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Die Verfremdung der Welt: René Magritte in der Schirn

Große Retrospektive Die Verfremdung der Welt: René Magritte in der Schirn

Ein Maler, der bewusst Rätsel aufgibt: Die Frankfurter Schirn zeigt eine große Retrospektive des populären Surrealisten René Magritte. Ins Pariser Centre Pompidou hat die Schau in den vergangenen Monaten rund 600 000 Besucher gelockt.

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René Magritte, This is not a pipe, 1935.

Quelle: Boris Roessler

Frankfurt/Main. Eine Treppe, die an einer Wand endet, ein Glas Wasser, das auf einem Regenschirm steht, Vorhänge, die von weißen Wolken herabhängen. Die Bilder des belgischen Malers René Magritte (1898-1967) spielen mit Abbild und Fantasie, mit Wirklichkeit und Illusion.

Bei der Verfremdung der Welt ging der weltberühmte Schöpfer surrealer Bilder aber mit klarem Konzept vor. Seine Malerei war eng mit dem Denken und der Sprache der großen Philosophen verknüpft - von der Antike bis zu großen zeitgenössischen Intellektuellen wie Michel Foucault.

Dies will eine große Retrospektive in der Frankfurter Kunsthalle Schirn dokumentieren. Unter dem Titel „Magritte. Der Verrat der Bilder“ ist die Ausstellung vom 10. Februar bis zum 5. Juni zu sehen.

„Magritte war viel mehr als ein Surrealist“, sagt Kurator Didier Ottinger. Er hat die Schau zuerst für das Centre Pompidou in Paris konzipiert, wo sie in den vergangenen Monaten zu sehen war. Die Frankfurter Retrospektive ist die erste Magritte-Ausstellung in Deutschland seit vielen Jahren. Gezeigt werden rund 70 Werke aus aller Welt, darunter auch seltene Arbeiten aus Privatsammlungen.

Der belgische Künstler war zeitlebens darum bemüht, der Malerei eine der Sprache gleichwertige Bedeutung zu geben. „Die Kunst des Malens ist eine Kunst des Denkens“, war sein Wahlspruch, der den Schlüssel für seine oft verrätselten Bilder liefert. Es geht ihm - oft am Beispiel von Alltagsgegenständen - um Widersprüchliches und Paradoxes bei der Wahrnehmung und um die Frage, ob Realität überhaupt noch abgebildet werden kann.

Eines seiner berühmtesten Gemälde zeigt in seiner typisch akkuraten Malweise eine Pfeife. Darunter steht geschrieben:  „Ceci n'est pas une pipe“ - Das ist keine Pfeife. Das Ölgemälde aus dem Jahr 1929, das „La trahison des images“ („Der Verrat der Bilder“) heißt, hat der Ausstellung auch ihren Namen gegeben.

Bilder können verraten oder irreführen - genauso wie Worte. Im Zeitalter des „Postfaktischen“ und von „alternativen Fakten“ wirkt Magritte, der die digitalen Möglichkeiten der Bearbeitung von Wirklichkeit noch gar nicht kannte, besonders aktuell.

Magritte, der zur Aufwertung der Malerei eigene theoretische Abhandlungen lieferte, blieb die Anerkennung durch die Philosophie lange versagt. Erst der Poststrukturalist Foucault würdigte Magrittes intellektuelle Bemühungen und widmete ihm 1973 seine Schrift „Ceci n'est pas une pipe“ - da war aber Magritte, der heute zu den populärsten und einflussreichsten Malern des 20. Jahrhunderts gehört, schon sechs Jahre tot.

Die Frankfurter Schau ist im Vergleich zu Paris wegen der unterschiedlichen Räumlichkeiten etwas abgespeckt worden. Außerdem wurde die Präsentationsform geändert: Statt auf weiße Wände und quadratische Räume setzen die Ausstellungsmacher am Main auf drei verschiedene Grautöne und fünf ineinander verschachtelte Abteilungen. Im Eingangsraum werden Super-8-Filme gezeigt, die Magritte in seinen letzten Lebensjahren gemeinsam mit seinen Freunden gedreht hat.

Gut 600 000 Menschen haben die Magritte-Ausstellung in Paris gesehen, die im Januar endete. Auf einen ähnlichen Erfolg hofft jetzt die Schirn. Die Schau ist auch Vorbote auf den Kultur-Herbst in Frankfurt. Dann werden sich Frankreich und die gesamte französischsprachige Welt auf der Buchmesse als Ehrengast präsentieren.

dpa

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