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Deutschland will Thomas-Mann-Villa in Kalifornien kaufen

Pacific Palisades Deutschland will Thomas-Mann-Villa in Kalifornien kaufen

Thomas Mann arbeitete dort an seinem Spätwerk. Jetzt soll die Exil-Villa des Literaturnobelpreisträgers in Kalifornien zu einem Haus des Kulturaustauschs werden.

Berlin. Deutschland will nun doch die vom Abriss bedrohte Thomas-Mann-Villa in Kalifornien kaufen. Das kündigte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Donnerstag im Bundestag an.

Das geschichtsträchtige Haus steht für umgerechnet gut 13 Millionen Euro zum Verkauf und soll künftig voraussichtlich als Residenz für begabte Nachwuchskünstler genutzt werden.

„Ich danke allen, die mitgeholfen haben, dass wir hoffentlich die drohende private Veräußerung verhindern konnten“, sagte Steinmeier. Der CSU-Abgeordnete Bernd Fabritius, Vorsitzender im zuständigen Unterausschuss für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, sagte auf dpa-Anfrage, Deutschland sei nach dem amerikanischen Bieterverfahren inzwischen „first in line“. „Das heißt, wir stehen unter den Kaufinteressenten an erster Stelle, jetzt werden die Details ausgehandelt“, erklärte er.

Die Familie Mann hatte nach der Emigration aus Nazi-Deutschland von 1942 an zehn Jahr in dem Haus in Pacific Palisades am Westrand von Los Angeles gelebt. Thomas Mann schrieb hier Werke wie „Joseph, der Ernährer“, „Doktor Faustus“ und „Der Erwählte“.

Eine auf Luxusanwesen spezialisierte Makler-Firma bietet die alte Villa mit großem Grund seit einiger Zeit zum Verkauf. Weil das Haus nicht unter Denkmalschutz steht, gab es Befürchtungen, ein privater Investor könne es kaufen und für einen lukrativen Neubau abreißen.

Eine Online-Petition zum Erhalt des Kulturortes hat inzwischen mehr als 3000 Unterschriften. Zu den Unterzeichnern gehört auch Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller. Gleichwohl reagierte die Bundesregierung zunächst zurückhaltend. Anfang September plädierte dann jedoch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) öffentlich für einen Ankauf. Steinmeier bedankte sich jetzt ausdrücklich für ihre Unterstützung.

Auch der zuständige Unterausschuss hat sich nach Angaben von Fabritius fraktionsübergreifend für das Projekt ausgesprochen. „Es wäre schlicht unerträglich, wenn dieser wichtige Ort des Exils abgerissen und geschliffen würde“, sagte der Vorsitzende.

Einem Vorschlag des Außenministeriums zufolge soll das Haus künftig zusammen mit der nur wenige Kilometer entfernten Villa Aurora betrieben werden. Der einstige Wohnort des Schriftstellers Lion Feuchtwanger ist seit 1995 eine Stätte der Begegnung und des deutsch-amerikanischen Kulturaustauschs.

Steinmeier kündigte auch an, das lange leerstehende Goethe-Haus in New York mit kulturellen Angeboten wiederzubeleben. „Jeder, der im Augenblick in die USA schaut, weiß, dass es dringend notwendig ist, dort unsere Präsenz, unsere Anwesenheit zu erhöhen.“

dpa

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