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00:00 24.03.2014
„Liegender weiblicher Akt“, 1905/06 (l) und „Liegende Mutter mit Kind II“, 1906, sind in der neuen Modersohn-Becker-Schau zu sehen. Fotos (2): dpa

Berlin, Worpswede, Paris: Drei Lebensstationen prägten den Weg der Malerin Paula Modersohn-Becker (1876-1907) hin zu einer eigenen und mutigen Bildsprache. Das Bremer Paula Modersohn-Becker Museum präsentiert seit gestern eine Sonderausstellung, die den Werdegang der Expressionismus-Künstlerin entlang dieser Stationen nachzeichnet. Bis zum 6. Juli sind unter dem Titel „Berlin — Worpswede — Paris“ mehr als 120 Zeichnungen und Gemälde zu sehen, darunter große Figurenkompositionen, Porträts und Selbstporträts.

Die Ausstellung zeige Paula Modersohn-Beckers Weg zu einer eigenen Bildsprache am Anfang der Moderne, sagte Kuratorin Simone Ewald vor der Eröffnung. Sie steht im Zusammenhang mit dem 125-jährigen Bestehen der nahe bei Bremen gelegenen Künstlerkolonie Worpswede, das in diesem Jahr gefeiert wird. Paula Modersohn-Becker zählt zu den bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus, die schon zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn in Berlin wichtige Impulse in dieser Richtung aufnahm. Weil den Frauen damals staatliche Kunstakademien verwehrt blieben, schrieb sie sich in einer privaten Malschule ein. Dort experimentierte sie mit Licht und Schatten, Körperlichkeit, Akt und Konturen.

Besuche in Berliner Museen lieferten weitere Anregungen. „Altdeutsche Meister und Werke der italienischen Frührenaissance beeindruckten sie, in den Galerien sah sie die neueste französische Kunst und die Werke von Edvard Munch, die ihr wichtig waren.“

Überall in der Bremer Ausstellung hängen Porträts, die einen wesentlichen Teil des umfangreichen Werks von Paula Modersohn-Becker ausmachen. „In Worpswede entwickelt sie einen schonungslosen Realismus“, betonte Ewald und fügte hinzu: „Sie malt, als ob sie die Gesichter mit der Lupe betrachtet hat, um ja keine Falte auszulassen.“ Auch ausgemergelte Körper und Kinder, die sie eben nicht wie damals noch vielfach üblich als engelhafte und süße Wesen darstellte, sind Indizien dafür.

Im Anschluss entstand in der bäuerlich-herben Atmosphäre des Moor- und Künstlerdorfes Worpswede eine Bildsprache „klar in Form und Farbe“, die ihrer Zeit weit voraus war. Sie befreite sich von Konventionen und den naturlyrischen Darstellungen ihrer Malerkollegen. Paris schließlich bedeutete für Paula Modersohn-Becker in erster Linie Inspiration. „Die Stadt war um 1900 das Zentrum der Kunst“, betonte Ewald. Zu insgesamt vier Besuchen kam sie an die Seine, trotzdem kehrte sie zwischenzeitlich immer wieder nach Worpswede zurück. Auf der Suche nach der großen Einfachheit der Form vereinte sie ihren in Paris gefestigten modernen Stil mit der erdigen Farbigkeit und den schweren Formen der Moorlandschaft. Sie habe sich zwar von den Werken großer Künstler inspirieren lassen, bilanzierte Ewald. „Am Ende malt sie aber nicht wie ihre Vorbilder, sondern schafft eine unverwechselbare eigene Bildsprache.“

Paula Modersohn-Becker und Worpswede
Nach Experimenten zwischen Jugendstil und Impressionismus entwickelte sich Paula Modersohn-Becker (1876-1907) zur Pionierin der Moderne. Innerhalb von zehn Jahren schuf sie rund 400 Werke. Kurz nach der Geburt ihrer Tochter 1907 starb Paula Modersohn-Becker im Alter von 31 Jahren an den Folgen einer Embolie. Zu Lebzeiten hatte sie nur drei ihrer mehr als 740 Gemälde verkauft.
Heute gilt sie als Star — ihre Werke sind Millionen wert.



Worpswede war seit 1889 eine der bekanntesten Künstlerkolonien. In der Region MV gab es Künstlerkolonien in Ahrenshoop, Schwaan und auf der Insel Usedom.
Paula Modersohn-Becker:

Berlin — Worpswede — Paris vom 23. März bis 6. Juli. Geöffnet dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Paula Modersohn-Becker Museum, Böttcherstraße 6-10, 28195 Bremen.



Dieter Sell

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