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Kultur Die Leiden junger US-Anwälte
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00:04 26.04.2018
John Grisham stammt aus Arkansas. Quelle: Foto: Dpa

John Grisham ist einer der Großmeister unter den Autoren von Justiz-Thrillern. Er kennt das amerikanische Rechtssystem genau, weil er selbst als Anwalt tätig gewesen ist. In seinem neuen Roman „Forderung“ geht es um dubiose Praktiken bei der Ausbildung von Juristen.

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John Grishams neuer Roman „Forderung“ ist eine Abrechnung mit der amerikanischen Justiz

Studieren in den USA ist eine ausgesprochen teure Angelegenheit. Wer endlich den College-Abschluss in der Tasche hat, kann auf eine der Law Schools gehen, wenn er – oder die Eltern – über ausreichend Geld verfügen. Oder man nimmt einen Studienkredit auf, und den bekommt fast jeder, der sich für die Juristerei entscheidet. Das ist die Ausgangssituation von vier Studenten, die an einer fiktiven Universität in Washington für ihr juristisches Examen büffeln. Dumm ist nur, dass ihre Universität so schlecht ist, dass sie kaum eine Chance haben, jemals die Anwaltsprüfung zu bestehen. Aus der Traum, stattdessen Schulden über Schulden. Einer der vier hält den Druck nicht mehr aus und begeht Selbstmord, die anderen wollen ihren Freund rächen. Und das geht am besten, indem man die Firma, die die nutzlose Universität betreibt, aufs Kreuz legt.

Das ist kurzgefasst der Plot von „Forderung“. Wie es den rabiaten Jung-Juristen schließlich gelingt, tatsächlich einige Millionen Dollar abzustauben und mit ihrer Beute – und neuen Pässen – ins Ausland zu verschwinden, ist wie immer in den Romanen von John Grisham mit ausgedehnten Lektionen über das amerikanische Rechtssystem verbunden. Man lernt viel über die Ausbildung von Juristen in diesem Buch, lernt den Arbeitsalltag von Wald- und Wiesenanwälten kennen, aber auch den Glanz in den Chefetagen von Hedgefonds, denen es völlig egal ist, wie sie ihre Profite machen. Das ist manchmal etwas ausladend erzählt, Grisham legt viel Wert auf Genauigkeit in seinen Büchern. Langweilig wird „Forderung“ aber dennoch nie, denn der Autor hat sich viele Nebenhandlungen einfallen lassen. So müssen die drei Aufrechten sich erst einmal Geld verschaffen, um ihren Feldzug starten zu können. Das tun sie, indem sie illegal als Anwälte praktizieren. Sie suchen sich in den Gerichtsgebäuden unsichere und hilflose Angeklagte – zumeist müssen diese wegen Verkehrsdelikten vor Gericht – und vertreten sie dann für eine Pauschalsumme von 1000 Dollar. Das fällt nicht auf, denn gerade die Verkehrsgerichte arbeiten in den USA ungemein zügig, Verfahren werden wie am Fließband abgewickelt. Da fallen neue Gesichter nicht auf. Aber irgendwann ist den drei Hochstaplern doch das FBI auf den Fersen, jetzt geht es darum, möglichst schnell den großen Coup zu landen. Sie wollen der Bank, die hinter dem Hedgefonds steckt, an die Millionen, und das gelingt ihnen schließlich auch.

Leider ist in diesem Roman eines von Anfang an klar: So sehr man sich über das Treiben von solchen Fake-Universitäten auch entrüsten kann, der Skandal bleibt ein eher kleiner, wenn derartige Machenschaften aufgedeckt werden. Die ganz großen windigen Geschäfte sind viel interessanter, auch für die Medien. Aber dennoch entwickelt man als Leser sehr schnell Sympathie für die Hochstapler, die den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit sehr schnell begriffen haben. Und die auf ihrer Flucht aus den USA zudem noch lernen, wie es in totalitär regierten Staaten zugeht. Das ist ein weites Feld, und John Grisham ist als Autor viel zu geschickt, um diese Nebenhandlung zu breit auszuwalzen. „Forderung“ ist deshalb trotz aller Längen ein spannender Roman.

Info: „Forderung“

von John Grisham, Heyne Verlag, 430 Seiten kosten 24 Euro

Anwalt, Abgeordneter, Autor

John Grisham, geboren 1955, beendete sein Jurastudium 1981 und arbeitete dann zehn Jahre lang als Anwalt. Von 1983 bis 1990 saß er für die Demokraten im Repräsentantenhaus des Staates Mississippi.

1989 erschien sein erster Roman „Die Jury“, den Durchbruch als Schriftsteller schaffte Grisham 1991 mit seinem zweiten Roman

„Die Firma“. Seine Bücher haben eine Gesamtauflage von 275 Millionen

Exemplaren.

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