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„Die Malerei ist wie Tanz“

Greifswald „Die Malerei ist wie Tanz“

Unter dem Titel „Neue Bilder“ sind bis zum 7. Mai in der Greifswalder Galerie von Hubert Schwarz 19 Werke des Berliner Malers Thomas Hartmann zu sehen.

Greifswald. „Malerei ist wie Tanz, sie kommt direkt aus dem Körper“, ist sich Künstler Thomas Hartmann sicher. Was seine Werke von Ersterem unterscheidet, ist, dass sie dauerhaft sind. 19 neue Arbeiten des in Berlin und Nürnberg tätigen Friesen sind zurzeit in der Galerie von Hubert Schwarz zu sehen.

„Meine Bilder wachsen wie Bäume. Alles passiert gleichzeitig und an verschiedenen Stellen“, erklärt Hartmann. Ein Motiv, das immer wieder auftaucht und auch in der aktuellen Ausstellung zu sehen ist, sind übervolle Bücherregale. In Szene gesetzt hat sie der 65-Jährige von vorn, seitlich oder mit Fluchtpunkt und Zentralperspektive, so dass sie anmuten, wie ein 3D-Bild, in das der Betrachter hineinschlüpfen und an den Regalen entlangschreiten kann.

Für Hartmann steht jedoch etwas anderes im Vordergrund: „Es geht immer um die Spannung des Einzelnen im Verhältnis zum Ganzen“, sagt er. Die Anordnung auf den Bildern — für Hartmann ist sie gleichzeitig Teil einer größeren Ordnung, die die Funktion von Welt erklärt. Betitelt hat er seine Werke daher unter anderem mit „Höhere Ordnung“ oder „In Schönster Ordnung“. „Ich habe selbst eine riesige Büchersammlung und gucke sehr gerne Regale an, weil so viel Wissen darin steckt“, sagt er.

Mit dem Wort Inspiration tut er sich trotzdem schwer. „Die Hauptarbeit ist es, morgens im Kopf leer zu werden und Spannung aufzubauen. Erst wenn ich keine Bilder mehr im Kopf habe, kann ich anfangen zu malen“, erklärt er die Arbeit im Berliner Atelier. Über kleinteilige Strukturen komme er ins Bild, taste sich dann langsam an sein Thema heran. „Oft arbeite ich eine Weile an einem Bild und stelle es wieder weg. Irgendwann kristallisiert sich etwas heraus“, sagt Hartmann. „Wenn nichts mehr weggenommen und nichts mehr hinzugegeben werden kann, ist das Bild fertig. Diesen Zeitpunkt darf man nicht verpassen, er ist oft auch für mich eine Überraschung.“

Ob Bücher, Menschen, Autos oder Container von oben — Hartmann malt seine Motive gern in großer Anzahl. Fast wirken seine Bilder überbevölkert. Die Motive, als ob sie aus dem Bild herausfallen. „Ich bin gern fleißig“, sagt der gebürtige Friese. Alle zehn Jahre verändern sich laut Hartmann seine Bilder. Abgearbeitet hat er sich an Gegenständlichem und Abstraktem, auch wenn sich Hartmann mit dem Begriff schwertut. Stets sei er zweigeteilt gewesen in der Vorliebe für Menschen und Stadtlandschaften.

Mit dem Sujet seiner neuen Bilder grenzt er sich nicht nur inhaltlich, sondern auch farblich von älteren Werken ab. „Früher hatte ich eher eine Vorstellung von Nicht-Farbe“, sagt er. Weg von den gedeckten Farben, die häufig zwischen Schwarz, Weiß und Grau changierten, schöpft Hartmann bei seinen neuen Werken die ganze Farbpalette aus. „Ich war überrascht von der Leuchtkraft“, sagt Galerist Hubert Schwarz, der seit mehr als 20 Jahren mit Thomas Hartmann zusammenarbeitet. Ausgewählt für die Ausstellung haben die beiden großformatige Ölbilder und Mischtechniken auf Papier, die 2015 und 2016 fertiggestellt wurden. „Alle tragen die unverkennbare Handschrift der Hartmänner, trotzdem überrascht er mich immer wieder“, sagt Schwarz. Immer wieder kommt in seinen Werken auch Hartmanns Humor durch, wie bei dem Bild „Sicher sein“, in dem er einem Mann drei Brillen auf den Kopf gemalt hat.

Was ihn nach wie vor antreibt? „Man hat immer die Utopie, ein Bild zu malen, das alles erzählt, so dass man nicht mehr weitermachen muss. Aber das perfekte Bild gibt es nicht. Also scheitert man eigentlich immer“, sagt Hartmann. Seine Beharrlichkeit hat der Künstler auch nach 30 Jahren trotzdem nicht verloren. „Natürlich stelle ich mir die Frage, warum ich noch täglich ins Atelier gehe. Aber es ist viel Neugier dabei“, sagt er. Und: „Die Malerei ist mein Ventil, der Pinsel, das Medium, mit dem ich mich am besten mitteilen kann.“

Von Stefanie Büssing

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