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Die neue Härte der Taylor Swift

Pop Die neue Härte der Taylor Swift

Das Countrypop-Girl der Nullerjahre hat sich zum Megastar gewandelt. Auf dem Album „Reputation“ (seit Freitag, 10. November im Handel) präsentiert Taylor Swift geschliffene Tanzpopnummern mit selbstbewussten Texten.

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Härter, smarter, erfolgreicher: Ihre Countrytage hat Taylor Swift mit dem neuen Album „Reputation“ endgültig hinter sich gelassen.

Quelle: dpa

Hannover. Unschuldig. Liebenswert. Irgendwie kam uns Taylor Swift 2009 so vor, als sie ihr zweites Album „Fearless“ vorstellte. Ein Album, das dann gar nicht so furchtlos war. Der frischgebackene Popstar aus Pennsylvania servierte schmucken, konventionellen Countrypop, sang über Mama und Papa, über Kindheit, verbotene Küsse, die Fallstricke der Liebe, schlimme Jungs und ließ bei dem rockigen Song „Changes“ auch mal politisches Bewusstsein durchblicken.

Swift ist in der Liga der Megastars angekommen

Hübsche Liedchen waren das von einer charmanten, mädchenhaften Sängerin, über die Formelhaftigkeit so mancher (selbstverfasster) Texte sah man aufgrund der erfrischend natürlichen Ausstrahlung hinweg. Bei den MTV-Awards versuchte ihr Kanye West die Schau zu stehlen, indem er in ihre Dankesrede platzte und vor der am Boden Zerstörten sagte, das Video von Beyoncé habe den Preis für das beste Video einer Künstlerin weit eher verdient als das von Taylor. Was für ein furchtbarer Buhmann.

Acht Jahre später klingt Swift selbst fast wie Beyoncé. Wer „… Ready For It?“ hört, die Eröffnung ihres heute erschienenen sechsten Albums „Reputation“ oder die Ballade „Call It What You Want“, und sie gegen „Fearless“-Songs wie „Fifteen“ oder „Love Story“ hält, der weiß, dass Swift in einer ganz anderen Liga angekommen ist. Abteilung Megastar. „Gorgeous“ klingt noch wie ein Echo ihrer frühen Tage, als hätte man eine Nashville-Ballade in einen Kunststoffpanzer gehüllt. Die Abkehr vom Countrysound, die sie mit dem Vorgänger „1989“ vollzogen hatte, ist auf „Reputation“ zur Vollendung gebracht.

Dancepop hat die alten Countryklänge ersetzt

Die Mittel: synthetischer, stylischer Dancepop, HipHop-Rhythmen, Sprechgesang, elektronische Sounds, geschliffen von einer ganzen Batterie angesagter Produzenten, dazu Rapper Future und der zuletzt selbst mit ähnlichem Klangbildwechsel aufgestiegene Ed Sheeran als prominente Gäste beim Song „End Game“. Superstar kann man in Nordamerika nur mit Tanzbarem werden. Popkönigin Madonna oder Rihanna haben vom Start weg bewiesen, dass man damit Erstaunliches erreicht, Lady Gaga hat gezeigt, dass, wenn das musikalische Potenzial die Erwartungen auf Dauer nicht erfüllt, man auch noch als Fashion-Ikone in den Gazetten verbleiben kann. Und die Kanadierin Nelly Furtado musste erfahren, dass ihre folkigere Frühzeit von den Fans als die bessere bewertet wurde.

Für die Millionensellerin Swift ging die neue Phase ihrer Karriere gut los. Die schon im August lancierte erste Single „Look What You Made Me Do“ kam weltweit in die Top Ten, erreichte den Spitzenplatz der englischen und der amerikanischen Hitparaden. „Schau, zu was du mich gebracht hast“, singt sie da (möglicherweise ja an die Adresse ihres Widersachers West gerichtet): „Ich bin smarter und härter geworden – gerade noch rechtzeitig.“

Der Ruf der Abzocke wurde laut

Und sie befeuert smart, hart und geschickt ihren eigenen Erfolg: Wer bei Ticketmaster die begehrten Karten für die US-Tour von Swift (noch keine Daten, derzeit nur ein Konzert am 10. Dezember in London) erstehen möchte, kann das nur über die eingerichtete Plattform „Taylor Swift Tix“. Es gibt eine Warteliste, wer „Reputation“ vorbestellt hat oder Swifts Videos anklickt, erhält Bonuspunkte. Die Chance, eine Karte zu ergattern, wächst also, wenn man Swift beim Verdienen hilft. Auf die 700 Millionen Klicks steuert „Look What You Made Me Do“ derzeit zu. Jeder Klick bringt Youtube-Geld. Der Ruf der „Abzocke“ wurde da schnell laut. Nicht zum ersten Mal, Unmut gab’s auch schon beim Album „1989“, als die nach Ansicht des Musikmagazins Rolling Stone beste Songwriterin der Welt sich einzelne Textzeilen schützen ließ.

„Mein Ruf war nie schlechter“, singt Swift unbekümmert und selbstbewusst in „Delicate“. Kanye West könnte das gefallen, vielleicht ruiniert der langjährige Swift-Kombattant ja als nächstes den ersten großen Abend einer künftigen Newcomerin, indem er zur Abwechslung Swifts Video zu „Look What You Made Me Do“ verteidigt. Darin ist sie als Zombie auf einem Friedhof und als Diva in einer Badewanne voller Geschmeide zu sehen, als böse Königin auf einem Thron und als reiches Frauchen auf einer Schaukel in einem goldenen Käfig.

Welche Liebschaft gehört zu welchem Song?

In dem sie sich aber gar nicht fühlt, wie sie im Booklet verrät, wo sie zwischen Pferden, Katzen, selbstgemalten Bildern zu sehen ist, als wäre wieder 2009 und „Fearless“ gerade auf den Markt gekommen. Benutzt habe man sie freilich schon und ihre Gefühle auch, sagt sie da, ihre Texte gegen sie gewendet. Sie sieht voraus, dass man die neuen Songs wieder Liebschaften zuordnen werde. Vor allem dürfte über „Dress“ gerätselt werden, den Song über das Kleid, dass sie gekauft hat, damit es ihr der nicht namentlich genannte Liebhaber ausziehen soll. Seinen Namen soll er by the way auch gleich noch in ihrem Bettpfosten hinterlassen.

Was da wohl eingeritzt ist?

Von Matthias Halbig / RND

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