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Die Geburtstunde der Künstlerkolonie Ahrenshoop

125 Jahre Künstlerkolonie Ahrenshoop: Bilder und ihre Geschichten Die Geburtstunde der Künstlerkolonie Ahrenshoop

Paul Müller-Kaempff malte 1890 den berühmten Blick auf das Fischerdorf

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Paul Müller-Kaempff: „Weiter Blick über Ahrenshoop mit Ziegenhirten und Fischern“ aus dem Jahr 1890. REPRO: KUNSTMUSEUM AHRENSHOOP

Ahrenshoop. Der Anblick muss ihn getroffen haben wie ein Blitz. Aus dem Dunkel kommend strebt der Betrachter ins Licht und erblickt den weiten Strand im sanft gebogenen Rund vor Ahrenshoop. Die Wellen trecken an den Ostseestrand, Fischerkaten ducken sich verträumt ins Grün, Ziegenhirten mit ihren Tieren und Fischer auf dem Weg im Gespräch, eine Frau mit weißer Haube geht in den Ort hinein, im Hintergrund die Ahrenshooper Mühle, die jetzt, mehr als 120 Jahre später, dort längst nicht mehr steht, sondern andernorts im Ostseebad wieder aufgebaut ist.

OZ-Bild

Paul Müller-Kaempff malte 1890 den berühmten Blick auf das Fischerdorf

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Paul Müller-Kaempff (1861-1941) bot sich dieser Anblick, als er 1889 mit seinem Freund, dem Maler und Mitbegründer der Berliner Secession, Oskar Frenzel (1855-1915), zu Fuß das Fischland und den Darß

abschritt. Die beiden Künstler waren aus Berlin von Westen kommend auf das damalige Fischerdorf gestoßen. Sie waren auf der Suche nach dem Licht, dem Idyll, nach dem passenden Ort für ihre Freilichtmalerei. Dr. Katrin Arrieta, Kuratorin im Ahrenshooper Kunstmuseum, sagt: „Das ist der erste Blick den Paul Müller-Kaempff genossen hat, als er nach Ahrenshoop kam.“

Es muss wie eine Eingebung, eine Erleuchtung gewesen sein. Ein Jahr später malte Müller-Kaempff das Ölbild (80 cm mal 120 cm), das heute im Besitz eines privaten Sammlers ist. Und schon zwei weitere Jahre später ließ er sich in Ahrenshoop nieder, baute sich sein eigenes Haus. Der Beginn der Künstlerkolonie Ahrenshoop 1892, zu der Malerinnen wie Elisabeth von Eicken (1862-1940), Anna Gerresheim (1852-1921), Dora Koch-Stetter (1881-1960) und Maler wie Carl Malchin (1838-1923), Friedrich Wachenhusen (1859-1925), Hugo Jäckel (1864-1933) oder Fritz Grebe (1850-1924) gehörten.

1894 eröffnete Müller-Kaempff in Ahrenshoop die Malschule St. Lucas, das heutige Künstlerhaus Lukas, eines der ältesten Künstlerhäuser Norddeutschlands. Auch am 1909 gebauten Ahrenshooper Kunstkaten, einer der ältesten Galerien Norddeutschlands, war Müller-Kaempff maßgeblich beteiligt.

Das Ölbild mit dem idyllischen Blick auf Ahrenshoop firmiert unter verschiedenen Titeln. Gemeinhin heißt es wohl „Blick nach Ahrenshoop“ oder auch „Blick auf Ahrenshoop“. In der Fachliteratur wird es aber unter einem weitschweifenderen Namen gehandelt. Sowohl das Künstlerlexikon für Ahrenshoop von Pawelcik und Schulz aus dem Jahr 2001 als auch das Fachbuch des Schweriner Autoren Dr. Wolf Karge „Paul Müller-Kaempff. Oldenburg – Ahrenshoop – Berlin“ von 2006 benennen das Bild mit dem Titel: „Weiter Blick über Ahrenshoop mit Ziegenhirten und Fischern“.

