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Die Macherin vom Mecklenburger Parkland

Die Macherin vom Mecklenburger Parkland

Maibritt Olsen aus Vipernitz bei Laage belebt die Region Mecklenburgische Schweiz mit zahlreichen Projekten: Projekte wie Sternenpark, Agrarkultur oder Natursound

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Dalwitz. „Wir haben hier 17 Einwohner pro Quadratkilometer. Australien hat drei.“ Maibritt Olsen (50) macht aus der Not eine Tugend. Wenn andernorts Landflucht beweint wird, sagt sie: „Das ist doch ein Grund, hierherzukommen!“ Die gebürtige Rostockerin ist seit Jahren ein Landei mit Spaß dabei. In Vipernitz, mit acht Einwohnern idyllisch gelegen zwischen Laage, Tessin und Gnoien, hat sie das alte Vorwerk eines Gutes übernommen. Die Bewirtschaftung genügt ihr nicht. Sie hat mit Freunden und Anwohnern das „Mecklenburger Parkland“ gegründet — das Projekt dient der touristischen Vermarktung. Und der kulturellen, ökologischen, sozialen Förderung einer Region zwischen Bad Sülze im Norden, Laage im Westen, Gnoien im Osten, Malchin im Süden und den Orten Tessin und Teterow in der Mitte — vor allem aber dient es der Förderung natürlicher Ressourcen dieser reizvollen Gegend, Teil der Mecklenburgischen Schweiz.

Slogan der Region ist: „Bei uns gibt‘s nichts . . . außer schön!“ Maibritt Olsen sagt: „Anfangs war das Ziel der Erhalt der Kulturlandschaft hier. Dann stießen wir darauf, dass es nur funktioniert, wenn man ein Netzwerk installiert.“ Als sie sich 2007 mit ersten Ideen an die Wirtschaftsförderung Güstrow wandte, wurde sie rausgeschmissen. Man hat gefragt: „Was sollen wir denn da fördern?“

Jetzt gehören zum Netzwerk all die Perlen der Region, wie Landhaus Kölzow, die Schlösser Duckwitz, Lühburg, Schwiessel oder Mitsuko, Feriengut Dalwitz samt Mecklenburger Meute, Wildkräuterhotel Ehmkendorf, Thünengut Tellow, Kunsthausverlag Boddin, Rosengarten Groß Siemen, Wossidlo Museum Walkendorf, Reitanlagen, Kanustationen, Mühlen, Kirchen, Museen. Maibritt Olsen sagt: „Mit unserer Arbeit bringen wir die Leute zusammen, die was bewegen, und Anbieter regionaler Produkte“ — von der Schafscheune Vietschow über Burg Schlitz bis zum Kranichmuseum Hessenburg.

Das Engagement geht darauf zurück, dass die Region historisch stets vernachlässigt wurde. Dort, wo Parkland aktiv ist, stießen zu DDR-Zeiten die Nordbezirke Rostock, Schwerin, Neubrandenburg zusammen. Es war Vernachlässigungsgebiet. Das blieb nach der Wende so. Olsen konnte sieben Gemeinden und die Stadt Tessin gewinnen. Nun kümmert sich das Parkland um Renaturierungen, Hecken- und Alleenpflanzungen — Landschaftspflege und Kulturpflege. Es gibt die Mittsommer-Remise, im September wird zum Parkland-Jazz in Wardow und Duckwitz geladen, Dalwitz organisiert eine südamerikanische Woche und in der Reihe „Landpartie“ der Festspiele MV wird am 15. September ein Konzert der „Jungen Elite“ mit Tianwa Yang, Anastasia Kobekina und Louis Schwizgebel im Schloss Schwiessel mit einer Tour über mehrere Schlösser verbunden. Das Parkland hat wegen seiner Aktivitäten den Land-Art-Wettbewerb des Tourismusverbandes gewonnen. Kein Wunder, Maibritt Olsen setzt permanent Ideen um wie das „Projekt Natursound“, bei dem Urlauber natürliche Geräusche erleben können. Röhren von Hirschen, Schilf im Wind, Klappern der Störche, Quaken der Rotbauchunken.

Natürliche Landschaften sterben aus, sagt sie. „Zurzeit hört man Kraniche. Das ist ein Geräusch, das Stadtmenschen gar nicht mehr zuordnen können. Die denken dann, das ist ein Trecker, der ‘nen Hänger zieht.“ Zielgruppe seien Großstädter aus Deutschland, Skandinavien, Österreich und der Schweiz. „Unsere Gäste sind Individualisten, die schon groß sind und jeden Morgen selbst entscheiden wollen, wie sie ihren Urlaubstag verbringen, ohne dass ihnen das ein Animateur mitteilt.“

Da hätte jeder Anbieter eigene Stärken. Dalwitz und Duckwitz seien gut für Familien, Lühburg eher was für Verliebte, Pärchen oder Singles. Es ist die Ruhe, die lockt. Und zuweilen die Dunkelheit. Im Dezember wurde der Verein „Parkland Sterne“ gegründet. Die Region arbeitet am Projekt Sternenpark und hat sich als „Dark Sky Community“ beworben. Dafür bedarf es einer natürlichen Himmelshelligkeit — so etwas wird gemessen. Maibritt Olsen glaubt fest daran, dass ihre Region nicht von Lichtverschmutzung betroffen sei. Bekommt sie das Siegel, sei das Parkland neben dem Havelland der einzige Sternenpark Deutschlands und die einzige „Dark Sky Community“ auf dem europäischen Festland. So etwas gebe es sonst nur in Irland — na ja, und in Australien.

 



Michael Meyer

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