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Der große Exil-Baukasten der Familie Mann

Lübeck Der große Exil-Baukasten der Familie Mann

Das Buddenbrookhaus zeigt eine Sonderausstellung über die Emigration von Thomas Mann und den Seinen

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An der linken Wand sind Einwanderungs-Unterlagen in die USA ausgestellt, das Kabinett rechts ist „Doktor Faustus“ gewidmet.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. Das Leben der Familie Mann war exemplarisch für das Schicksal vieler Intellektueller im 20. Jahrhundert. Vertreibung, Flucht und schließlich Exil waren die Stationen, die viele Regimegegner absolvieren mussten. Ob sie nun vor Hitler, Mussolini, Franco oder Stalin flohen, ist zweitrangig. Das Buddenbrookhaus arbeitet jetzt in einer Sonderausstellung die Exil-Schicksale von Thomas Mann und seiner Familie sowie seinem Bruder Heinrich auf. Es zeigen sich erschreckende Parallelen zum derzeitigen Flüchtlingselend.

Für Heinrich Mann zum Beispiel wurde es direkt nach der Machtübernahme durch Hitler im Januar 1933 brenzlich. Er stand als engagierter Linker ganz oben auf den Verhaftungslisten der Nazis, Heinrich Mann gelang im letzten Moment die Flucht in sein geliebtes Frankreich. Als der Krieg ausbrach, musste sich der 70-Jährige gemeinsam mit seinem Neffen Golo zu Fuß nach Spanien durchschlagen, um dann per Schiff die USA zu erreichen.

Dort trafen sich dann alle Manns, Thomas und Katia, ihre sechs Kinder und letztlich auch Heinrich Mann. Warm wurden sie in ihrer neuen Heimat nie, obwohl die USA die größte Sicherheit boten, die damals überhaupt möglich war. Sie gingen zurück nach Europa, nur Heinrich Mann schaffte es nicht mehr. Er starb in Los Angeles, kurz bevor er in die DDR übersiedeln wollte. Nach Deutschland zog es die Manns nicht mehr, die Schweiz wurde ihr neues Aufenthaltsland.

Die Ausstellung, an deren Gestaltung Schülerinnen und Schüler der Grund- und Gemeinschaftsschule St. Jürgen mitgewirkt haben, ist ein Vorgriff auf die neue Dauerausstellung im Buddenbrookhaus, die nach dem Umbau des Hauses Mengstraße 6 eingerichtet wird und sich auch dem Exil der Mann- Familie widmen soll. Im „alten“ Buddenbrookhaus erprobt man bereits neue Formen der Vermittlung. Die Ausstellung ist wie ein großer Baukasten gestaltet. In vier „Literaturinseln“, hölzernen Kabinetten, werden „Mario und der Zauberer“, „Doktor Faustus“, „Mephisto“ und „Die Jugend des Königs Henri Quatre“ thematisiert, stellvertretend für die im Exil entstandenen Werke der Manns. Zwischen den Inseln finden sich historisch-biografische Zonen, in denen die unterschiedlichen Exilschicksale der Manns mit Originaldokumenten erzählt werden. Das ist zwar einerseits plakativ, andererseits aber wirken die Faksimiles der Originaldokumente und Fotografien überzeugender als die klassischen Erzähltafeln. Auch ästhetisch ist dieser „Baukasten“ überaus reizvoll. Das lässt viel hoffen für die neue Dauerausstellung. „Fremde Heimat. Flucht und Exil der Familie Mann“ – zu sehen bis zum 8. Januar 2017

Jürgen Feldhoff

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