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Kultur Der Turmbau an der Elbe
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00:00 16.02.2017
Dekonstruierte Elbphilharmonie: der belgische Künstler Peter Buggenhout vor seiner 15 Meter hohen Skulptur „Babel-Variationen“. Quelle: Fotos: Axel Heimken/dpa

Man kann sich einem Neubau mit Fragen nähern: „Verstehen Sie Ihre Arbeit als kreativ?“ wollte die Künstlerin Monica Bonvicini von Bauarbeitern wissen. Ja, antworteten viele, stolz auf ihr Schaffen. Auf die Frage „Ist das Bauen männlich?“ gab es ebenfalls meist ein Ja, aber auch ein verständnisloses „Was soll so eine Frage?“

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Die Hamburger Deichtorhallen zeigen Arbeiten von Bildenden Künstlern zur Elbphilharmonie

Die in Berlin lebende Professorin für performative Kunst hat Arbeitern auf Baustellen in aller Welt ihren Fragebogen vorgelegt. Die ausgefüllten Formulare hängen jetzt säuberlich gerahmt in der großen Hamburger Deichtorhalle als Artefakte. Sie wolle mit der Arbeit „What Does Your Wife / Girlfriend Think of Your Rough and Dry Hands?“ (Was sagt Ihre Frau / Freundin zu Ihren rauen, trockenen Händen?) das Berufsbild des Bauarbeiters in Hinblick auf Geschlechterklischees untersuchen, sagt Bonvicini – was sie herausbekam und welchen künstlerischen Gehalt die Befragung hat, darüber gibt sie keine Auskunft.

Doch sie ist Teil einer großen Ausstellung, die seit heute das neue Wahrzeichen Hamburgs feiert – die Elbphilharmonie. Tangential nennt man wohl den Ansatz der weltweit gerühmten Italienerin Bonvicini, andere sind da direkter: Die großformatigen Fotos von Candida Höfer zeigen das Gebäude als Glas-, Beton- und Stahlmonument vor der Eröffnung. Höfer macht die Arbeit des Basler Architekturbüros Herzog & de Meuron sichtbar als über-ästhetische Skulptur. „Die Arbeiten reflektieren nicht nur die spektakuläre Architektur des Hauses, sondern auch die Baugeschichte und die Musik an sich“, sagte gestern Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter bei der Vorstellung der Schau. Und Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow gab unumwunden zu, dass sein Haus nun auch „von der Nachbarschaft zum Jahrhundertbauwerk profitieren“ wolle. Es gibt unter den Exponaten durchaus Versuche, sich kritisch dem „neuen fetten Elefanten in der Hafencity“ (Lieben-Seutter) zu nähern. Der Chef der Konzerthalle gibt zu bedenken, dass sein Haus von der Reibung mit Subversion und Diskussion profitieren könne.

Eine offensichtliche und zugleich plumpe Kritik präsentiert der Belgier Peter Buggenhout mit seinem Turmbau zu Babel – eine riesige Skulptur aus Sperrholz und Stahlträgern. Die „Babel-Variationen“

schreien den Besucher als Symbol menschlichen Größenwahns geradezu an. Dezenter erscheint der Sperrholz-Nachbau der Elbphilharmonie der Hamburger Künstlergruppe Baltic Raw. Im Inneren dieser „Kanalphilharmonie“ sind Kommentare zum Original vom Plattenspieler zu hören, dazu all die Geräusche, die aus dem Konzertsaal verbannt werden – Vogelgezwitscher zum Beispiel.

Geradezu raffiniert der Beitrag von Tomás Saraceno. Der Argentinier lässt eine afrikanische Seidenspinne in einem großen Glaskasten ein Netz bauen – filigran und von einem Scheinwerfer beleuchtet.

Die Staubentwicklung im abgedunkelten Raum wird von einem Mikrofon in ein brummendes Geräusch übersetzt, das die Spinne bei ihrem Netzbau leitet. „Nichts kommt der Architektur der Elbphilharmonie so nahe wie das Spinnennetz“, erklärt Kurator Dirk Luckow die Installation. Man möchte ihm widersprechen: Monumental baut die Spinne nicht.

Kunst zum Bau

Die Ausstellung „Elbphilharmonie Revisited“ zeigt die Reaktion von Künstlern auf die Architektur des neuen Konzerthauses. Beteiligt sind: Baltic Raw Org, Monica Bonvicini, Peter Buggenhout, Jean-Marc Bustamante, Janet Cardiff/ George Bures Miller, Tacita Dean, Uli M. Fischer, Liam Gillick, Herzog & de Meuron, Candida Höfer, Sarah Morris, Thomas Ruff und Tomás Saraceno.

Öffnungszeiten:

Di. bis So., 11 bis 18 Uhr. Jeden ersten Donnerstag im Monat 11 bis 21 Uhr. Zu sehen bis 1. Mai.

Michael Berger

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