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Kultur Der Virtuose blieb im Ungefähren
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12:34 24.03.2014
Schwerin

Mit Vater David Oistrach hat sich dieser Klang gebildet und weltweit verbreitet; Sohn Igor hat ihn gefestigt und bewahrt, und auch in der dritten Generation klingt er schon geigerisch auf den Konzertpodien der Welt.

Eine Aura ist von der besonderen künstlerischen Ausstrahlung einer Persönlichkeit auf den bloßen Namen übergegangen und zieht selbst junge Hörer, die noch nie Gelegenheit hatten, die legendäre Meisterschaft mit eigenen Ohren zu prüfen, mit magischer Kraft in den Konzertsaal.

Die Reihe der Meisterkonzerte am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin, die das intime Pendant zu den Aufführungen der „Turandot“ unter freiem Himmel bieten, setzt gerade auf diese magische Kraft großer Namen. Und tatsächlich füllten sich am Montagabend Parkett und Ränge im Großen Haus mit großer Zuhörerschaft. Auffällig viele junge Leute waren gekommen, Schüler, die den wegen der nahen Ferien nachlassenden Leistungsdruck abschüttelten, um den Geiger Igor Oistrach in einem Duoabend mit seiner Gattin Natalia Zertsalova am Flügel einmal selbst erleben zu können.

Das Programm war zweigeteilt. Der erste Teil ganz klassisch, Mozarts A-Dur-Sonate KV 305 und die Sonate für Klavier und Violine c-Moll op. 30 Nr. 2 von Ludwig van Beethoven. Doch schon hier wurden die hochgeschraubten Erwartungen nicht eingelöst. Der Mozart begann mit überraschend robustem Geigenton und einer unerwartet kantigen, ja beinahe ruppigen Ausführung mit oft schroffen Phrasenenden. Das Graziöse, das der Komponist der Tempobezeichnung des Variationssatzes als Gestaltungsvorschrift angefügt hat, verschwand unauffindbar hinter einer trockenen, ledernen Darstellung.

Auch im Adagio cantabile der Beethoven-Sonate glich die Gesanglichkeit der melodischen Bögen mehr der Zärtlichkeit eines gealterten Mannes mit knochigem Zugriff und hartem Ton. Allein Natalia Zertsalova bot dazu auf dem Klavier einen mehr flexiblen Part mit weiblichem Charakter und fasste den anspruchsvollen Klaviersatz farbenreich und dynamisch, setzte schöne Kontraste, war energisch und zart und ließ die Läufe perlend dahingehen.

Nach der Pause erklangen zwei Stücke aus op. 42 von Peter Tschaikowski mit tenoralem Schmelz und einer von gehörigem Portamento untermauerten romantischen Wehmut. Dann einige Piecen der virtuosen Violinliteratur: Introduktion und Variation auf der G-Saite op. 7 von Niccolo Paganini und dessen bekanntes Rondo „La Campanella“ sowie aus Nikolai Rimski-Korsakows Oper „Der goldene Hahn“ eine Bearbeitung für Violine und Klavier.

Doch Virtuosität ist nur dann eine solche, wenn bei aller Rasanz und fingerbrecherischen Schwierigkeit jede Kleinigkeit gestochen sitzt und traumwandlerisch sicheres Gelingen einem den Atem nimmt. Das bloß Ungefähre macht keinen Effekt, und so blieb bei Oistrach oft nur die leere Geste des Virtuosen. Wir sind verwöhnt. Es wächst eine junge Elite heran und die globalen Vergleichsmöglichkeiten sind heute jedem verfügbar. Dennoch fand der größte Teil der Zuhörer seine Erwartungen scheinbar erfüllt und spendete begeisterten Beifall.



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