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„Der Ost-Komplex“ – Geschichtsaufarbeitung von unten

Berlin „Der Ost-Komplex“ – Geschichtsaufarbeitung von unten

. Zum 27. Jahrestag des Mauerfalls kommt morgen ein Film über die schwierige Aufarbeitung der jüngsten deutschen Geschichte ins Kino, zunächst nur in Berlin, ab 19.

Berlin. . Zum 27. Jahrestag des Mauerfalls kommt morgen ein Film über die schwierige Aufarbeitung der jüngsten deutschen Geschichte ins Kino, zunächst nur in Berlin, ab 19. Januar 2017 bundesweit. In „Der Ost-Komplex“ zeichnet Dokumentarfilmer Jochen Hick das Schicksal von Mario Röllig nach. Als junger Mann verliebte sich Röllig in einen westdeutschen Mann und wollte deshalb aus der DDR flüchten. Die Flucht misslang – als 19-Jähriger wurde Röllig 1987 wegen versuchter Republikflucht im Stasi-Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert.

Ein halbes Jahr nach seiner Entlassung wurde Röllig dann von der Bundesrepublik freigekauft. Doch die traumatischen Erlebnisse der Haft holen ihn bis heute immer wieder ein.

Der Filmregisseur begleitet Röllig bei der aktiven, aber schmerzhaften Aufarbeitung seiner Geschichte. Gleichzeitig fragt die Dokumentation nach den Möglichkeiten einer Verständigung zwischen Tätern und Opfern.

Röllig konfrontiert sich immer wieder ganz bewusst mit der Vergangenheit. Zusammen mit dem Filmteam reist er an die Stationen seiner damaligen Flucht bis nach Ungarn. Bei einer Buchvorstellung mit Egon Krenz, dem letzten SED-Generalsekretär und Staatsratsvorsitzenden der DDR, trifft er auf Sympathisanten der DDR.

Als Zeitzeuge führt Röllig Interessierte durch das Berliner Stasi-Gefängnis, in dem er selbst mehrere Monate saß. In Schulen in ganz Deutschland und auf einer CDU-Parteiveranstaltung berichtet er von seinem DDR-Leben und den Nachwirkungen – und stößt dabei als offen Schwuler immer wieder auch auf Widerstand.

Bis in die USA führt Röllig seine Aufklärungsmission. „Du reist ja fast so viel wie ein Montage-Arbeiter“, sagt der Interviewer, als Röllig wieder einmal unterwegs ist. „Na ja, ich demontiere eben die DDR“, antwortet Röllig grinsend.

Als „asoziales, arbeitsscheues Subjekt“ und „perverses Schwein“ war Röllig von den Stasi-Männern beschimpft worden. Später im Westen angekommen, fasst Röllig zunächst schnell beruflich Fuß und wird Verkäufer in einem Luxuskaufhaus. Dort begegnet er 1999 zufällig seinem damaligen Stasi-Vernehmer – Röllig erleidet einen Zusammenbruch. Er versucht, sich das Leben zu nehmen.

Heute nimmt Mario Röllig Antidepressiva – und macht weiter mit seiner ganz persönlichen Art der Aufarbeitung, die dem Zuschauer einen einzigartigen Einblick in die deutsch-deutsche Geschichte und Gegenwart gibt. Elke Vogel

OZ

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