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Kultur Die Passion des Malers Immendorff
Nachrichten Kultur Die Passion des Malers Immendorff
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00:00 20.07.2016

Als der Maler Jörg Immendorff 2007 an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) starb, weinte der Boulevard. Nicht, weil er erst 62 Jahre alt war und weil man noch einiges an künstlerischer Provokation hätte erwarten können. Sondern weil die Klatsch-Vermarkter eine schillernde Figur verloren, die fleißig Smalltalk-Stoff lieferte, in dem junge Frauen, weniger junge Prostituierte und Drogen vorkamen. Und dann war der tolle Kerl auch noch ein Freund von Ex-Kanzler Gerhard Schröder.

Wenn Julia Hümme über den Maler aus Düsseldorf mit St.-Pauli-Faible (dort steht seine Hans-Albers-Plastik) anmerkt, „er war ja einer der wenigen zeitgenössischen Künstler, die auch in der Öffentlichkeit standen“ – dann ist das nicht falsch. Aber das opulente Werk Immendorffs war und ist Anschauungsmaterial für Menschen, denen auch die Namen Baselitz, Penck oder Kirkeby etwas sagen (nach einem Immendorff-Bild sind sie und er „best artists after war“).

Die Leiterin des Ostholstein-Museums Eutin unternimmt etwas für die Verbreitung von Immendorffs Kunst. Gerade wurde die Ausstellung „Gestatten, Mein Name ist Geschichte“ mit Ausschnitten aus dem grafischen Werk eröffnet. Das Zitat Immendorfs verweist darauf, dass er auf seinen Bildern die Kunstgeschichte geplündert hat – immer wieder gibt es Verweise auf Ikonen vom Mittelalter bis heute –, andererseits auf sein Ableben: 2005, als die Krankheit ihn fest im Griff hatte, schrieb er den Satz unter ein Foto, auf dem er seine Wunden zeigt. Jörg Immendorff hat sich als politischer Künstler verstanden, auch als er sich „von dem erzählenden Lametta“ verabschieden wollte, um zu einer „reineren Malerei“ zu kommen, weil er nicht mehr anderes konnte. Allerdings blieben seine Bilder auch da noch figürlich – und kryptisch. „Optimismus für Deutschland“ ist ein Pigmentdruck betitelt, auf dessen collagenartiger Szene man Edmund Stoiber Angela Merkel reiten sieht, davor ein Schatten von Adolf Hitler, eine Spitzhacke fährt dazwischen.

Was er politisch meinte, ist nach seiner Agitprop-Phase in den 1970er Jahren schwer zu ergründen, man kann nur ein Leiden an den Gegebenheiten erahnen. „Er hat sich seine politische Bedrückung von der Seele gemalt“, sagt der Düsseldorfer Galerist Stefan Skowron, der die Ausstellung mit organisiert hat.

Michael Berger

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