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Der talentierte Mister Gaga

Berlin Der talentierte Mister Gaga

Zwischen Pop-Glamour und Heroin-Absturz. Der Gropius-Bau Berlin zeigt ab Mai die David-Bowie-Schau.

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Androgyn und provokant: David Bowie, fotografiert 1973. In den 1970ern inszenierte sich Bowie als Großstadtgewächs und Borderlinefigur.

Quelle: Masayoshi Sukita

Berlin. In den 1970er Jahren inszenierte sich David Bowie als bleiches Großstadtgewächs und Borderlinefigur zwischen Pop-Glamour und Heroin-Absturz. Im legendären Songtitel „Heroes“, den die britische Popikone 1977 nur einen Steinwurf von der Berliner Mauer entfernt in den Hansa-Studios einspielte, schwingt die Kultdroge jener Zeit phonetisch mit.

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David Bowie: Ausschnitt aus dem Video „Ashes to Ashes“, 1980.

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Bowie konnte sich erfolgreich ausnüchtern, die Bowie-Droge aber wirkt weiter: Als Anfang des Jahres der Kartenvorverkauf für die im Mai in Berlin eröffnende David-Bowie-Schau begann, brachen die Server zusammen. Gestartet ist die als Wanderausstellung angelegte Schau in London. Zeitgleich zur Veröffentlichung von Bowies Album „The Next Day“ hatte das Londoner Victoria and Albert Museum die Bowie-Hommage eröffnet: mit futuristischen Kostümen und Raritäten aus dem Bowie-Archiv. Mit über 300 000 Besuchern wurde es eine der erfolgreichsten Veranstaltungen des Design- und Modemuseums. Im Berliner Gropius-Bau wird die Blockbuster-Ausstellung um einen Berlin-Teil ergänzt.

Schon als mittelmäßig bekannter Protagonist des Pop-Zirkus scheint Bowie die Musealisierung im Blick gehabt zu haben. Jedenfalls sammelte er akribisch Bühnenutensilien, Erinnerungsstücke und Papierschnipsel. Für die Ausstellung wurden aus 75 000 Objekten 300 Stücke ausgewählt: von der Akustikgitarre aus der „Space Oddity“-Ära Ende der 1960er Jahre über einen eisblauen Anzug aus den beginnenden Siebzigern bis hin zu Bowies Kokainlöffel.

In den 70er Jahren hieß Bowies Alter Ego Ziggy Stardust, tönte mit Roboterstimme aus dem Weltall und sah aus wie von einem galaktischen Blitz gestreift. Für die „Aladdin Sane“-Tour ließ sich das Mannequin Bowie 1973 vom japanischen Modedesigner Kansai Yamamoto ein gestreiftes Pluderhosenoutfit maßschneidern. Auch in Berlin zu sehen. Wie zuvor in London werden Kostüme und Erinnerungsstücke multimedial inszeniert. Der Berlin-Schwerpunkt — Bowie lebte von 1976 bis 1978 in der geteilten Stadt und nahm drei seiner experimentellsten Alben auf („Berlin-Trilogy“) — wird noch erarbeitet.

In den Hansa-Studios schrieb Bowie Musikgeschichte — auch U2, Depeche Mode, Nick Cave oder Nina Hagen. Manchmal richteten die Toningenieure die Lautsprecher auch in Richtung Osten und foppten die DDR-Grenzposten mit lautem Hundegebell. Die eisige Systemkonfrontation des Kalten Krieges schien an dem Ort mit Händen zu greifen. Insbesondere Musiker aus dem Ausland waren fasziniert von der Nähe des Todesstreifens und der DDR-Wachtürme. Auch Bowies depressiver Sound ist mit Kalter-Kriegs-Romantik getränkt.

Inzwischen erleben die Studios eine Renaissance. Die Pet Shop Boys und Cat Stevens alias Yusuf Islam seien dort gewesen, und zuletzt habe die Songcontest-Band Elaiza „Is It Right“ eingespielt, sagt Thilo Schmied von „Berlin MusicTours“. Der Mann mit Spitzbart organisiert wöchentlich Fan-Touren durch die Studios und zu einschlägigen Clubs, in denen Bowie und sein Mitbewohner Iggy Pop einst verkehrten.

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere inszenierte sich Bowie als „Thin White Duke“. Als androgynes „Pop-Chamäleon“ wechselte er lange vor Madonna und Lady Gaga Identitäten wie andere Leute Socken.

Schade, dass aus dem kantigen Avantgardegeist ein glatter Mainstream-Musiker wurde.

Ausstellung in Berlin
„David Bowie“: 20. Mai - 10. August, Martin-Gropius-Bau, Berlin, tgl. 10 - 20 Uhr, Tickets ab 14 Euro: www.davidbowie-berlin.de

 



Johanna di Blasi

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