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00:00 12.04.2017
„Martin Luther im Kreise von Reformatoren“ (etwa 1625). Auch dieses Gemälde wird im Martin-Gropius-Bau gezeigt. Quelle: Foto: Dhm

/Eisenach. Von Wittenberg in Deutschland bis in die Urwälder von Tansania: Wohl kaum eine Idee, kaum ein Glaube verbreitete sich so schnell und so gründlich wie der Protestantismus. Mit seinen Thesen gegen den Ablasshandel in der katholischen Kirche gab Reformator Martin Luther (1483-1546) vor 500 Jahren die Initialzündung für eine Bewegung, die getragen wurde von Geistlichen und Verfolgten, von Soldaten und Kolonisatoren und bis in die entferntesten Winkel der Erde drang. Rund 800 Millionen Menschen nennen sich heute Protestanten.

Wie sich der Gedanke der Reformation global ausbreitete, zeigt eine Schau in Berlin.

Zum Reformationsjubiläum zeichnet das Deutsche Historische Museum (DHM) ab heute in einer Ausstellung in Berlin die Ausbreitung des Protestantismus im globalen Maßstab nach. „Der Luthereffekt“ – unter diesem Titel dokumentiert die Schau (bis 5. November) im Gropius-Bau die Entstehung evangelischer Glaubensgemeinden in Deutschland und ihre globale Entwicklung in Europa, Afrika, Asien und Nordamerika.

Mit teils in Deutschland noch nie gezeigten Objekten werden auf rund 3000 Quadratmetern auch die lokalen Ausprägungen evangelischer Glaubensformen dargestellt – an den Beispielen von Schweden, USA, Korea und Tansania. Eine Karte der Herrnhuter Brüdergemeine von der Zeit um 1770 zeigt etwa die Niederlassungen der Gemeinschaft auf der Nordhalbkugel.

Liturgische Objekte, diverse Bibelausgaben, Gebetsbücher und Gemälde berichten von den konfliktreichen Beziehungen zwischen Protestanten und Katholiken sowie der innerprotestantischen Ausdifferenzierung etwa zwischen Lutheranern, Calvinisten und Anglikanern. Vor allem in Europa führte die von Luther mit seinen Thesen ausgelöste Kirchenspaltung zu Religionskriegen und jahrhundertelangen Fehden.

Beschleunigt wurde die Bewegung wohl auch vom Buchdruck. Das gedruckte Wort trug den Reformations-Gedanken in die Welt hinaus, lange Abhandlungen und Flugschriften befeuerten zudem den theologischen Disput.

Am Beispiel Schwedens behandelt die Ausstellung auch gesellschaftliche Fragen und die Beziehungen des Protestantismus zur Macht. Der vom Protestantismus ausgelöste Mentalitäts-Wandel breitete sich auf alle Lebensbereiche aus. In den Vereinigten Staaten die evangelischen Gemeinden bis zur Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts entscheidend das politische Leben mit. Die Schau zeigt, wie sich im US-Bundesstaat Pennsylvania die religiöse Vielfalt verwurzelte und Auswanderer ihre eigene religiöse Identität bewahren konnten. Die Anpassung des Glaubens an regionale Bedingungen, etwa an den Islam in Tansania, wird mit Fotos, Videoaufnahmen und Skulpturen dokumentiert.

Im Lichthof des Gropius-Baus hat der Künstler Hans Peter Kuhn ein gigantisches Kunstwerk aus Aluminium-Rohren geschaffen. „Übergang“ nennt sich die Installation, die an die DNA-Doppelhelix erinnert und die Spaltung der Kirche und den Wandel im Verhältnis von Mensch und Gott symbolisch darstellt.

Unterdessen steht auf der Wartburg im thüringischen Eisenach seit gestern ein detailgetreuer Nachbau von Luthers Reisewagen. Das Gefährt wird in der bevorstehenden Nationalen Sonderausstellung „Luther und die Deutschen“ auf der Wartburg vom 4. Mai bis 5. November zu sehen sein. Ausstellungsgäste sollen sich dort in den Wagen setzen können und nachempfinden, wie der Reformator durch die Lande fuhr.

Reisen wie der Reformator – Sonderschau auf der Wartburg

Die Nationale Sonderausstellung

„Luther und die Deutschen“ auf der Wartburg (4. Mai bis 5. November) nimmt Gestalt an. Das sagte Burghauptmann Günter Schuchardt gestern bei der Vorstellung des detailgetreuen Nachbaus von Luthers Reisewagen. Der Ausstellungsbeginn am 4. Mai nimmt Bezug auf den Tag, an dem Luther nach dem Reichstag in Worms und seiner Schein-Entführung 1521 auf der Wartburg eintraf. Damals aber zu Pferde.

Die dritte Partner-Schau neben „Der Luthereffekt“ und „Luther und die Deutschen“ ist „Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“, sie läuft ab dem 13. Mai im Wittenberger Lutherhaus.

Esteban Engel

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