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02:24 28.03.2014

Cornelius Gurlitt hat in Salzburg weit mehr Kunstschätze gelagert als bekannt war. Nach jüngsten Angaben seines Anwaltes Christoph Edel kommen zu den mehr als 1000 Werken aus dem vor zwei Jahren in München beschlagnahmten „Schwabinger Kunstfund“ 238 Kunstwerke aus Salzburg hinzu — und nicht 60, wie im Februar gemeldet wurde.

Der „Salzburger Kunstfund“ ist noch wertvoller als der Schwabinger. Zwar soll auch in Österreich ein Teil aus Papierarbeiten bestehen — darauf war der NS-Kunsthändler Hildebrand Gurlitt spezialisiert —, aber es sind auch Ölgemälde und Aquarelle von Gauguin, Manet, Monet, Renoir, Matisse, Courbet oder Liebermann darunter. Der Wert dürfte im Bereich von Zig Millionen Euro liegen.

Auf jeden Fall wurde in Salzburg das Erbe, anders als in Deutschland, nicht beschlagnahmt. Parallel zur Nachricht von der Salzburger Kunstvermehrung ließ Deutschlands prominentester NS-Raubkunsterbe mitteilen, dass er nun doch alles, was aus „jüdischem Besitz gestohlen oder geraubt worden“ sei, zurückerstatten möchte.

Anfang des Jahres hatte der 81-Jährige verlautet: „Ich gebe nichts freiwillig zurück“. Als erstes Werk möchte Gurlitt das Porträt „Sitzende Frau“ von Matisse an die Nachfahren des jüdischen Kunstsammlers Paul Rosenberg zurückgeben. Weitere Bilderrückgaben sollen folgen. „Die von Herrn Gurlitt gezeigte Bereitschaft zur Rückgabe bei NS-Raubkunst ist im Sinne der Washingtoner Erklärung“, sagt Ingeborg Berggreen-Merkel, Leiterin der internationalen Gurlitt-„Taskforce“. Eine Herausforderung besteht in der länderübergreifenden Arbeit. Die „Taskforce“ ist für den „Schwabinger Kunstfund“

zuständig, nicht für die Salzburger Bestände. Ins Lostart-Register stellt sie Werke aus München ein, bei denen „ein Raubkunstverdacht nicht ausgeschlossen werden kann“. Inzwischen gibt es 458 Einträge und 200 Briefe von Menschen aus aller Welt, die Werke vermissen.

In Österreich gilt für Bundeseinrichtungen ein „Rückstellungsgesetz“. Privatbesitz unterliegt wie in Deutschland der Verjährung. Das führt zu der Situation, dass nach moralischem Empfinden ein Unrecht vorliegen kann, der Bereich der Legalität aber nie verlassen wurde. Beim „seltsamen Herrn Gurlitt“, wie er in einem Arte-Bericht heißt, könnte das der Fall sein.

Für Insider ist weder der „Schwabinger Fund“ noch der „Salzburger Schatz“ eine Überraschung. Händler, Auktionatoren und Museumsleute kannten die Adresse von Helene Gurlitt und später vom Sohn Cornelius. Die Familie entsandte Leihgaben für Museumsausstellungen ins In- und Ausland. In den fünfziger und sechziger Jahren war Max Lieberman Gemälde „Zwei Reiter am Stand“ in Wien, Helsinki und anderen Städten. Dass es sich bis 1939 im Besitz des jüdischen Kunstsammlers David Friedmann befand, wurde nicht problematisiert. Bis heute stecke das Land voller Kunstwerke, die zwischen 1933 und 1945 jüdischen Familien, Galeristen und Sammlern gestohlen worden seien, ist der Raubkunstexperte Stefan Koldehoff („Die Bilder sind unter uns“) überzeugt. Mehr als 600 000 Werke seien in die Hände „der Nazis und anderer Profiteure“ gefallen.

Was den Salzburger Kunstfund anlangt, kann man Zweifel bekommen, ob die Millionenwerte bis Februar in dem Salzburger Haus lagerten, wo Gurlitt seit November international Schlagzeilen macht. Hatte der Erbe einfach Glück, dass keine Diebe vorbeischauten? Waren die Werke ausgelagert? Und vor allem: Gibt es weitere Verstecke?

Der Fall Gurlitt — eine Chronologie
1280 wertvolle Kunstwerke wurden im Februar 2012 in der Wohnung von Cornelius Gurlitt gefunden. Auf seine Spur waren die Fahnder kurz zuvor bei einer Personenkontrolle im Zug Zürich-München gekommen.
Der Fall wird zunächst geheim gehalten, erst im November 2013 kommt er durch einen Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“ an die Öffentlichkeit.
Im Januar 2014 geben die Ermittler bekannt, dass 458 der Bilder unter dem Verdacht stehen, aus NS-Raubkunstbeständen zu stammen. Gurlitts Vater Hildebrand war einer von Hitlers Kunsthändlern.
Im Februar werden erste Bilder auch in Gurlitts Salzburger Anwesen (Bild) gefunden. Dort lagern 238 Werke.



Johanna di Blasi

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