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Kultur Der Tiermaler in bäuerlicher Landschaft
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00:00 11.02.2017
Friedrich „Fritz“ Grebe: „Am Waldesrand (Am Ahrenshooper Holz)“ von 1896 REPRO: KUNSTMUSEUM AHRENSHOOP

„Die Einheimischen stellen dazu humorvoll fest, dass es auf dem Fischland kein Rindvieh und kein Schaf gäbe, das Grebe nicht gemalt hätte“, schreibt Alfried Nehring (78) in seinem Buch über den Ahrenshooper Maler Friedrich Grebe (1850-1924). Insofern ist das Ölbild „Am Waldesrand (Am Ahrenshooper Holz)“, das Grebe 1896 gemalt hat, auf den ersten Blick kein typischer Grebe. Weit und breit kein Tier. Grebe war neben Oskar Frenzel der Tiermaler auf dem Fischland. Das belegt Nehring in seinem Band „Oskar Frenzel und Fritz Grebe. Sinnbilder ländlichen Friedens in der Landschaftsmalerei um 1900“ (2016) recht eindrücklich.

Fritz Grebe: „Am Waldesrand (Am Ahrenshooper Holz) 1896

Doch Grebes Landschaftsmotive tragen ebenfalls seine Malerei charakterisierende Eigenschaften. Vor allem sein Spiel mit Licht auf dem Wasser. So ist auf dem Waldbild das Ahrenshooper Holz aus Richtung des Ribnitzer Boddens blickend zu sehen. Im Hintergrund lässt sich der Ort erahnen, dort, wo heute die Boddenklinik Rehapatienten beherbergt. Auf dem Bach, der sich am Waldessaum entlang schlängelt, spiegelt sich das Tageslicht, grünes Kraut ist im Wasser zu erkennen. Nehring sagt: „Das Wasser mit den vielen Reflektionen, dem Entenflott darauf – und was da alles zu sehen. Es ist eine schöne Staffelung und Tiefe in diesem Bild.“ Der Standort, von dem aus Grebe gemalt habe, sei einer, den er, als auch Elisabeth von Eicken (1862-1940) damals bevorzugt haben. Nehring: „Bei Grebe ist die Farbgebung das Besondere. Das Ockerfarbene erzeugt eine gewisse Melancholie. Das Stimmungshafte ist für den Betrachter der Bilder zu erschließen. Speziell mit diesem Bild ist Grebe sehr charakteristisch für die Landschaftsmalerei.“

In den Bildern, die dort und an anderer Stelle in der Natur entstanden, verewigten diese Maler ihren Blick auf eine idyllische Natur und ein romantisches Landleben. Katrin Arrieta und Gerburg Förster schreiben in dem Katalog zur Eröffnungsausstellung des Ahrenshooper Kunstmuseums, der Künstler sah „in den tauglänzenden Wiesen oder Wassertümpeln als natürlichen Spiegeln des Wolkenhimmels exemplarische Sinnbilder einer anspruchslosen, in sich selbst ruhenden Lebensform. Malerisch verfolgte er in diesem einfachen Motivangebot nun vor allem die körperlosen Manifestationen von Atmosphäre und Licht“. Auch sie betonen seine Vorliebe für Lichtspiegelungen im Wasser.

Fritz Grebe ist einer der Gründerväter der Ahrenshooper Künstlerkolonie, aber in vielen Aspekten kein typischer Vertreter. Er war schon ein gestandener Künstler, verheiratet, Vater zweier Zwillingstöchter, als er 1895 nach Ahrenshoop kam und sich 1897 auf seinem Anwesen in der „Villa Grebe“ am Grenzweg 8 mit Familie niederließ.

Grebe wurde am 11. Oktober 1850 in Heisebeck bei Karlshafen an der Oberweser geboren. In Kassel studierte er von 1873 bis 1877 an der Kunstakademie. Er war Freiwilliger im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, wurde verwundet und beschloss im Lazarett, nach Amerika auszuwandern. Dort lernte er das ländliche Leben noch intensiver kennen. Als Sohn eines Königlichen Forstmeisters war das Interesse an Natur und Wald von Kindheit an gegeben.

Grebe gehörte der Düsseldorfer Malschule an und hatte Kontakte zur Künstlerkolonie Willingshausen in der Schwalm (nahe Marburg), der ältesten in Europa, als auch zur Malerkolonie Barbizon bei Fontainebleau in Frankreich. In seinen Berliner Zeiten verkaufte er seine Norwegen-Bilder von einem Aufenthalt 1884 sehr gut. Über den Kontakt mit Friedrich Wachenhusen und Paul Müller-Kaempff kam er 1895 an die Ostsee, war auf dem Fischland als Persönlichkeit und im Dorf als guter Nachbar verortet.

Die Dorfbewohner haben Grebe Professor genannt. Sein Nachbar war ein Kuhhirte, dessen kräftige Statur sich in vielen Bildern wiederfindet. Im Lexikon der Düsseldorfer Malschule (1997) steht über Grebe: „Mit technischer Perfektion orientierte er sich stilistisch an der traditionellen Landschaftsmalerei der Düsseldorfer Schule und tendierte nach 1895 zum Impressionismus. Grebes Motivrepertoire beschränkt sich auf deutsche Landschaften, norwegische Fjorde sowie Tiere auf der Weide.“ Grebe habe sich intensiv „für das bäuerliche Leben in Ahrenshoop interessiert und den Dorfalltag in seinen Gemälden gestaltet“, ergänzt Nehring und habe damit in einigen Bildern ein Alleinstellungsmerkmal.

Grebes Bild „Am Waldesrand“, für Nehring eines seiner besten Landschaftsbilder, ist als Dauerleihgabe des Förderkreises Kunstmuseum in der Sammlung des Museums in Ahrenshoop und wird in der Jubiläumsausstellung zu sehen sein.

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