Heute sieht es dort zwar nicht mehr exakt so aus wie vor 125 Jahren, aber ebenso idyllisch. Am so genannten „Grenzweg“ ist eine Aussichtsplattform gebaut worden. Dort schaut man auf schilfgedeckte Fischerhäuser, im Hintergrund sind die Romantik-Hotels der Familie Fischer und das dazugehörige „Café Namenlos“ zu erkennen. Zum Konzept der Hoteliers und Gastronomen gehört es, in Gasträumen, auf den Zimmern als auch in einer Galerie Bilder regionaler Künstler, auch aus Gründerzeiten der Künstlerkolonie, auszustellen. Vergleicht man den linken Rand des Bildes, erkennt man die Zeitzeichen der Moderne. Düne als auch Buhnen im Wasser als Küstenschutz waren zu MüllerKaempffs Zeiten nicht zu sehen, gehören heutzutage aber zum selbstverständlichen Landschaftsbild in Mecklenburg-Vorpommern.

Auch die Küstenlinie ist etwas anders als damals. Auffällig und kunsthistorisch maßgeblich ist aber auf jeden Fall das Lichtspiel, das für Müller-Kaempff typisch war und sich an manchen Tagen auch in Fotografien wiederfindet. Es ist dieses geniale Spiel des Malers mit Hell und Dunkel, das dem originalen Anblick so frappierend nahe kommt.

Paul Müller-Kaempff wirkte zwar zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit über Ahrenshoop hinaus. Er war zu jener Zeit einer der fortschrittlichsten Geister und bekanntesten Landschaftsmaler Deutschlands, der als Professor lehrte, reiste, Erfahrungen austauschte und am kaiserlichen Hof Ansehen genoss. Er gründete den Kunstverein in seiner Geburtsstadt Oldenburg (Niedersachsen), zu der er sein Leben lang künstlerische Verbindungen pflegte, und war Mitbegründer der Vereinigung nordwestdeutscher Künstler. Müller-Kaempff lebte, lehrte, arbeitete und wirkte in Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Oldenburg oder in der Künstlerkolonie Dötlingen im Landkreis Oldenburg. Aber sein Name wird stets für die Gründung der Künstlerkolonie Ahrenshoop stehen. Und dieses Gemälde bildet den Ursprung.

INFO: Am 24. März 2017 startet in Ahrenshoop die Jubiläumswoche „125 Jahre Künstlerkolonie“. Bis 2. April laufen im Ostseebad Ausstellungen, Lesungen, Filme, Aufführungen, Lesungen.

Weiterhin werden Ausstellungen bis in den Herbst hinein gezeigt.

Kunstpfad Ahrenshoop beginnt mit dem Gemälde von Paul Müller-Kaempff

Am 25. März 2017 eröffnet das Ostseebad Ahrenshoop einen Kunstpfad mit zehn Stationen durch den Ort. Die OZ stellt die zehn Bilder in den nächsten Wochen samstags vor.

14. Januar: Paul Müller-Kaempff „Weiter Blick über Ahrenshoop mit Ziegenhirten und Fischern“ (1890) 21. Januar: Hugo Jäckel „Hohes Ufer“ (um 1910 bis 1915) 28. Januar: Hans Emil Oberländer „Dorfstraße Ahrenshoop (das Schulhaus)“ (1939) 4. Februar: Anna Gerresheim „Küste im Morgenlicht" (um 1910) 11. Februar: Fritz Grebe „Am Waldesrand – am Ahrenshooper Holz“ (1896) 18. Februar: Paul Müller-Kaempff „Der alte Schifferfriedhof in den Dünen" (1893) 25. Februar: Carl Malchin „Boddenblick mit Mühle“ (1893) 4. März: Elisabeth von Eicken „Dornenhaus im winterlichen Tauschnee“ (um 1893/94) 11. März: Dora Koch-Stetter „das rote Haus in Althagen“ (1911) 18. März: Elisabeth von Eicken „Stimmung an der Fulge" (1914)

Michael Meyer

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