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Kultur Die fabelhafte Welt des Thomas Ziegler
Nachrichten Kultur Die fabelhafte Welt des Thomas Ziegler
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00:00 18.04.2013
Rostock

Unheimlich könnte einem werden bei diesen sonderbaren Gemälden, seltsamen Figurationen, Bildkontrasten. Ein Gemälde mit geradezu aufschreckenden Farbkombinationen — blau, grün, gelb, rot und mittendrin ein von unten aufragendes Violett — beherrscht allein die Stirnseite des langen Raumes in der Galerie des Kunstvereins zu Rostock. „Ernte“ heißt das Werk von 2009, aber es verheißt gar nichts Gutes.

In großem Abstand gegenüber hängt das Gemälde „Teich“ — auf den ersten Blick wunderschön, beim näheren Hinsehen voll innerer Spannung und meisterhaft zusammengetragener Wahrnehmungs-Anekdoten. Und ganz unheimlich könnte es werden, wenn im selben Raum aus einem Bild Banshee herausschaut, jene Fee der keltischen Mythologie, die einen Tod in der Familie ankündigt — und um sie herum sieht es tatsächlich sehr nach Tod aus.

Vielleicht scheint es unheimlich, ist es aber nicht in den Bildern von Thomas Ziegler (65). Diese erstaunliche Doppelwirkung können Kunstfreunde seit gestern im Rostocker Kunstverein nachprüfen — und genießen. In einer sorgfältig ausgewählten Personalausstellung des in Katzow lebenden Malers sind 23 Gemälde aus den letzten vier Jahren zu sehen.

„Sauberer Surrealismus“, sagt Ziegler schmunzelnd über viele dieser Bilder. Mit dem Surrealismus beschäftigte er sich seit einem Arbeitsaufenthalt in Nicaragua 1987. In letzter Zeit hat er ihn regelrecht zum Leitbegriff gemacht — „Surrealismus“ hieß beispielsweise eine Schau im vergangenen Jahr.

Seine Malerei findet hierzulande wachsenden Zuspruch: Der aus Sachsen stammende Maler, der seit 1979 in Schwerin, nach 1990 in Berlin, auf der Insel Rügen und in Hamburg lebte und arbeitet, zog 2011 ins vorpommersche Katzow und sorgte in MV mit mehreren Ausstellungen für Aufsehen. Gleichsam zur Begrüßung präsentierte ihn die Landeskunstschau 2011 in Schwerin, parallel dazu stellte er unter dem Titel „verloren und gefunden“ in der Orangerie Putbus Werke aus der DDR und aus der Zeit nach 1995 aus. Darunter der berühmt gewordene Perestroika-Vierteiler „Sowjetische Soldaten 1987“, der auf der letzten DDR-Kunstausstellung 1988 in Dresden für Aufsehen gesorgt hatte. Danach hatten die vier uniformierten jungen Männer vor rotem Hintergrund auch in einer repräsentativen US-Schau zur DDR-Kunst vom nahen Ende des real existierenden Stalinismus in der DDR gekündet.

Reflexe auf alte Zeiten, ganz speziell auf die vier Perestroika-Bildtafeln, findet man auch in der aktuellen Rostocker Ausstellung wieder. Heute betont Ziegler die Eigenständigkeit seiner Bildwelten als visuelle Ereignisse, beruft sich für sein Schaffen auf eine „Mischung von Wahrnehmung, Fantasie, Bewusstsein, Unterbewusstsein“ und betont, dass sich im Bild „Rationalität und Magie treffen, um ein Fest zu feiern“. Nur selten ist das nicht so festlich: etwa beim „Terrorhorst“, dessen plakative Bildsprache sich auf das Niveau einer lächerlich-zombiehaften Gestalt herablässt. Daneben hängt das nüchternste Bild der Schau — mit dem längsten Titel: „Erinnerung an den ehemaligen jüdischen Friedhof in Wolgast“, die Darstellung einer Grabsteinfassung ohne Grabstein.

Doch die optischen Feste überwiegen, mit technischer Raffinesse gemalt, oft mit untergründigem Witz. Der Filmregisseur Quentin Tarantino, so sagt Thomas Ziegler, habe ihn da sehr beeinflusst. Man sieht es und hat sein Vergnügen.

Dietrich Pätzold

Eine Compagnie und drei vollkommen verschiedene Stücke — mit einem außergewöhnlichen Tanzabend mit der São Paulo Companhia de Dança sind die Movimentos-Festwochen in Wolfsburg fortgeführt worden.

18.04.2013

Thomas Ziegler kam 1947 im sächsischen Limbach zur Welt. Er studierte 1966 bis 1969 Sozialpsychologie in Jena, von 1969 bis 1974 Malerei und Illustration an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst.

18.04.2013

Heute Abend Benefizkonzert in der Rostocker HMT.

18.04.2013