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Die Frauen hinter den großen Künstlern

Kunst Die Frauen hinter den großen Künstlern

Düsseldorf (dpa) – Christine Uecker macht alle Wege mit dem Fahrrad – ob es regnet oder schneit. Nicht nur ihr Mann, der „Nagelkünstler“ Günther Uecker arbeitet sieben Tage die Woche, auch Christine Uecker ist bis über die Ohren beschäftigt.

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Christine Uecker, Frau des Künstlers Günther Uecker, im Atelier ihres Mannes in Düsseldorf. Foto: Horst Ossinger

Sie organisiert die Arbeit hinter der Kunst – Telefonate, Ausstellungen, Reisen, Archiv, Fotos, Interviews. Wer das zweistöckige Atelier Ueckers in einer früheren Lagerhalle im Düsseldorfer Medienhafen einmal besucht hat, der weiß, wie viel Arbeit Kunst macht. Bücher- und Zeitungsberge liegen dort, Stapel von Zeichnungen Ueckers, Kartons, Kisten, Nagelobjekte – und irgendwo ganz hinten arbeitet der Künstler.

Kaum kann man sich eine Gasse durch das künstlerische Chaos bahnen, doch Christine Uecker weiß eigentlich immer einen Weg. „Auf uns stürmt so viel ein“, sagt sie und hat immer ein Lachen auf den Lippen. „Das tragen wir auf zwei Schultern. Wir sind wie ein Familienbetrieb.“

Die Namen und Werke der wichtigen zeitgenössischen Künstler Günther Uecker, Otto Piene, Heinz Mack oder Gotthard Graubner sind heute international bekannt. Doch was weiß man eigentlich über die Frauen dieser Männer? Die Kunstsammlerin Anna Lenz, die mit ihrem Mann Gerhard eine große Sammlung der Zero-Epoche zusammengetragen hat, lüftet das Geheimnis.

In ihrem jetzt erschienen Buch „Starke Frauen für die Kunst“ publiziert sie 20 ungewöhnlich offene Interviews mit den Frauen der berühmten Künstler. Einige wie Raimund Girke, Roman Opalka oder Yves Klein sind bereits gestorben – ihre Frauen, die zumeist viel jünger waren, hüten den künstlerischen Nachlass oder wurden selber zu Künstlerinnen oder Sammlerinnen.

Ganz nah ließen die Frauen Lenz an sich heran und erzählten von Erfolgen und Rückschlägen, aber auch davon, wie sie ihre eigenen Träume oftmals zurückstellten, um sich voll und ganz dem Werk der Männer zu widmen und ihnen Freiraum zu geben. Die meisten Frauen kennt Lenz seit vielen Jahren persönlich und ist mit ihnen befreundet. Das ist wohl der Grund dafür, dass die Erzählungen so ehrlich und ungeschminkt wirken.

Christine Uecker lernte ihren bald 20 Jahre älteren Mann 1968/69 kennen. Da war sie erst 19, stand aber schon auf eigenen Beinen. Die gelernte Buchhändlerin war Nachrichtensprecherin und Moderatorin beim WDR.

Danielle Morellet, Ehefrau des 1926 geborenen Franzosen François Morellet, war auf dem Weg, eine Pianistin zu werden, als sie mit 17 Jahren den nur ein Jahr älteren François traf. „Ich habe nicht die Karriere gemacht, die ich angestrebt hatte“, sagte Danielle Morellet. Sie gab das Klavierspielen auf. Das habe sie zwar nicht bereut, dennoch sagt sie: „Wenn man Ehefrau eines Künstlers ist, muss man eines wissen, um nicht enttäuscht zu werden: Die Kunst steht immer an oberster Stelle.“

Die Amerikanerin Elizabeth Goldring-Piene hat jeden Termin ihres Mannes Otto genau im Kopf. Und doch ist sie eine eigenständige Künstlerin, Dichterin und Wissenschaftlerin. Derzeit arbeitet sie zusammen mit ihrem Mann, dem berühmten Feuer- und Himmelskünstler, an einem Buch über ihre Farm in Groton, Massachusetts. „Meine Frau schreibt, und ich mach das Visuelle“, sagt Piene. Die Sehkraft seiner Frau ist seit einer Diabetes-Erkrankung in jungen Jahren stark eingeschränkt. Sie stammt aus einem intellektuellen Elternhaus und schrieb „immer schon Gedichte, von Kindheit an bis heute“. Für beide ist es die zweite Ehe. „An manchen Tagen denken Otto und ich: Zusammen SEHEN wir alles“, sagt Elizabeth Goldring-Piene.

Einen Fulltime-Job hat auch Kitty Kemr, die Lebensgefährtin von Gotthard Graubner. „Ich sorge ja für alles, plane und erarbeite Ausstellungen, Kataloge, Bücher. Ich bin zuständig für alle Kontakte, Wünsche und Terminabsprachen... .“ Aber auch nach 30 Jahren geschehe täglich etwas Neues. „Dies ist alles absolut mein Leben.“

Ähnliches kann auch Ute Mack über ihr Leben mit dem Zero-Künstler Heinz Mack berichten. „Von Anfang an war ich immer präsent - sieben Tage die Woche, mindestens acht Stunden täglich.“ Ihre persönlichen Wünsche und ihre Hobbys wie den Gesangsunterricht habe sie zurückgestellt, sagt sie - „weil ich meine Arbeit, die inzwischen meine Lebensaufgabe geworden ist, sehr liebe“.

(Anna Lenz (Hg.): Starke Frauen für die Kunst, Hirmer Verlag, 2013, 19,90 Euro, ISBN 978-3-7774-9011-3)

dpa

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