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Die literarische Revolution eines Anti-Terror-Richters

Die literarische Revolution eines Anti-Terror-Richters

Marc Trévidic ist Anti-Terrorspezialist. Nun hat der französische Richter seinen ersten Roman geschrieben. Er spielt in Tunesien und handelt von einem hochaktuellen Thema: Dem fanatischen Islamismus.

Paris (dpa) – Olivenhaine, Bootsromantik und weißer Strand: Als sich der französische Maler Paul Arezzo im Jahr 2000 auf Kerkennah niederlässt, gleicht die tunesische Inselgruppe einem Postkartenparadies.

Elf Jahre später wird das Land Schauplatz umwälzender politischer Ereignisse. Ein Gemüsehändler zündet sich an und löst die Jasminrevolution aus. Doch fundamentalistische Islamisten versuchen, mit Terror die Demokratisierung zu verhindern. Ereignisse, die auch auf das traumhafte Archipel übergreifen. Freunde werden zu Feinden, Brüder zu Henkern ihrer Schwestern.

In „Ahlam oder der Traum von Freiheit“ beschreibt Marc Trévidic den Kampf zwischen Freiheit und Terror vor dem Hintergrund einer Familiengeschichte. Für seinen Debütroman, der in Frankreich im Januar 2015 erschienen ist, hat der frühere Anti-Terror-Richter den Preis „Maison de la Presse“ erhalten. Das Buch ist jetzt auf Deutsch erschienen.

Trévidic hängt seine Geschichte an einem Künstler auf. Paul, 26 und international ein Star, richtet sich in einem Haus am Strand ein. Er lernt Farhat kennen, einen verheiraten Fischer und zweifachen Vater, und nimmt sich der künstlerischen Erziehung von dessen Kindern an. Dem Sohn Issam bringt er das Malen bei, der Tochter Ahlam das Klavierspielen. 

Als sich die Unruhen anbahnen, die im Januar 2011 zur sogenannten Jasminrevolution führen, ändert sich die Stimmung im Land. Ein Riss geht durch die Bevölkerung – und durch das Familienglück Farhats. Issam schließt sich einer salafistischen Gruppe an und kehrt der Malerei den Rücken, Ahlam kämpft für Freiheit und die Rechte der Frau. Ein Konflikt, der blutig endet - und auch Paul das Leben kostet. Er hat ihnen Malerei und Musik beigebracht - in den Augen der Salafisten Künste, die „haram“ sind, verboten. 

„Ganze Kunstgattungen sind bei den islamistischen Fanatikern Sünde“, sagte der 51-jährige Jurist, der von 2006 bis 2015 Anti-Terror-Richter war, im dpa-Interview. Nur Allah habe in ihren Augen das Recht darauf, etwas zu erschaffen. Hinzukommt: „Künstler sind Individualisten, und das stört.“

Über das Thema Kunst und islamischer Extremismus wollte Trévidic schon lange schreiben. Die Idee zu diesem Roman ist ihm nach dem Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ gekommen. 

Trévidic führt mit seinem Protagonisten auf fast 300 Seiten einen Kulturkampf gegen religiöse Fanatiker. Aufgabe der Kunst sei es, den Fanatismus zu bekämpfen, und dies hier sei der Kampf des Lichts gegen den Obskurantismus, lässt er Paul am Schluss des Buchs sagen. Dann schneidet ihm Issam die Kehle durch, und seine Freunde verbrennen die Werke des Malers.

Ob er wirklich an diesen Kulturkampf glaube? Die Antwort kommt schnell: „Kultur ist ein Bollwerk gegen den islamischen Extremismus. Kultur kann Widerstand leisten. Wenn wir auf sie verzichten, haben wir verloren“, sagt Trévidic.

Er beschreibt die Kerkennah-Inselgruppe, die unweit der Küstenstadt Sfax liegt, in sonnigen Farben und Bildern. Denn die weißen Sandstrände kennt er gut. Er hat sie mit seinen Eltern als Kind entdeckt, so wie seine Romanfigur. Doch nach knapp 100 Seiten schlägt die zauberhafte Stimmung um. Die Erzählung wird erschreckender und eindringlicher.

Schreiben sei für ihn ein Vergnügen, erklärt der Autor. Wenn die innere Musik erst einmal ertöne, gehe alles von ganz allein. Seiner Schriftstellerei merkt man diese Leichtigkeit mit dem Spiel der Worte an. Auch wenn es am Ende um Hass und Folter geht, findet er den richtigen Ton und die notwendige Distanz. 

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