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21:52 17.05.2018
Christopher Melching wurde in New York geboren, studierte in San Francisco und Berlin. Sein Traum ist es, das Bühnenbild für eine Richard-Strauß-Inszenierung zu erstellen. Quelle: Foto: Miriam Weber

Der Vorhang geht auf, und eine Welt entsteht. „Im ersten Moment einer Inszenierung steht das Bühnenbild im Mittelpunkt“, erklärt Christopher Melching, Ausstattungsleiter und Kostümdirektor am Theater Vorpommern. „Doch dann zieht sich das Bühnenbild sozusagen zurück, und die Handlung tritt in den Vordergrund.“

Christopher Melching liebt seinen Beruf. Gründe dafür findet er viele. „Es ist schön, dass ich ständig etwas neu erschaffen kann. Man fängt immer wieder von vorn an“, erklärt der gebürtige New Yorker, der schon an mehr als 130 Theater-Produktionen in Deutschland beteiligt war. In seiner Funktion habe er mit so vielen verschiedenen Menschen zu tun wie sonst kaum jemand im Theater. „Weil fast alle am Bühnenbild und den Kostümen in irgendeiner Art und Weise beteiligt sind“, sagt er und zählt auf: Schneider, Techniker, Schauspieler, Maske, Tischler... Nicht zuletzt sitze er bei der Premiere gern im Publikum, um die ungefilterten Reaktionen hautnah mitzuerleben. „Denn natürlich macht man das alles in erster Linie für die Theaterbesucher.“

Was für eine immense Arbeit dahintersteckt, davon haben die meisten Zuschauer wohl kaum eine Ahnung. „Von der Premiere rückwärts gerechnet muss man sechs bis acht Monate, manchmal auch länger einplanen“, erklärt der 53-Jährige, der zunächst in San Francisco studierte und schließlich an der Hochschule der Künste in Berlin sein Diplom als Kostüm- und Bühnenbildner erhielt.

Die Entstehung eines Bühnenbildes und der Kostüme folge immer einem Schema: „Am Anfang gibt es eine Story. Ich überlege mir, was mich an dieser Geschichte interessiert. Ich muss sie verstehen, um eine Inspiration dafür zu bekommen“, schildert Melching. Dafür sei die Diskussion mit den Regisseuren wichtig, um gemeinsam Ideen zu entwickeln. Das Ganze sei eine Teamarbeit. „Wenn ein Team funktioniert, arbeitet man auch gern wieder zusammen“, erklärt Melching. Ansonsten sei jede Inszenierung mit jedem Team neu.

Die praktische Arbeit beginnt mit dem Bau von Modellen. „Da sieht man schon mal, was funktioniert. Und schließlich bekommen auch die Regisseure ein besseres Verständnis für das Bühnenbild.“ Der nächste Schritt, so Melching, sei die Bauprobe. Da werde auf der Bühne mit Wänden, Matten und Stoffen markiert, wie alles aussehen soll. „Das ist wichtig, um zu sehen, ob Größe und Proportionen passen und bei besonderen Lichteffekten wird auch das schon mal probiert.“ Mit technischen Zeichnungen, Grundrissen und Detailzeichnungen geht es zur Werkstattübergabe. Dort übernehmen Schlosser, Tischler, Maler und Schneider. Bühne und Kostüme sind vor allem auch eins: handwerkliche Arbeit. Parallel zu alldem werden die Kostüme entwickelt. Dafür werden ebenfalls als erstes Modelle, sogenannte Figurinen gezeichnet, die später mit Stoffen versehen und schließlich in der Schneiderei genäht werden. Der große „Zittertag“, wie Christopher Melching ihn nennt, ist die Komplettprobe.

„Da muss alles funktionieren“, erklärt er. „Das Bühnenbild und die Requisiten müssen fertig sein, die Kostüme komplett und die Musik- und Lichteinstellungen sollten stimmen.“ Bei diesen Proben wird unter anderem geschaut, ob etwa eine Maskenbildnerin reicht und wieviele Mitarbeiter bei den Kostümwechseln helfen müssen. Der Moment, in dem sich Melching zurücklehnt, ist die Generalprobe: „Da kann ich dann eh nichts mehr ändern“, sagt der Wahl-Greifswalder und lacht.

Miriam Weber

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