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Der Maler ohne Worte – Gerhard Richter wird 85

Köln Der Maler ohne Worte – Gerhard Richter wird 85

Er ist der teuerste lebende Künstler weltweit / Das Kölner Ludwig-Museum widmet dem Maler ab heute eine Geburtstags-Ausstellung

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Die Kuratorin Rita Kersting spricht in Köln vor dem Gemälde „Abstraktes Bild“ von Gerhard Richter. Die Ausstellung „Neue Bilder“ zu Richters 85. Geburtstag wird heute im Museum Ludwig eröffnet. FOTOS (3): OLIVER BERG/DPA

Köln. Jedes Mal, wenn man Gerhard Richter gegenübersteht, staunt man. Das ist nun „Europas größter Maler“, wie ihn die „New York Times“ nennt? Der „Picasso des 21.

OZ-Bild

Er ist der teuerste lebende Künstler weltweit / Das Kölner Ludwig-Museum widmet dem Maler ab heute eine Geburtstags-Ausstellung

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Jahrhunderts“, als den ihn der „Guardian“ rühmt? Der teuerste Künstler, der einflussreichste Maler? Gerhard Richter Superstar?

Der Mann selbst bildet den größtmöglichen Kontrast zu all diesen Superlativen. Unscheinbar ist er. Klein, schmal und grau. So einer, an dem man vorbeiläuft. Kurz geschnittener Bart, große Brille. Von einer charmanten Befangenheit im Umgang mit allen, die er nicht schon sehr lange und sehr gut kennt. Er hat sich nie daran gewöhnt, im Mittelpunkt zu stehen, auch nicht mit fast 85 Jahren. Heute feiert er seinen Geburtstag.

Wie soll man Gerhard Richter beschreiben? Er ist nicht unbedingt ein Mann ohne Eigenschaften, aber doch ohne Eigenschaften, wie man sie gemeinhin mit einem Künstler verbindet. Er provoziert nicht wie Sigmar Polke, der seine Sammler vergrätzte und versetzte. Er stilisiert sich nicht wie Markus Lüpertz mit seinen dicken Klunkern und dem Gehstock mit Totenkopf. Er schlägt nicht über die Stränge wie Jörg Immendorff, der wegen seines Kokain-Konsums sogar vor Gericht kam. Nein, Gerhard Richter steht für deutsche Tugenden wie Ordnung, Fleiß und Disziplin. Im persönlichen Umgang ist er leise, höflich und zurückhaltend. Alles andere wäre ihm unangenehm.

Richters Atelier befindet sich im Villenviertel Köln-Hahnwald. Er schirmt das Wohnhaus ab. Der Künstler lebt dort mit seiner dritten Frau Sabine Moritz – einer ehemaligen Schülerin – und dem jüngsten Sohn Theodor (11). Nebenan wohnt Stefan Raab. Man fährt hier Porsche oder Jaguar. Richter wird in Veröffentlichungen zu den reichsten Deutschen gerechnet, was er vehement bestreitet. Vermögend ist er, auch wenn er von Rekordpreisen, die bei Auktionen für seine Bilder gezahlt werden, nicht direkt profitiert. Denn dabei handelt es sich durchweg um ältere Bilder, die schon durch mehrere Hände gegangen sind.

Jeden Tag steht er im Atelier. Warum Köln? Reiner Zufall, es geht ihm nicht anders als den meisten: Irgendwo bleibt man hängen. Geboren 1932 in Dresden, Flucht in den Westen 1961, Studium und Professur an der Kunstakademie Düsseldorf. Das ist ganz grob der Lebenslauf. Der Osten steckt immer noch in ihm drin: Wenn er spricht, hört man das Sächsische heraus.

„Ohne Worte“ stand früher unter manchen Karikaturen. Gerhard Richter ist ein Maler ohne Worte. Man hat ihn die Sphinx oder den großen Schweiger genannt, weil er seine Werke nicht erklärt. Und noch weniger sich selbst. Es ist schwierig, ihn zu einem Gespräch zu bewegen. Und wenn er redet, kann es sein, dass er es sich hinterher anders überlegt und keine einzige seiner Aussagen freigibt. Diese Rätselhaftigkeit hat wohl ihren Teil dazu beigetragen, dass er schon zu Lebzeiten als einer der Großen der Kunstgeschichte gilt. Zu Beginn seiner Laufbahn in den 60er Jahren sprachen viele vom Ende der Malerei, denn wenn es um realistische Abbildungen ging, war die Malerei der Fotografie hoffnungslos unterlegen. In Richter sehen viele Kunsthistoriker heute denjenigen, der am stärksten dazu beigetragen hat, der Malerei eine neue Bedeutung zu geben.

Richter griff alle bekannten Genres wieder auf: Landschaften, Seestücke, Porträts, Aktbilder, Stillleben, Historienbilder. Nur eben ganz anders. Zum Beispiel durch den Effekt des Verwischens.

Für Richters meistbewundertes Werk muss man übrigens keinen Eintritt zahlen. Es ist das 19 Meter hohe Fenster im südlichen Querhaus des Kölner Doms.

Die Schau

Das Kölner Museum Ludwig zeigt ab heute eine Ausstellung mit neuen Werken von Gerhard Richter. Sie präsentiert unter anderem 26 Bilder, die erst im vergangenen Jahr entstanden sind. Darüber hinaus sind unter dem Titel „Gerhard Richter. Neue Bilder“ bis zum 1. Mai auch frühere Werke des Künstlers zu sehen. Sein fotorealistisches Werk ist unter anderem vertreten durch das Bild „Ema (Akt auf einer Treppe)“ von 1966 oder die „48 Porträts“ (1971/72) deutscher Geistesgrößen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an den Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Jeder erste Donnerstag im Monat von 10 bis 22 Uhr.

Christoph Driessen

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