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Kultur Die Bilder der Reformation
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00:00 19.05.2017
Güstrow

Luther allerorten. Was gern vergessen wird im Jubiläumsjahr 800 Jahre Reformation, ist ein anderer Name für zwei Künstler, die für die Reformation kaum minder wichtig waren als die Predigten der Mönche: Lucas Cranach der Ältere (1472-1553) und sein Sohn, Lucas Cranach der Jüngere (1515-1586). Am 31. Oktober 1517 schlug der Augustinermönch Martin Luther (1483-1546) an der Schlosskirche Wittenberg seine 95 Thesen an und leitete damit die Reformation ein. Ohne das künstlerische Wirken von Vater und Sohn Cranach, beide nicht nur Künstler, sondern als Bürgermeister ihrer Heimatstadt Wittenberg auch politisch tätig, wäre es wohl nie dazu gekommen.

Die Malwerkstatt der Familie Cranach in Wittenberg ist eine Art PR-Brutstätte des Mittelalters in Sachen Reformation. Das Schloss Güstrow zeigt nun die Bedeutung der Künstler Vater und Sohn Cranach für Martin Luther.

Die Cranachs schufen das Abbild Luthers und seines Co-Reformators Philipp Melanchthon (1497-1560), sie schufen ein neues Bild der christlichen Familie und sie schufen in Gemälden, Holzstichen, Zeichnungen, Kupferstichen und Epitaphien die geistige Grundlage für das Eindringen des reformatorischen Saatguts in die christliche Gedankenwelt. Die Cranachs, sie waren Kopierer, Twitter, Facebook, Werbefolien des Mittelalters in Personalunion. Die Ausstellung „Cranachs Luther“ des Staatlichen Museums Schwerin im Schloss Güstrow zeigt das vom 20. Mai bis 24. September an 13 Gemälden, Stichen und Zeichnungen. Kurator Tobias Pfeifer-Helke erklärt das an zwei Skizzen aus dem Jahr 1564, die aus der Cranach-Werkstatt in Wittenberg stammen und als Entwürfe für die Epitaphien der Schlosskirche St. Marien in Dessau gedacht waren. Die Federzeichnungen zeigen Abendmahl-Szenen mit Reformatoren. Lucas Cranach d. J. sinniert darüber, ob die Köpfe der Reformationsbewegung ins Zentrum des christlichen Bildes vom Abendmahl gehören. Drum herum sind Stiche und Zeichnungen zu sehen, die mythologische Themen aufgreifen, christliche Themen ins Bild rücken, Abbildungen der Heiligen Familie und Heiligendarstellungen zeigen. Darunter Bildnisse des Heiligen Hieronymus oder die grausame Geschichte von der Buße des Heiligen Johannes Chrysostomus (1509) – aus der Textsammlung „Der Heiligen Leben und Leiden“ – der als Einsiedler lebte und im Wahn eine Königstochter vergewaltigte, scheinbar tötete und zur Buße fortan auf allen Vieren wie ein niederes Tier durch den Wald kriechend lebte, bis die Königstochter lebend mit ihrem Kinde gefunden wurde und ihm vergeben wurde.

Dirk Blübaum, Direktor des Museums, erklärt zur Schau, die aus Stücken der eigenen Sammlung besteht: „Bereits im 16. Jahrhundert bekannte sich das mecklenburgische Fürstenhaus zu den Zielen der Reformation und war bestrebt, sein Entstehen für den neuen Glauben in bildhafter Form zu dokumentieren.“ Die Offenheit für die reformatorische Lehre ginge auf verwandtschaftliche Beziehungen zurück, so dass der Norden mit seinen Fürstenhäusern 1551 auch am Aufstand gegen Rom beteiligt gewesen war. Aus dieser Zeit stammen Porträts aus dem Hause Cranach, darunter das einzige erhaltene ganzfigurige Porträt Luthers aus dem Jahre 1546 oder das Bildnispaar der Eheleute Martin Luther und Katharina von Bora (1499-1552). Tobias Pfeifer-Helke: „Der Cranach-Bestand des Museums stammt zum größten Teil aus dem 19. Jahrhundert. Eine Ausnahme ist das titelgebende ganzfigurige Porträt Luthers.“

Pop up Cranach

Die Ausstellung „Cranachs Luther“ hat das Staatliche Museum Schwerin mit „Alice – Museum für Kinder im FEZ-Berlin“ , das die museumspädagogische Begleitung entwickelt hat, unter dem Logo „Pop up Cranach“ konzipiert. Kinder können das Motivrepertoire Cranachs spielerisch erobern.

Vernissage: 19. Mai ab 19 Uhr. Ab 18.20 spielen Bläser der Güstrower Kantorei Renaissancemusik und Luther-Lieder im Schlosshof.

Führungen, Filme, Workshops, Lesungen etc. 20.5. bis 22.9.

Infos:

www.museum-schwerin.de

Michael Meyer

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