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Kultur Der doppelte Dirigent
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01:16 05.10.2017
Generalmusikdirektor und Professor Daniel Huppert

Daniel Huppert erinnert etwas an den jungen Tom Hanks, wie er da so sitzt zwischen zwei starken Frauen. Ruhig, ein wenig schüchtern, in der Sache voll konzentriert, wenn er zu seinem Thema spricht, nimmt er die Hände dazu und lässt die Augen funkeln. Da ist Begeisterung am Werk, der weiß sich zurückzuhalten, wenn andere an der Reihe sind, der weiß sich durchzusetzen, wenn sein Part ansteht. Diesem 36-Jährigen traut man es ohne Zweifel zu, ein Orchester im Griff zu haben und eine Klasse anzuleiten – als Dozent. Beides vereint er in Zukunft in Schwerin und Rostock.

Daniel Huppert

Seit 2012 ist Daniel Huppert Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin. Er stammt aus Kaiserslautern, hat in Weimar u.a. Violoncello und Dirigieren studiert, war Chefdirigent des Uni-Orchesters Leipzig, Assistent du chef d’orchestre an der Opéra National Paris und arbeitete mit Orchestern in Berlin, Saarbrücken, Würzburg, Wien.

Der Generalmusikdirektor und Chefdirigent des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin ist jetzt auch künstlerischer Professor im Fach Dirigieren an der Rostocker Hochschule für Musik und Theater (HMT). Kultusministerin Birgit Hesse (SPD) gerät ins Schwärmen: „Das ist eine tolle Idee und er ist eine tolle Person. Herr Huppert ist ein bisschen ein Exot in der Hochschullandschaft.“ Die Idee ist, dass Huppert, dessen Vertrag am Schweriner Theater bis 2020 läuft, zeitgleich an seinem musikalischen Werk arbeitet und an der Musikhochschule lehrt. Hesse: „Diese Zusammenarbeit zwischen einer Hochschule und einem Theater, die vom Ministerium gefördert wird, ist ein Präzedenzfall in Deutschland“. Im Fach Dirigieren sei es etwas problematisch, wenn sich Professoren über Jahrzehnte nur noch der Lehre widmen, da sie sich verengen würden. Hesse sagt: „Durch diese Kooperation haben wir nun jemanden, der vernetzt ist und den Studierenden ihr praktisches Wissen immer wieder weitergeben kann.“

Die Idee für diese Kooperation kam der Rostocker HMT-Rektorin Susanne Winnacker. Sie sagt, für die Hochschule habe es enorme Vorteile und auch das Theater profitiere davon. Huppert: „Das ist ja ein Problem in diesem Studienfach. Ich kann ja nicht für jeden Studenten, wenn der mal Dirigieren proben will, jede Woche ein ganzes Orchester mieten.“ Früher sei es üblich gewesen, dass Dirigat-Studenten in ihrer Diplomprüfung zum ersten Mal vor einem Orchester stehen.

Darüber hinaus gebe es einen sozialen Effekt. Ein Orchester funktioniert wie ein Bienenstock mit vielen kleinen menschlichen und technischen Eigenheiten. Die soziale Komponente, neben dem musikalischen Bildungswerk der größte Anspruch an Dirigenten, habe man sich als Dirigent bisher ad opus angeeignet – also mitten im Berufsleben vor dem Klangkörper. Nun soll das Teil der Ausbildung werden. Daniel Huppert sagt: „An den Hochschulen geht es ja auch um das Ausbilden von Persönlichkeiten. Als Chefdirigent ist man für weit mehr als die Musik zuständig. Ich bin da für 68 Menschen und Musiker da.“

Mit diesem Angebot, so Susanne Winnacker, sollen die Studenten aus ihren Kokons gelockt und auf die Praxis vorbereitet werden. Dazu werden sie bei Hupperts Einstudierungen anwesend sein können, den Theaterbetrieb kennenlernen, aber auch zur Probe mit dem Orchester des Staatstheaters dirigieren und Einstudierungen einüben. By the way erleichtert das übrigens die Arbeit des Rostocker Hochschulorchesters, das ja ebenfalls aus Studierenden besteht. Susanne Winnacker: „Dort arbeiten und studieren Lernende und Lehrende zusammen, was in der Musik, immer problematisch ist.“

Neu an der Professur ist auch, dass sie nicht personengebunden, sondern an die Stelle des Schweriner Generalmusikdirektors gekoppelt ist. Wechselt der, übernimmt der Neue auch das Lehramt. Bis 2019 arbeitet Huppert in Rostock mit dem Lehrstuhlinhaber Professor Christfried Göckeritz zusammen, der dann in den Ruhestand geht. Huppert: „Solange Herr Göckeritz, der ja auch in Weimar studiert hat, noch da ist, können wir gemeinsam den Grundstein für eine völlig neue Ausbildung legen.“

Michael Meyer

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