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Kultur Der Mann, der Welten erschafft
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21:04 08.05.2018
Christopher Melching ist Ausstattungsleiter und Kostümdirektor am Theater Vorpommern. Quelle: Foto: Sybille Marx

Der Vorhang geht auf, und eine Welt entsteht. „Im ersten Moment einer Inszenierung steht das Bühnenbild im Mittelpunkt“, erklärt Christopher Melching, Ausstattungsleiter und Kostümdirektor am Theater Vorpommern. „Doch dann zieht sich das Bühnenbild sozusagen zurück, und die Handlung tritt in den Vordergrund.“

Christopher Melching liebt seinen Beruf. Gründe dafür findet er viele. „Es ist schön, dass ich ständig etwas neu erschaffen kann. Man fängt immer wieder von vorn an“, erklärt der gebürtige New Yorker. Außerdem habe er mit so vielen verschiedenen Menschen am Theater zu tun wie sonst kaum jemand. „Weil fast alle am Bühnenbild und den Kostümen in irgendeiner Art und Weise beteiligt sind“, sagt er und zählt auf: Schneider, Techniker, Schauspieler, Maske, Tischler... Nicht zuletzt sitze er bei der Premiere gern im Publikum, um die ungefilterten Reaktionen hautnah mitzuerleben. „Denn natürlich macht man das alles in erster Linie für die Theaterbesucher.“

Was jedoch für eine immense Arbeit dahintersteckt, davon haben die meisten Zuschauer wohl kaum eine Ahnung. „Von der Premiere rückwärts gerechnet, muss man sechs bis acht Monate, manchmal auch länger einplanen“, erklärt der 53-Jährige, der zunächst in San Francisco studierte und schließlich an der Hochschule der Künste in Berlin sein Diplom als Kostüm- und Bühnenbildner erhielt.

Die Entstehung eines Bühnenbildes und der Kostüme folgt immer einem Schema: „Am Anfang gibt es eine Story X. Ich überlege mir, was mich an dieser Geschichte interessiert. Ich muss sie verstehen, um eine Inspiration dafür zu bekommen, was es für eine Welt braucht.“ Dafür sei die Diskussion mit den Regisseuren wichtig, um gemeinsam Ideen zu entwickeln. Das Ganze sei eine Teamarbeit. „Wenn ein Team funktioniert, arbeitet man auch gern wieder zusammen“, erklärt Christopher Melching. „Aber ansonsten ist jede Inszenierung mit jedem Team neu.“

Schließlich geht es los mit dem Bau der Modelle. „Da sieht man schon mal, was funktioniert. Und schließlich bekommen auch die Regisseure ein besseres Verständnis für das Bühnenbild.“

Der nächste Schritt ist die Bauprobe. Da wird auf der Bühne bereits mit Wänden, Matten und Stoffen markiert, wie alles aussehen soll. „Das ist wichtig, um zu sehen, ob Größe und Proportionen passen und bei besonderen Lichteffekten wird auch das schon mal probiert.“

Mit technischen Zeichnungen, Grundrissen und Detailzeichnungen geht es zur Werkstattübergabe. Dort übernehmen Schlosser, Tischler, Maler und Schneider das Weitere. Bühne und Kostüme sind vor allem auch eins: handwerkliche Arbeit.

Parallel zu alldem werden die Kostüme entwickelt. Dafür werden ebenfalls als erstes Modelle, sogenannte Figurinen gezeichnet, die später mit Stoffen versehen und schließlich in der Schneiderei genäht werden. „Auch das macht großen Spaß. Vor allem, wenn man dann auch schon die Vorlieben oder Abneigungen der Schauspieler kennt.“ Denn wenn der Mime absolut nicht mit dem Kostüm klarkomme, sei das auch nicht gut.

Der große „Zittertag“, wie Christopher Melching ihn nennt, ist die Komplettprobe. „Da muss alles funktionieren“, erklärt er. „Das Bühnenbild und die Requisiten müssen fertig sein, die Kostüme komplett und die Musik- und Lichteinstellungen sollten stimmen.“ Bei diesen Proben wird dann unter anderem geschaut, ob etwa eine Maskenbildnerin reicht und wie viele Mitarbeiter bei den Kostümwechseln helfen müssen. Der Moment, in dem sich Christopher Melching zurücklehnt, ist die Generalprobe: „Da kann ich dann eh nichts mehr ändern“, sagt der Greifswalder mit einem Lachen.

Kostüm- und Bühnenbildner zu sein, bedeutet also nicht nur, viel Fantasie und Kreativität zu haben, sondern auch handwerkliches Geschick – der entscheidende Allrounder im Hintergrund.

Von New York nach Vorpommern

Christopher Melching wurde in New York geboren und ist in San Francisco aufgewachsen.

Zunächst studierte er in San Francisco und arbeitete dort als Eventdesigner mit einer eigenen Messebaufirma.

In Berlin erhielt er im Jahr 2000 sein Diplom als Kostüm- und Bühnenbildner, er studierte an der Hochschule der Künste.

Mittlerweile hat er an verschiedenen Theatern in Deutschland an über 130 Produktionen in den Bereichen Oper, Operette, Musical und Schauspiel als Kostüm- und Bühnenbildner mitgewirkt. Sein Traum wäre es, einmal das Bühnenbild für eine Richard-Strauß-Inszenierung zu machen.

Seit 2012 ist er Ausstattungsleiter und Kostümdirektor am Theater Vorpommern. Er lebt in Greifswald: „Ich fühle mich im Norden sehr wohl, denn ich mag den trockenen Humor der Menschen hier.“

Miriam Weber

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