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Der ursprüngliche Zauber des Theaters

Schwerin Der ursprüngliche Zauber des Theaters

Am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin hatte der Musical-Klassiker „My Fair Lady“ Premiere – eine schwungvolle und charmante Inszenierung

Schwerin. Soll man eine ältere Dame, immer noch attraktiv und geistreich, deren Reize nicht gealtert, sondern nur reifer sind, soll man sie liften, aufspritzen und mit modischen Teenagerfummeln behängen? Muss man nicht, mag Operndirektor Toni Burkhardt (37) sich gedacht haben, als er jetzt die vielgeliebte „My Fair Lady“ (1956), die Mutter aller Musicals und immer noch so grün wie „Spaniens Blüten blühen“, auf der Schweriner Bühne inszenierte, als Remake einer Produktion aus seiner Nordhäuser Zeit – und damit einen schönen und deutlichen Erfolg erspielte.

In handwerklicher Solidität und mit unambitioniertem Respekt, ohne modische Überdrehtheiten und aufdringliche Aktualisierungen, beschränkte er sich darauf, die Aura, den Duft und Esprit dieses genialen Meisterwerkes zu entfalten, wie „Spaniens Blüten blühen“. So ist dieses Stück hier ganz bei sich: in seiner raffinierten Handlung, in seinen originellen Charakteren, in seiner Balance von intimen Kammerspielszenen und großen bunten Showtableaus mit Opernchor und Tanzcompagnie, die auch wieder Anmut und Grazie zeigen darf, im Witz seiner Liedtexte, in der Pointierung seiner Dialoge, im Glanz seiner gut sitzenden Musik, die immer aus den Situationen der Handlung aufsteigt und von der Mecklenburgischen Staatskapelle unter Gregor Rot mit melodischem Schmelz und rhythmisch-parlierender Prägnanz gespielt wird.

Das hat, ohne prahlenden Glamour, Schwung und eine leichte Eleganz, Derbheit und stimmiges Sentiment, Humor und lächelnde Ironie und wird von Regisseur Burkhardt sorgfältig mit behutsamen Gags und witzigen Effekten bestickt, bis hin zu dem wunderbar ironischen Happy End; in den Kostümen von Anja Schulz-Hentrich auf der geschickt von Wolfgang Kurima Rauschning bebauten Drehbühne, die immer wieder neue Raumaufteilungen ermöglicht.

Das Karussell wird amüsant gedreht durch eine geschlossene Ensembleleistung, überglänzt von den Solisten, die hier neben sängerischem auch beachtliches sprecherisches und darstellerisches Können aufbieten. Katrin Hübner als zauberhafte Eliza, die schon in der Gosse jene selbstbewusste Würde andeutet, die sie als Lady so souverän entfalten wird, mit einer intelligenten Stimmgestaltung, vom Parlando über den Musicalsound bis zur großen Opernstimme, die sie an den emotionalen Höhepunkten aufsteigen lässt. Der Schauspieler Jochen Fahr als sympathisches Ekel Higgins von kaltschnäuziger und zugleich begriffsstutziger Intellektualität, immer mit einem Schuss naiver Jungenhaftigkeit. Der kraft- und saftvolle Christoph Reiche als Vater Doolittle, der schwadroniert und räsoniert, seine Hits mit Bravour abliefert und auch noch ansehnlich tanzt. Dazu Christian Hees als betulicher Oberst Pickering, Matthias Koziorowski als schwärmerischer Freddy und Elfie Schrodt in einer schönen Studie als Higgins-Mutter.

Das hatte vielleicht den Charme des Altmodischen. Darin leuchtete aber der ursprüngliche Zauber des Theaters: So grün kann es grünen, wenn Evergreens so erblühen.

Erfolgreich auf Bühne und auf Leinwand

Das Musical „My Fair Lady“ wurde 1956 in New York uraufgeführt. Die Musik schrieb Frederick Loewe, die Liedtexte Alan Jay Lerner. Die literarische Vorlage bildete „Pygmalion“

(1913) von George Bernard Shaw. Die Inszenierung mit Julie Andrews und Rex Harrison in den Hauptrollen wurde begeistert aufgenommen – „My Fair Lady“ lief sechseinhalb Jahre und brachte es auf 2717 Vorstellungen.

1964 wurde das Musical verfilmt. Regie führte George Cukor. Die beiden Hauptrollen spielten Audrey Hepburn (Eliza Doolittle) und Rex Harrison (Professor Henry Higgins). Die Produktion kostete 17 Millionen Dollar. Die Verfilmung von „My Fair Lady“ erhielt 1965 den Oscar als bester Film sowie sieben weitere Oscars, unter anderem für die beste Regie. Ein Bühnenklassiker ist „My Fair Lady“ bis heute.

Heinz-Jürgen Staszak

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