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Kultur Die Försterin im deutschen Wald
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00:07 08.05.2018
München

Darf man Deutschland lieben? Diese Frage wird in der Politik und in den Echoräumen des Internets sehr emotional diskutiert. Die Autorin Thea Dorn hat nun ihr Manifest „deutsch, nicht dumpf: Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten“ in die Debatte eingebracht. Darin mahnt sie an, Begriffe wie Heimat, Leitkultur und Nation nicht den Rechten zu überlassen.

Schriftstellerin und Publizistin Thea Dorn Quelle: Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Die Moderatorin der ZDF-Sendung „Das literarische Quartett“ grenzt sich gegen den „pöbelnden Muffhaufen, der Ressentiments schürt“, gleichermaßen ab wie von einer Linken, die Begriffe wie Heimat und Nation per se verteufelt. Sie plädiert für einen „aufgeklärten Patriotismus“. Der frühere Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) adelt Dorn in einem „Spiegel“-Artikel, in dem er ihr ein „zeitgemäßes Heimatverständnis ohne Kitsch und Folklore“ attestiert.

„Das Problem mit der Heimat besteht eben darin – dass der Begriff stets eine Verlusterfahrung oder Verlustbefürchtung mitschwingen lassen muss, um seinen emotionalen Wert zu entfalten“, hat Jens Jessen geschrieben. Thea Dorns Buch ist der Versuch, Heimat als positiven Begriff neu zu entdecken. Mit der Detailtreue, mit der sie einer deutschen Kultur zwischen „Tatort“, Matthäus-Passion und Reinheitsgebot nachspürt, ist die Publizistin Horst Seehofer, dem frisch installierten Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, eine Nasenlänge voraus. Auch er hat versucht, den Heimatbegriff freizuwaschen von potenziell fremdenfeindlichem Dünkel. „Heimatpolitik ist stets eine Politik der Vielfalt“ schreibt er da.

Dorn beschreibt im Rückgriff auf die deutsche Geistesgeschichte von Schiller bis Thomas Mann einen neuen Kulturpatriotismus. Damit richtet sie sich an das wohl saturierte Bürgertum, jene Intellektuellen, die sich nach Auffassung der Autorin auch im Hinblick auf die umstrittene „Erklärung 2018“ zunehmend rechts orientieren. Klassische Bildung erscheint bei Dorn als Heilsbringerin, das klingt arg idealistisch. Dorn schreibt viel über Geschichte, wenig über aktuelle Kulturerscheinungen. Allerdings gesteht auch sie zu, dass Kulturen einem steten Wandel unterzogen sind. Sie gibt das Beispiel des Fußballs: Lange galt das Turnen als deutsche Form der Körperertüchtigung. Im 19. Jahrhundert habe der Fußball noch als „proletarische Fußballlümmelei“ gegolten. Erst das Wunder von Bern habe dieses Bild geändert. Dorn bestreitet jedoch, dass der Döner Teil der deutschen Kultur geworden sei – eben so wenig wie Spaghetti, die zwar überall in Deutschland gegessen werden, aber italienisch seien.

Thea Dorn: „deutsch, nicht dumpf: Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten“

Albrecht Knaus Verlag, München 2018

OZ

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