Keine fixe Idee, davon ist Kröger überzeugt. „Mit Kultursponsoring ist das zu schaffen.“

Die aktuelle Schau in der Kunsthalle Kühlungsborn

„Illusion und Realität“ heißt die Ausstellung des Malers Pierre Fischer, die seit 19. Juni in der Kunsthalle Kühlungsborn zu sehen ist und noch bis zum 31. Juli läuft. Der Künstler zeigt in großen und kleinen Formaten auf mehrfach verschachtelten Bildebenen fragmentarisch Momente der Bewegung, der Bewegungsrichtungen und -ziele, Elemente von Innen- und Außenräumen, die unser Leben im Wesentlichen bestimmen.

Öffnungszeiten der Kunsthalle Kühlungsborn (Ostseealler 48): Dienstag bis Sonntag von 12 bis 17 Uhr.

• Das weitere Programm ist unter www.Kunsthalle-kuehlungsborn.de zu finden.

Thorsten Czarkowski

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