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Kultur Die Kohls — Verfall einer Familie
Nachrichten Kultur Die Kohls — Verfall einer Familie
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04:33 08.03.2013
Von Peter Intelmann
Maike Kohl-Richter (48) und Helmut Kohl (82) beim 80. Geburtstag des Altkanzlers. Quelle: Ronald Wittek

Peter Kohl saß in London im Wohnzimmer, als das Telefon klingelte. Sein Bruder Walter war dran und überbrachte eine Nachricht, die zum Schwersten zählt, was das Leben für Menschen bereithält. Ihre Mutter hatte sich das Leben genommen zu Hause in Ludwigshafen, in Walters ehemaligem Kinderzimmer. Es war der 5. Juli 2001. Es war der Tag, an dem Peter Kohls Frau ihm eigentlich sagen wollte, dass sie ein Kind erwarten.

Ein Jahr nach ihrem Tod hat Peter Kohl ein Buch über seine Mutter veröffentlicht, eine Biografie, sie verkaufte sich sehr gut. Jetzt, da Hannelore Kohl am gestrigen Donnerstag 80 Jahre alt geworden wäre, erscheint sie als Taschenbuch neu. Aber Peter Kohl hat ihr ein Vorwort vorangestellt, das für Aufsehen sorgt.

Er schildert auf diesen knapp 30 Seiten das Leben der Kohls als den Verfall einer Familie. Er habe sich das nie vorstellen können, sagt er. Sein Elternhaus sei ihm immer eine feste Burg gewesen, kaum zu erschüttern. Nach dem Tod seiner Mutter aber sei mit der neuen Frau an der Seite seines Vaters nichts mehr so gewesen wie zuvor.

Vor allem soll die Beziehung zu Maike Richter schon zu Lebzeiten der Mutter bestanden haben. Ein „engster Vertrauter“ — „jedoch kein Angestellter oder Beamter“ — seines Vaters habe seinem Bruder am Rande von Helmut Kohls 75. Geburtstag davon erzählt, schreibt Peter. In der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre habe die Beziehung begonnen. Er habe das „wirklich nicht erfahren wollen“, und sein Bruder Walter hat in dessen vor zwei Jahren erschienenem Buch über das Leben im Schatten des Vaters Ähnliches anklingen lassen. Aber mit Maike Richter betritt eine Frau die Bühne, die Peter Kohl für die Zerstörung der Familie verantwortlich macht.

Die promovierte Ökonomin war in den 1990er Jahren Beamtin in der Wirtschaftsabteilung des Kohlschen Kanzleramtes. Drei Jahre nach dem Tod seiner Frau stellte Helmut Kohl sie den Söhnen als seine neue Partnerin vor. Sie muss ihn vergöttert haben, wenn man Peter Kohl folgt. Als sie einmal einen kurzen Abstecher in ihre Berliner Wohnung machen, kommt er aus dem Staunen nicht heraus: überall Bilder des Kanzlers, Wahlkampf-Utensilien und, unter Glas, ein gerahmter Brief mit seiner Unterschrift.

Er stand in einer Art Helmut- Kohl-Museum, und wenn man ihn richtig versteht, betrachtet er seinen Vater als die wichtigste Trophäe in dieser Sammlung. Schon nach dem Tod der Mutter habe er ihn als einen anderen Menschen kennengelernt. Nicht nur in der Phase tiefster Trauer, als der Altkanzler sagte, es wäre wohl besser, wenn auch er nicht mehr lebte. Aber als Mann an der Seite Maike Richters sei aus der einst fast überlebensgroßen Vaterfigur jemand geworden, den seine junge Frau vor den Söhnen und vielen anderen aus seinem alten Leben verbarg.

Peter Kohl schildert die Geschichte einer Entmündigung und Entfremdung, die auch die Geschichte einer tiefen Kränkung ist. Die Söhne spielen auf einmal keine Rolle mehr im Leben ihres Vaters. Sie werden hinausgedrängt von einer jungen Frau, die sich selbst als „Kohlianerin“ beschreibt. „Willst du die Trennung?“, fragt Walter seinen Vater, und der sagt nur: „Ja.“

Vom Zusammenbruch des Vaters im Februar 2008 erfährt Peter Kohl erst mit einem halben Tag Verspätung. Von der Verlobung des Vaters liest er auf der Internetseite der „Bild“-Zeitung. Als er bei einem Besuch nach dem Heiratstermin fragt, gibt es nur Ausflüchte. Beim Rausgehen aber begegnet er dem „Bild“-Chefredakteur und Kohl-Vertrauten Kai Diekmann. Und wenig später kann er wieder auf „Bild“-Online von der Hochzeit lesen, mit Diekmann als Trauzeugen. Die Söhne, steht da, hätten nicht kommen wollen. „Der Trend des Ausgrenzens hält bis heute an“, schreibt Peter Kohl. Und Maike Kohl-Richter? Schweigt.

„Hannelore Kohl — Ihr Leben“ von Dona Kujacinski und Peter Kohl, Knaur, 400 Seiten, 9,99 Euro

„Der Trend des

Ausgrenzens hält bis heute an.“
Peter Kohl über

Maike Richter, die zweite Frau seines Vaters

Peter Intelmann

Generationen wurden mit „Lackys“ Liedern groß.

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