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Kultur Die Rebellion der Porzellanfiguren
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00:00 05.02.2018
Rostock

Das Volkstheater Rostock setzt die Reihe „Knall + All“ fort. Am Sonnabend hatte im Ateliertheater das Stück „Weltall Erde Mensch“ von Jan Koslowski Premiere, in einer Kooperation mit der Kunstkooperative Berlin.

Der Titel des Stücks dürfte DDR-Kindern wohl ein Begriff sein. „Weltall Erde Mensch“ hieß auch jenes Buch, das zwanzig Jahre lang Jugendlichen in der DDR als Geschenk zur Jugendweihe überreicht wurde.

Autor Jan Koslowski hat „Weltall Erde Mensch“ aber nur als Inspiration für dieses Stück genommen, um über das Leben nachzudenken. Genauer gesagt, über das Verhältnis von Arbeitszeit und Freizeit. Und über die fehlende Selbstbestimmung in einer Welt, in der der Alltag mehr und mehr von den Anforderungen des Berufslebens als von eigenen Bedürfnissen geprägt und strukturiert wird.

In diesem Stück sind’s drei Menschen, die ihr enges Verhältnis über die gemeinsame Arbeit definieren. Das sind Jenny (Janne Nora Kummer), Willy (Paula Thielecke) und schließlich Moppi (Markus Paul).

Aus der gemeinsamen Arbeit an der Tankstelle ergibt sich auch ein gewisses Anspruchsdenken. So muss Jenny, die den Ausbruch bereits gewagt hat und wieder in die Gruppe zurückgekehrt ist, mit Egoismus-Vorwürfen leben. Der Sinn aber fehlt, die drei wollen nicht nur „Porzellanfiguren in der Vitrine des Lebens“ sein. Denn zwischen einer „Grottenolm-Existenz“ und der Selbstverwirklichung eines Frédéric Chopin gibt es ungefähr 1000 Zwischenstufen. Man bräuchte nur ein „Talent zum Glücklichsein“, finden die drei heraus. Schließlich ist es Moppi (sein Name ist wohl eine Anspielung auf das DDR-Kinderfernsehen), der den beiden überraschten Kollegen seine Austrittspläne aus dem Kollektiv offenbart. Moppi will mit einer Rakete dem geregelten Dasein entfliehen. „Ich möchte keinen Morgen und keinen Abend und keinen Mittag“, erklärt er. „Ich will mir nicht von einem Trabanten diktieren lassen, wann ich zu essen habe und wann nicht“, ist auch ein Vorwurf. „Das ist eigentlich das Einzige, was ich möchte“, bekräftigt Moppi.

Bis auch der Zuschauer zu dieser Erkenntnis durchgedrungen ist, kann er sich auf ein zuweilen schrilles Spiel einlassen, das das Trio bietet. Auch formal gibt’s Abwechslung, so mit einer Hinter-der-Bühne-Kamera und Videoeinspielungen. Einen Spaß hat sich der Regisseur mit einer kurzen filmischen Adaption von Theodor Fontanes „Effi Briest“ gemacht, die am Warnemünder Strand gedreht wurde.

So verschwindet die große Botschaft ein bisschen hinter dem Klamauk. Der Klartext wird aber im Begleitheft geliefert: „Mit den modernen Produktionsmethoden ist die Möglichkeit gegeben, dass alle Menschen behaglich und sicher leben; wir haben es stattdessen vorgezogen, dass sich manche überanstrengen und die andern verhungern“, wird Bertrand Russell aus „Lob des Müßiggangs“ zitiert. Das ist die kurze Version. Nächste Vorstellung von „Weltall Erde Mensch“ am 28. Februar um 20 Uhr im Ateliertheater des Volkstheaters Rostock

Thorsten Czarkowski

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