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„Die Elbphilharmonie klingt 3-D“

„Die Elbphilharmonie klingt 3-D“

Das Hamburger Konzerthaus ist fast fertig. Intendant Christoph Lieben-Seutter über Geld, Klang und Einstürzende Neubauten.

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Soll im September bei Proben erstmals bespielt werden: Der große Saal der Elbphilharmonie

Quelle: Axel Heimken

Denken Sie eigentlich noch manchmal über die Baukosten nach?

OZ-Bild

Das Hamburger Konzerthaus ist fast fertig. Intendant Christoph Lieben-Seutter über Geld, Klang und Einstürzende Neubauten.

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Christoph Lieben-Seutter: Natürlich schon, weil es unsere Arbeit immer noch beeinflusst. Nicht zuletzt, weil durch die Entstehungsgeschichte der Elbphilharmonie der Erwartungsdruck nochmal anders ist als bei normalen Bauwerken.

Wie hoch waren die Baukosten noch mal? Grob geschätz t...

Lieben-Seutter: So etwas wie 800 Millionen, wobei man sagen muss, dass die Baugeschichte der Elbphilharmonie nicht der endlose Skandal war, wie er von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.

Sondern?

Lieben-Seutter: Es waren eine ungünstige Vertragskonstruktion und der übereilte Baubeginn bei ungenügender Planungstiefe. Dieser Fehler hat endlose Diskussionen und Nachtragsforderungen möglich gemacht – bis zur Neuverhandlung der Verträge vor drei Jahren. Seitdem läuft es auch rund. Seitdem sind wir in der Zeit und im Kostenrahmen.

Bezahlt wurde auch und vor allem für die Akustik. Was sagen Ihre Ohren dazu?

Lieben-Seutter: Bisher konnten Sie nur hören, wie die Orgel gestimmt wurde. Aber man hört nicht nur mit den Ohren, man hört mit allen Sinnen, und da ist der Saal schon jetzt überwältigend. Er ist architektonisch unglaublich spannend, fühlt sich sehr warm an, man fühlt sich sofort geborgen. Die wirklich spannende Frage aber ist noch nicht geklärt, nämlich wie wohl sich ein Orchester fühlt.

Die ersten Proben sind für September vorgesehen.

Die Architektur ist exzeptionell. Kann da das Programm mithalten?

Lieben-Seutter: Es muss auch exzeptionell sein.

Okay. Das Programm holt die ganz großen Orchester, das macht auch Baden-Baden, vieles gibt es in Berlin oder auch sogar vorab in Hannover. Außergewöhnlich ist das nicht ...

Lieben-Seutter: Der Mix macht’s. Sie werden woanders keinen „Moses und Aron“ mit Ingo Metzmacher finden, kein Festival zum Thema „Transatlantik“ und kein „Salam Syria“. Es ist ja völlig klar, dass bei 300 Konzerten nicht 300 Einzelstücke hergestellt werden, die es sonst nirgends auf der Welt gibt. Das ist nicht der Sinn eines Konzerthauses. Die Hamburger wollen ja, dass die Welt zu ihnen kommt und dass große Stars hier auftreten. Und wir spiegeln gleichzeitig die Architektur zurück – dass hier ein Haus des 21. Jahrhunderts steht.

Ein Neubau, der hoffentlich nicht einstürzt. Wie sind Sie darauf gekommen, ausgerechnet die Einstürzenden Neubauten im Eröffnungsfestival spielen zu lassen?

Lieben-Seutter: In der Elbphilharmonie gibt es ja nicht nur klassische Musik. Es ging schon früh darum, welche deutschsprachige Band hier am Anfang auftreten könnte. Die Einstürzenden Neubauten sind auch ein Klassiker – der Avantgarde. Und dass der Name zum Schmunzeln anregt, bringt uns schöne Schlagzeilen ein.

Für welche Musik ist der Saal der Elbphilharmonie geeignet – die großen spätromantischen Brocken?

Lieben-Seutter: Genau. Auch große, üppig instrumentierte Werke des 20. Jahrhunderts sollten kein Problem sein. Die vergleichbaren Säle des Akustikers Toyota zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie eine unglaubliche Durchhörbarkeit haben. Man hört in 3-D. Anstatt dass einen die Klangwelle überrollt wie in anderen Konzertsälen, hört man immer ganz genau: Da ist der Bass, dort hinten die Flöte. Man behält den Überblick, und trotzdem wächst es zusammen zu einem Gesamterlebnis.

Wie ist es mit der akustischen Isolierung? Hört man das Tuten von den Schiffen auf der Elbe?

Lieben-Seutter: Bis jetzt habe ich keins gehört. Es sollte auch nicht sein. Um das auszuschließen, sind beide Säle auf Stahlfederpaketen gelagert.

Kann die Elbphilharmonie überhaupt kostendeckend arbeiten?

Lieben-Seutter: Die Elbphilharmonie wird wie jedes große Kulturprojekt auch aus Steuergeldern finanziert. Sie ist kein kommerzielles Unternehmen. Das Projekt hat höhere Werte zu erfüllen, als dass es sich unbedingt rechnen muss. Und es rechnet sich natürlich durch einen Imagefaktor für die Hansestadt, denn das Haus signalisiert, dass Hamburg eine tolle Kulturstadt ist. Und dann gibt es da noch die vielzitierte Umwegrentabilität, weil durch den Tourismus, den die Elbphilharmonie generiert, eine Menge Geld in die Stadt gespült wird.

Elbphilharmonie startet

Christoph Lieben-Seutter , 1964 in Wien geboren, ist seit 2007 Intendant der Hamburger Elbphilharmonie. Sein Vertrag wurde bis 2021 verlängert. Er ist Präsident der European Concert Hall Organisation.

Für die beiden Eröffnungskonzerte der Elbphilharmonie am 11. und 12. Januar 2017 sowie für die Konzerte mit internationalen Spitzenorchestern, wie Chicago Symphony, gibt es keine Karten mehr.

Eröffnet wird der große Saal vom NDR Elbphilharmonie Orchester unter Leitung von Thomas Hengelbrock. Für das Konzert des Jazz-Pianisten Brad Mehldau am 16. Januar ab 20 Uhr gibt es noch Karten (ab 10 Euro).

Interview von Henning Queren

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