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Die geile Meile hat Udo wieder

Die geile Meile hat Udo wieder

Hamburg feierte mit viel Prominenz die Premiere des Lindenberg-Musicals „Hinterm Horizont“

 

Hamburg. St. Pauli im Blitzlichtgewitter: Udo Lindenberg empfängt auf dem roten Teppich vor dem Operettenhaus alte Freunde wie Otto Waalkes und Sängerin Vicky Leandros ebenso wie Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) oder Stars aus dem Amüsierviertel wie Dragqueen Olivia Jones oder Theatermacher Corny Littmann. Sie alle sind am Donnerstag zur Premiere des Musicals „Hinterm Horizont“ gekommen, das eine Hommage an den Panikrocker ist. Fünf Jahre lang lief es in Berlin am Potsdamer Platz und hatte nun einen furiosen Auftakt in Hamburg, der Wahlheimat Udo Lindenbergs – und da durfte sich am Donnerstag der Kiez selbst ausgiebig feiern.

Vor der Party wird allerdings erst mal eine Epoche der Weltgeschichte abgearbeitet, nämlich die des Kalten Krieges, und et wird ville barlinert, wa. Originalaufnahmen vom Mauerbau 1961 gibt’s als Intro, es folgen Szenen von Udos erstem und einzigen Auftritt 1983 in Ostberlin im „Palast der Republik“. Damit beginnt die Geschichte vom „Mädchen aus Ostberlin“ – ein Lied, mit dem der Panikrocker schon 1973 gegen die deutsche Teilung angesungen hatte. Eine teils autobiografische und teils fiktive Geschichte bringen die Macher rund um den Rockstar auf die Bühne. Der Star Udo und Jessy aus'm DDR-Plattenbau verlieben sich, sind durch die Mauer getrennt, verbringen eine heiße Nacht in Moskau und werden von den Stasi-Kontrolettis natürlich beschattet. Es folgen ein Kind, eine verkorkste Ehe – und das Wiedersehen nach dem Mauerfall.

Wie bei der Berliner Inszenierung führt St.-Pauli-Theater-Intendant Ulrich Waller Regie. Die Rolle des Udo übernimmt der musical-erfahrene Alex Melcher, der auch schon als Udo in Berlin spielte und tänzelnd und vernuschelt streckenweise echter wirkt als das Original. Die Ostkulisse ist mit Sandmännchen, grünem Ampelmännchen, Stasi, Armee und Plattenbau auf Klischee reduziert, Ostalgie-Klamauk wird durch Originalaufnahmen gebrochen.

Aber eigentlich kommt auf die Musik der Nachtigall an, wie Udo sich selbst bezeichnet. Spiel- und Tanzszenen wechseln sich ab, in Erinnerung bleiben Alex Melcher als Jung- Udo und die stimmgewaltige Josephin Busch, die schon in Berlin die Jessy spielte, Boris Böhringer als schnoddriger Berliner und Rainer Brandt als kaltschnäuziger Stasi-Minister. Knapp 30 Udo-Songs sind zu hören, zum Teil in rasanten und originellen Tanzszenen wie etwa bei „Gitarren statt Knarren“ oder „Olga von der Wolga“. In Hamburg sollte das „Panical“, wie Lindenberg das Musical lieber nennt, „mehr Hamburch“ haben, und so kamen zu den alten Gassenhauern aktuelle Songs wie „Einer muss den Job ja machen“ und „Durch die schweren Zeiten“. Und wenn sie dann auf der Reeperbahn nachts um halb elf alle auf der Bühne stehen und beim Finale vor der Kuppel des Atlantic-Hotels, seit 20 Jahren Lindenbergs Erstwohnsitz, alle zusammen die „geile Meile“ besingen, „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ schunkeln, optisch untermalt durch allerlei Kiez-Personal, dann ist das Musical wirklich angekommen in Hamburg.

Nur einer fehlt noch – und als dann der wirklich wahre Udo mit grazilem Panik-Tanz „Ich mach mein Ding“ singt, stehen die Zuschauer auf, singen und klatschen mit. „Das is’ mega. Der Junge vom Kiez is’ wieder zurück“, jubelt der 70-Jährige. „Hier hat 1963 alles für mich angefangen, dieser Straße verdanke ich alles.“

Aber auch wenn der echte Udo in Zukunft nicht vorbeischaut: Für zweieinhalb Stunden ist im Operettenhaus alles klar auf der Andrea Doria und beste Panik-Stimmung. Und danach geht’s am besten raus auf den Kiez.

Petra Haase

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