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00:00 25.03.2017

Natürlich war er da, als in Berlin die Mauer fiel. Von den ersten Nachrichten im französischen Fernsehen alarmiert, packte Mstislaw Rostropowitsch sein Cello ein und buchte den nächsten Flug von Paris nach Berlin. So saß er am 9. November 1989 an einem Mauerabschnitt unmittelbar am Checkpoint Charlie und spielte Bach. Ein historischer Moment; im Leben des russischen Cellisten, der am 27. März 90 Jahre alt geworden wäre, gab es viele davon.

Rostropowitsch war mehrfach Symbolfigur der Zeitgeschichte. Weil er den Dissidenten Alexander Solschenizyn unterstützte und ihm in seiner Datsche Unterkunft gewährte, fiel der gerade noch gefeierte Staatskünstler in der UdSSR in Ungnade: Anfang der Siebzigerjahre durfte der Cellist in Russland nicht mehr auftreten, 1978 wurde er während einer Gastspielreise per Breschnew-Dekret ausgebürgert.

Zwölf Jahre später beschäftigte er erneut die oberste sowjetische Staatsführung: Michail Gorbatschow unterzeichnete 1990 seine Rehabilitierung.

Vor allem aber in der Musikgeschichte hat der 2007 in Moskau gestorbene Rostropowitsch tiefere Spuren hinterlassen als die meisten anderen Interpreten des 20. Jahrhunderts. Das liegt nicht nur an seinen zahlreichen Aufnahmen, die selbst in der heute erscheinenden opulenten Box „The Complete Warner Recordings“ bei Weitem nicht vollständig versammelt sind. Vor allem hat der Cellist dafür gesorgt, dass immer neue Werke für sein Instrument entstehen.

Rostropowitschs Spiel war wichtige Inspiration nicht nur für Größen wie Schostakowitsch, Prokofjew und Britten, deren Werke für ihn längst zum Standardrepertoire gehören. Es gibt kaum einen Komponisten von Rang, der nichts für „Slawa“ geschrieben hätte. Das Verzeichnis der Widmungen und Uraufführungen, die dem Begleitband der Box angefügt ist, listet mehr als 150 Werke auf.

Gerade die Aufnahmen dieser Stücke erscheinen heute viel faszinierender als einstmals legendäre Klassiker-Einspielungen wie etwa die von Beethovens „Tripelkonzert“ mit Herbert von Karajan, David Oistrach und Swjatoslaw Richter: Auch auf den glanzvollsten Interpretationen setzt sich irgendwann der Staub ab. Die Anregungen aber, die Rostropowitsch in den rund sechs Jahrzehnten seines Wirkens gegeben hat, klingen immer weiter nach.

Mstislaw Rostropowitsch: „The Complete Warner Recordings“ – Sämtliche Aufnahmen für EMI, Erato und Teldec auf 40 CDs und 3 DVDs mit 200-seitigem Begleitbuch

Stefan Arndt

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