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„Die Erfindung der Roten Armee Fraktion“ auf der Bühne

Berlin „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion“ auf der Bühne

Der Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ von Frank Witzel war einer der großen Bucherfolge des letzten Jahres. Nun wurde an der Berliner Schaubühne eine mit Spannung erwartete Theaterfassung des üppigen Gesellschaftspanoramas uraufgeführt.

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Paul Grill in wechselnden Rollen in der Bühnenfassung von „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“.

Quelle: Sebastian Schachel

Berlin. Vor der Uraufführung gab es für das Publikum Ohrstöpsel und die Warnung vor „sehr lauter Musik“. Auf dem Programm der Berliner Schaubühne stand die Theateradaption von „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ von Frank Witzel (Jahrgang 1955).

Nicht nur die laute Musik war oft heftig. Inszeniert hat der 1964 geborene Armin Petras in Ko-Produktion mit dem Schauspiel Stuttgart, dessen Intendant er seit 2013 ist. Er setzt generell aufs Laute. Im Roman, für den Witzel im vergangenen Jahr den Deutschen Buchpreis bekam, wird die Geschichte eines psychisch kranken Jugendlichen aus der hessischen Provinz im Jahr 1969 auf etwa 800 Seiten zum pointierten Panorama der westdeutschen Gesellschaft jener Zeit. Der Regisseur Armin Petras und die Dramaturgin Maja Zade versuchen diese Geschichte fürs Theater in Szenensplittern und Monologen zu bündeln. Zwei Schauspielerinnen und drei Schauspieler aus Berlin und Stuttgart sowie die drei Musiker der Band Die Nerven schlüpfen dazu momentweise in verschiedene Rollen, wie die des Erzählers, der namenlosen Hauptfigur, dessen Freunde und Eltern.

Angesiedelt ist das Geschehen auf offener Bühne, die von zahllosen im Stil der 1960er Jahre gekleideten Schaufensterpuppen bevölkert ist. Man kann diese Puppen als Verkörperung der gesichtslosen Masse verstehen. Zwischen, vor und hinter ihnen gelingt es den Akteuren gelegentlich, den Figuren Profil zu geben. Sie werden erkennbar als junge Leute, die mit pubertärer Anarchie gegen die Saturiertheit einer selbstgenügsamen Gesellschaft rebellieren.

Videoeinspielungen, etwa Dokumentaraufnahmen von Anti-Vietnamkriegs-Demonstrationen 1968 in Deutschland oder von damals populären Produkten der Konsumgesellschaft, illustrieren die Momentaufnahmen aus dem Gestern effektreich. Für kurze Augenblicke blitzt in dem raschen Wechsel von Slapstick und Agit-Prop kraftvolle Zeitkritik auf. Dabei wird unaufdringlich auch auf die Gegenwart verwiesen, stellt sich die Frage, wieso im gegenwärtigen Deutschland wieder viel rechtes Gedankengut wabert.

Momentweise ist das sehr wirkungsvoll, nämlich immer dann, wenn es in den Texten konkret um die Auseinandersetzung mit dem Nazi-Erbe und die Suche nach einer wirklichen Demokratie geht. Themen, die aktuell sind. Häufig aber dominiert grober Witz. Wenn da etwa das berühmte Nacktfoto der Kommune I nachgestellt wird oder ein Pfarrer so viele Würstchen in sich hineinstopft, bis er das Essen beim Reden ruckweise ausspeit, verpufft die Wirkung und reduziert den Abend auf ein Kaleidoskop von Rockmusik und Ulknummern.

Einige Zuschauer kehrten der oft bemüht anmutenden Bebilderung bundesrepublikanischer Befindlichkeiten vorzeitig den Rücken und verließen die laufende Aufführung vor ihrem Ende. Der Schlussbeifall der Mehrzahl der Theaterbesucher aber war freundlich. Er galt wohl vor allem dem insbesondere körperlich beeindruckenden Einsatz des von Jule Böwe und Peter René Lüdicke angeführten Schauspielerensembles.

  • Schaubühne

dpa

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