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Deutschland-Ausstellung im Louvre sorgt für Zwist

Paris Deutschland-Ausstellung im Louvre sorgt für Zwist

An die Louvre-Ausstellung „De l'Allemagne“ (Über Deutschland) wurden hohe Erwartungen geknüpft. „Durch die Kunst werden wir unsere deutschen Freunde besser verstehen“, sagte Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault bei der Eröffnung Ende März in dem weltbekannten Pariser Museum.

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Kein seltenes Bild: Schlangen vor dem Louvre in Paris. Foto: Ian Langsdon

Paris. Doch was vereinen sollte, führt nun zum Streit. Von einem „kulturpolitischen Skandal“ war in deutschen Medien die Rede, nun reagiert der Louvre: „Wir sind völlig überrascht und erstaunt über die Heftigkeit, mit der diese Ausstellung angegriffen wird“, erklärte die Museumsleitung in einer Stellungnahme.

Im Kern geht es um die Frage, ob die Ausstellung - die den Zeitraum von 1800 bis 1939 abdecken soll und von Caspar David Friedrich über Max Beckmann bis hin zu einem Filmauszug von Leni Riefenstahl reicht - nicht auch in der Kunst einen „deutschen Sonderweg“ darstellt, der mehr oder weniger direkt bis hin zum Nationalsozialismus geführt habe. So fragte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, ob der Louvre nicht „seine eigene Geschichte Deutschlands gebastelt“ habe - „und diese Geschichte bestätigt alle Klischees des romantisch-fremden, gefährlich dunklen Nachbarlandes“.

In ihrer Argumentation bezogen sich die Kritiker auf Gespräche mit Andreas Beyer, Ko-Kurator der 200 Werke umfassenden Ausstellung und Direktor des Deutschen Forums für Kunstgeschichte in Paris. So klagte Beyer in der „Zeit“ darüber, dass sich „ein zunehmend nationaler Diskurs über das Projekt gelegt“ habe und der Louvre „eine teleologisch ausgerichtete Geschichte der Entwicklung Deutschlands“ zeige.

„Warum hat er sich nicht vorher von der Ausstellung distanziert, wenn sie in ihrer Deutung falsch liegt?“, fragt man sich nun im Louvre. „Wir sind wie vor den Kopf geschlagen. Beyer war auf allen Vernissagen dabei. Hat alle Dokumente zum Lesen bekommen und beim Katalog mitgewirkt“, erklärte die Museumsleitung in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Die Ausstellung geht auf die Initiative des Deutschen Forums für Kunstgeschichte in Paris zurück. So steht es auch in den Pressematerialien. Organisiert wurde die Werkschau jedoch vom Louvre. Beyer sei auf den Louvre mit einem Projekt zugekommen, das ursprünglich rund 30 Werke zum Thema Weimar im 19. Jahrhundert umfasste. „Wir wollten eine große Deutschland-Ausstellung zur Kunst des 19. Jahrhunderts, die in Frankreich kaum bekannt ist“, erklärte das Museum. „Die Ausstellung ist eine gemeinsame wissenschaftliche Zusammenarbeit, die sich in den Beiträgen des Katalogs niederschlägt und in Kolloquien.“

Vor der Eröffnung war Beyer in seinen Äußerungen zurückhaltender gewesen. Auch wenn nicht alles nach seinen Vorstellungen gelaufen sei, werde die Qualität der Werke überzeugen. „Wir wollen zeigen, dass die deutsche Kunst im 19. Jahrhundert nicht theoriebelastet ist, dass sie keinen Sonderweg eingeschlagen hat, sondern einfach nur anders ist“, sagte der Kunsthistoriker damals der dpa. Am Donnerstag war er für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Ungeachtet der Querelen findet die Ausstellung beim Publikum großen Anklang. In den ersten zwei Wochen seien täglich durchschnittlich 3400 Besucher gekommen, hieß es vom Louvre. Dies liege weit über den Erwartungen. Damit sei die Ausstellung zurzeit eine der meist besuchten Werkschauen.

 

Ausstellungsseite

 

dpa

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