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Dichter betrachten den Werwolf im Mondlicht

Ausstellung in Karlsruhe Dichter betrachten den Werwolf im Mondlicht

Was sagen uns Landschaftsbilder alter Meister? Die Karlsruher Kunsthalle hat Dichter und Denker dazu befragt. Heraus kam Nachdenkliches und auch Skurriles - und manch Neuentdeckung.

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Johan Christian Clausen Dahl, Elblandschaft bei Dresden im Mondschein, 1823.

Quelle: Uli Deck

Karlsruhe. „Der Mensch wird zum Werwolf im Mondlicht, gibt sich Vampiren hin, vergisst, was er am Tage ist, gehorcht anderen Gesetzen.“

Vielleicht brennen auch deshalb all die Feuer auf dem Bild von Johan Christian Clausen Dahl, überlegt Cornelia Funke - und schon erscheint die „Elblandschaft bei Dresden im Mondschein“ aus dem Jahr 1823 im ganz anderen, unheimlichen Licht. Die preisgekrönte Kinder- und Jugendbuch-Autorin ist eine von 53 Dichtern und Denkern, die von der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zum Nachdenken über berühmte Landschaftsbilder aus 600 Jahren eingeladen wurde. Heraus kam Nachdenkliches, ökologisch Korrektes, Skurriles und auch Science-Fiction.

In der Ausstellung „Unter freiem Himmel“ (18. Februar bis 27. August) sind 60 hochkarätige Gemälde des Museums zu sehen - von Joachim Patinir über Caspar David Friedrich, Gustave Courbet, Johann Wilhelm Schirmer, Wilhelm Trübner, Paul Cézanne, Franz Marc, René Magritte, Joan Miró und Georg Scholz bis hin zu zeitgenössischen Malern wie Fritz Klemm und Daniel Roth.

Wenn die Schriftstellerin Jenny Erpenbeck auf den Oberrheinischen Meister vom Beginn des 15. Jahrhunderts trifft, kann es dabei vorkommen, dass alte Gemälde ganz neu entdeckt werden. Bei ihrem „Besuch des Jesusknaben bei Johannes in der Wüste“ stößt sie den Betrachter nicht nur auf das kleine Bächlein am unteren Bildrand, sondern auch darauf, dass die Wüste blüht.

Die junge Autorin und Fotokünstlerin Valerie Fritsch findet „In der Wüste Araba“ von Eugen Bracht (1882) dagegen etwas, was sie bei ihren Reisen suchte: „Es gibt diese Landschaften, für die man weit gehen muss, bevor sie leer werden und man selbst den Menschen unendlich fern.“

Violette Brotlaibe, halluzinogene Eissorten und gestrandete Wale macht wiederum der Lyriker Ralph Dutli in Alexej Jawlenskys „Oberstdorfer Landschaft“ aus. Undurchsichtiger schon scheint, was Friederike Mayröcker unter der Überschrift „veilchenweise!“ in Nicolas de Staels „Landschaft“ aus dem Jahr 1953 sieht.

Literarische Bildgeschichten dieser Art sind nicht ganz neu, wie Museumsdirektorin Pia Müller-Tamm einräumt. Im deutschsprachigen Raum gab es in letzter Zeit eine Reihe von Ausstellungsprojekten, in denen Schriftsteller neue Zugänge zu Werken der bildenden Kunst eröffnen wollten. Das Besondere des neuen Projektes der Kunsthistorikerin und Literaturwissenschaftlerin Kirsten Voigt, „Unter freiem Himmel“, und ihrer Vorgänger-Porträt-Schau „Unter vier Augen“ im Jahr 2013 ist jedoch der weite Spielraum der Schreibformate und die Spezialisierung auf eine Gattung - nun auf die Landschaft, die in früheren Jahrhunderten im Schatten von Porträts, Stillleben und der Historienmalerei stand.

Die meisten der von den Autoren ausgewählten Gemälde laden schon so zum Betrachten ein. Manche wie Franz de Hamiltons „Konzert der Vögel“ erwachen aber richtig erst durch die Verse von Jan Wagner zum Leben, der nach Betrachtung des Vogel-Wimmelbildes aus dem 17. Jahrhundert findet: „wie armselig unsere eigene sprache verglichen mit jener der vögel klingt“.

dpa

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