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Kultur Shortlist für den Deutschen Buchpreis: Schichten der Wirklichkeit
Nachrichten Kultur Shortlist für den Deutschen Buchpreis: Schichten der Wirklichkeit
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12:20 11.09.2018
Sechs Autoren sind noch im Rennen um den Deutschen Buchpreis. Quelle: Christina Weiß
Frankfurt

Die schlechte Nachricht zuerst: Angelika Klüssendorf ist nicht dabei. Ihr Roman „Jahre später“ hätte eigentlich dorthin gehört: in die Spitzengruppe der für den Deutschen Buchpreis nominierten Romane. Am Dienstag hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Shortlist mit den letzten sechs Titeln der zuvor veröffentlichten Longlist (20) bekanntgegeben. Das sind die sechs gute Nachrichten: María Cecilia Barbettas Roman „Nachtleuchten“, Maxim Biller: „Sechs Koffer“, Nino Haratischwili: „Die Katze und der General“, Inger-Maria Mahlke: „Archipel“, Susanne Röckel: „Der Vogelgott“ und Stephan Thome: „Gott der Barbaren“.

Fast alle sind im August und September erschienen, nur der „Der Vogelgott“ war ein Frühjahrsbuch, in dem es um einen Mythos geht, der sich als bittere Realität erweist. Beklemmend und verstörend. Als einen ebenfalls zutiefst unheimlichen Ort beschreibt María Cecilia Barbetta Argentinien im 1974. In der immer düsterer werdenden Kulisse entdeckt die Auswahljury ein „fröhliches Setting“, „Nachtleuchten“ sprühe vor Ideen, „ist ein Vulkan voller verschachtelter Sätze, die uns atemlos Seite um Seite umblättern lassen“. Während Maxim Biller in „Sechs Koffer“ eine Familiengeschichte „äußerst ökonomisch“ zu erzählen verstehe, um die Unmöglichkeit einer einzigen Wahrheit kreisend.

Die Jury hat ein Motto: Sechs Titel auf den Spuren der Vergangenheit

Insgesamt 199 Titel haben die sieben Jurymitglieder seit Ausschreibungsbeginn gesichtet, das Ergebnis erinnert Sprecherin Christine Lötscher an William Faulkners vielzitierten Satz „Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen“, der wie ein unausgesprochenes Motto über der deutschsprachigen Literatur dieses Jahres hänge. Die nach Ansicht der Jury „gelungensten und wichtigsten Romane folgen ganz unterschiedlichen Spuren in die Vergangenheit oder in mythische Schichten der Wirklichkeit – fabulierend, spekulierend, verspielt; mit lakonischer Eleganz und bittersüßer Präzision, mit epischer Langsamkeit und spannungsgeladener Wucht“, sagt Lötscher.

So erzählt Nino Haratischwili in „Die Katze und der General“ vom russischen Oligarchen Alexander Orlow, der ein neues Leben in Berlin begonnen hat, den aber die Erinnerungen an seinen Einsatz im Ersten Tschetschenienkrieg nicht loslassen. In „Archipel“ schickt Inger-Maria Mahlke ihre Heldin Rosa zurück nach Teneriffa und zu Großvater Julio, der Kurier im Bürgerkrieg war und Gefangener der Faschisten. „Eine große Reise durch die Zeit und bis ans Ende Europas“, findet die Jury, die bei der Lektüre von Stephan Thomes „Gott der Barbaren“ das „beunruhigende Gefühl“ beschlich, „unsere Welt in einem Spiegel zu sehen, der über 150 Jahre in die Geschichte zurückreicht“, nämlich in die Mitte des 19. Jahrhunderts, als eine christliche Aufstandsbewegung China mit Terror und Zerstörung überzog.

Gewinner des Deutschen Buchpreises wird am 8. Oktober gekürt

Wer letztendlich das Preisgeld von 25 000 Euro erhält, wird am 8. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben. Fest steht, dass die anderen fünf Finalisten jeweils 2500 Euro erhalten. Auch, dass bereits die Nominierungen für die Longlist eine Auszeichnung darstellen, die in der Vita gern vermerkt wird. Was für Angelika Klüssendorf gilt und viele andere. Weil es „den deutschsprachigen Roman des Jahres“ gar nicht gibt, höchstens Enttäuschungen, Überraschungen und Bestätigungen.

Die Autoren mit ihren Romanen:

María Cecilia Barbetta, Nachtleuchten (S. Fischer, August 2018)

Maxim Biller, Sechs Koffer (Kiepenheuer & Witsch, September 2018)

Nino Haratischwili, Die Katze und der General (Frankfurter Verlagsanstalt, August 2018)

Inger-Maria Mahlke, Archipel (Rowohlt, August 2018)

Susanne Röckel, Der Vogelgott (Jung und Jung, Februar 2018)

Stephan Thome, Gott der Barbaren (Suhrkamp, September 2018)

Von Janina Fleischer

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