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Der geschenkte Uecker-Gaul zu Schwerin

Schwerin Der geschenkte Uecker-Gaul zu Schwerin

Wahre Größe! Welche Bescheidenheit! Jeder, der schon mal ein echtes Kunstwerk betrachtet hat, muss zugeben, heimlich den Wunsch gehegt zu haben, es in den Privatbesitz zu überführen.

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Der Uecker-Druck „ohne Titel“.

Quelle: Staatliches Museum Schwerin

Schwerin. Wahre Größe! Welche Bescheidenheit! Jeder, der schon mal ein echtes Kunstwerk betrachtet hat, muss zugeben, heimlich den Wunsch gehegt zu haben, es in den Privatbesitz zu überführen. Richter überm Esstisch, Triegel überm Ehebett, Warhol überm Sofa, Freud überm Klo und Pollock im Garten — so stellt man sich sein Eigenheim vor. Indes, oft mangelt es am Kleingeld und es reicht nur zum Aquarell von Tante Inge oder den Schultuschezeichnungen der Gören — schick gerahmt, versteht sich.

Was also gehört an Weitsicht dazu, ein Werk von Günther Uecker weiterzuverschenken? Auch noch so, dass es der Öffentlichkeit, dem gemeinen Plebs diene, der ja sowieso am liebsten Bier trinkt und der Kunst mit Distanz gegenübersteht. Erinnert sei nur an Sätze wie: „Das kann ich auch!“ Prost!

Und doch gibt es Leute, die verschenken Kunst. Mathias Brodkorb, seines Zeichens Sozialdemokrat und Kultusminister von MV. Dem Volke also wie der Kunst verpflichtet. Brodkorb hat gestern dem Staatlichen Museum Schwerin einen Uecker-Druck vermacht. Oder: nein. Das Museum hat Brodkorb einen Uecker geschenkt und der hat zurückgeschenkt — oder, wie man im Kindergarten sagt: Geschenkt ist geschenkt, wiederholen ist gestohlen! Nun ja, die Geschichte geht so. Das Museum gab bekannt, dass „dank der großen Bemühungen von Minister Brodkorb endlich mit dem langersehnten Museumsanbau begonnen werden“ konnte. Danke, großer Vati!

Und da haben die „Freunde des Staatlichen Museums“ dem Minister für sein Engagement „den Druck 1/100 aus der Sonderedition von Günther Uecker“ überreicht. Und den schenkte Brodkorb gestern dem Staatlichen Museum. Unter Aufsicht, äh, Presse, versteht sich. Nun ja, man könnte auch fragen: Ist das nicht sein Job? Aber das wäre kleinbürgerlich! Große Gönner sagen: „Tue so, als tuest du Gutes, und rede darüber!“ —mym—

 



OZ

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