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Kultur Die Leerstelle neben den Bildern
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00:00 20.10.2017
Der Berliner Maler Klaus Walter (53) zeigt in der Akademie der Nordkirche in Rostock sein Bild „Blendung“. FOTO/REPROS (3): OVE ARSCHOLL

Poesie ist es, die Geschichten zu erzählen, ohne sie zu benennen. Sie lässt dem Zuhörer den Raum für seine Geschichten neben der eigentlichen Erzählung. Die Bilder von Klaus Walter (53) aus Berlin sind solche poetischen Leerstellen in der Malerei, die dem Betrachter Raum lassen, seine eigenen Bilder neben dem Bild entstehen zu lassen. Die Geschichten außerhalb des Bildschnitts, den er gewählt hat, den er als Angebot versteht.

Der Berliner Maler Klaus Walter stellt in Rostock aus.

„Vakant“

Malerei von Klaus Walter, „Vakant“ heißt die Ausstellung in der Evangelischen Akademie der Nordkirche in Rostock (Ziegenmarkt 4). Die Arbeiten werden bis 3. Mai 2018 gezeigt.

www.akademie-nordkirche.de

Zum Beispiel das Bild „Lager“ (2017). Es zeigt zwei Männer schlafend in einer Art Lagerhalle. Was ist geschehen, dass sie vom Schlaf übermannt wurden? Was ist das für ein Raum? Welche Geschichte wird erzählt? Ausnüchterungszelle? Asylheim? Obdachlosigkeit? Es bleibt dem Betrachter überlassen, ob er sich in eine friedliche oder eine bedrohliche Welt denkt. Zum Beispiel das Bild „Blendung“ (2016).

Es zeigt einen Mann mit einer Reflektorfolie, wie sie Fotografen und Kameraleute nutzen, vor einer Industriebrache. Was wird hier fotografiert oder gedreht – Fashion? Spielfilm? Porno?

Was macht der Mann in dem Bild „Mutprobe“, der sich das Shirt über den Kopf zieht, als Nächstes? Was geschieht in dem Haus des titelgebenden Bildes der Ausstellung „Vakant“. Man weiß nicht so genau, ob das Gebäude, ein Einfamilienhaus, leer steht, ob es bewohnt ist, ob nur die Jalousien heruntergelassen wurden – und was dahinter passiert. Schlafen dort Menschen, eine Familie vielleicht, oder geschieht etwas Dunkles innerhalb des Raumes, das niemand sehen soll. Einfamilienhausidylle oder Geisterhaus oder vielleicht sogar beides in einem. Wie so oft.

Klaus Walter sagt, ihn interessiere der „unspezifizierte Raum“. In seinen Bildern fänden sich „aufgeladene Räume, deren Zweck nicht ganz eindeutig ist.“ Es sind immer mehrere Erzählebenen. Walter ist der sechste Künstler, den die Evangelische Akademie der Nordkirche am Rostocker Ziegenmarkt ausstellt. Durchweg hohes Niveau mit dem Rostocker Maler und Bildhauer Wolfgang Friedrich (70), den Rostocker Fotografen Thomas Häntzschel (53) und Frank Hormann (57), dem Güstrower Maler Henning Spitzer (46) und der Rostocker Malerin Grit Sauerborn (53). Wiebke Juhl-Nielsen, Studienleiterin der Akademie, hat Walter 2015 in der Kunsthalle entdeckt, als er den Rostocker Kunstpreis gewonnen hat und sagt: „Ich war sofort begeistert von seinen Arbeiten und hatte gehofft, diesen Maler mal in unseren Räumen ausstellen zu können.“

Hat geklappt mit diesem Maler, der aus Glauchau in Sachsen stammt, an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Arno Rink (1940-2017) studiert hat und von 1990 bis 2007 in Göhren auf Rügen lebte. Jetzt hat ihn die Großstadt Berlin wieder. Und das passt zu seiner Bildsprache, die sich sehr für Architektur interessiert. In der Serie „Hybrid“ verarbeitet er zeichnerisch ein Vorzeigewohngebiet in Bern. Die Architekturidylle spiegelt er mit sozialistischer Pracht, die er aus DDR-Zeiten kennt: Die Fachhochschule Potsdam, ein Partisanen-Monument aus Kroatien, das Stasi-Ministerium in Berlin, eine Polizeistation in Zwickau. Walter interessiert die sozialistische Großmannssucht in der Architektur und er lässt diese Bauten in bürgerliche Idyllen eindringen, wo sie rumstehen als Fremdkörper, vergessen, wie Dinosaurier oder Ufos aus einer anderen Welt.

Michael Meyer

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