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Kultur „Die nächste Enddarmspülung, bitte!“
Nachrichten Kultur „Die nächste Enddarmspülung, bitte!“
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00:01 22.11.2016
Szene aus dem Stück: Jan Bernhardt (Monsieur Purgon, Argans Arzt) und Markus Voigt (Argan, der eingebildete Kranke, v.l.). FOTO: VINCENT LEIFER

. Stöhnend verschwindet Argan (Markus Voigt) auf der Toilette, um abzuführen, dass es nur so qualmt. „Die nächste Enddarmspülung, bitte“, schreit er und seine Hausangestellte Toinette bringt ihm widerwillig ein neues Klistier. Den Angst besessenen Hypochonder, der mit seinem Krankheitswahn sein Umfeld tyrannisiert, machte Molière zum Thema seines 1673 uraufgeführten, letzten Stücks „Der eingebildete Kranke“.

Regisseur Dominik Günther holt die Problematik am Theater Vorpommern in die Gegenwart. Samstag hatte es Premiere in Greifswald. „Das Stück besitzt höchste Aktualität mit unserem Gesundheitswahn“, erklärt Günther. Mit der zeitgenössischen Übersetzung von Simon Werle, die „sprachlich heutig, schlank und direkt“ ist, so der Regisseur, dem Bühnenbild, Kostümen und Multimediaprojektionen wie Bakterien, hatte seine Inszenierung nichts mehr aus dem 17. Jahrhundert. Auf einer drei mal 3,5 Meter großen Pillenpackung als Bühnenbild spielten zehn Schauspieler sich einen komplett überspitzten Schabernack mit dem eingebildeten Kranken. Ohne peinlich genaue Desinfektion aller Körperstellen und Gummihandschuhe durfte das Krankenzimmer nicht betreten werden.

Voigt spielte die Hauptfigur fabelhaft in seinem schwarzen engen Ganzkörperanzug mit Skelettaufdruck. Wie er dahin kroch, litt, schaurig seine schwarz behandschuhten Hände wie die Klauen des Todes durch die Tablettenlöcher steckte! „Dann hab ich ja gar keine Zeit mehr für meine Krankheit“, war seine einzige Sorge.

Manfred Ohnoutka als Arzt Diarrhoerius und Marvin Rehbock als dessen Sohn, ebenfalls Mediziner, den Argans Tochter Angelique (Susanne Kreckel) heiraten soll, spielten die mit lateinischen Fachbegriffen um sich werfende Ärzteschaft, die auch vor dem Brüste Grapschen und in den Schritt Fassen keinen Halt machte. Die gepfefferte Sexismus-Kritik entlockte den Zuschauern der ausverkauften Premiere „Oh“-Rufe oder Feixen. Alle Schauspieler machten großen Spaß. Chiarette Schörnig gab mit Béline, der zweiten Frau Argans, ein erotisches Biest ab und Anne Greis weckte als freche, kluge Toinette Sympathien. Mit dem Tanz des „Körperzellen-Rocks“ hatten die Zuschauer nach der gelungenen, überzogenen Posse auch noch ein Gesundheitsmantra für zu Hause. Annemarie Bierstedt

OZ

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