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Die riskante Reise millionenteurer Kunstwerke

Bremen Die riskante Reise millionenteurer Kunstwerke

Kaum eine Mega-Ausstellung kommt heute ohne internationale Leihgaben aus. Die Museen sind auf solche Publikumsmagneten angewiesen - trotz steigender Versicherungskosten. Für den Transport der millionenteuren Werke brauchen alle Beteiligten starke Nerven.

Bremen. Hochkonzentriert nehmen die Männer das „Mädchen im Birkenwald mit Katze“ von der Wand. Mit weißen Handschuhen schlagen sie das prominente Gemälde in säurefreies Papier ein. 

Dann betten die Kunstpacker das Werk von Paula Modersohn-Becker (1876-1907) behutsam in eine gepolsterte Klimakiste. Schließlich surren Akkuschrauber. 

Insgesamt 13 Kunstwerke der Museen Böttcherstraße Bremen reisen am  Donnerstag in klimatisierten Lastwagen von Bremen nach Paris. Das Musée d’Art Moderne braucht sie ab dem 7. April für seine Paula-Modersohn-Becker-Ausstellung, die erste Einzelschau der Künstlerin in Paris.

Solche Millionenwerte zu entleihen, ist für Frank Schmidt Abwägungssache. Unter Museen gebe es ein System von Gegenseitigkeit und Vertrauen, sagt der Direktor der Museen Böttcherstraße in Bremen. Allerdings bleibe ein Restrisiko: „Sobald Kunst bewegt wird, kann es zu Mikro-Rissen kommen, die möglicherweise noch Jahrzehnte später zu Schäden führen“, sagt Schmidt. Jeder Transportschritt der Kunstwerke wird deshalb von Restauratoren protokolliert.

„Jedes Werk möchte individuell behandelt werden“, erzählt Katja Hilbig, Leiterin des Ausstellungsdienstes am Städel Museum in Frankfurt am Main. Klimakisten werden mit Vlies und einem Spezial-Schaum an das Original angepasst und mindestens einen Tag vor dem Transport angeliefert. Dadurch können sie Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit des Museums aufnehmen. Denn nichts schadet Gemälden nach Angaben von Schmidt mehr als ein Klimaschock.

Doch trotz aller Routine - immer wieder passiert etwas Unvorhersehbares. „Wer Kunst auf die Reise schickt, muss ein gutes Nervenkostüm haben“, sagt Hilbig. Als Renaissance-Gemälde zur aktuellen Städel-Ausstellung „Maniera“ aus Italien anreisten, war eine bewaffnete Eskorte dabei. Andere Meisterwerke sind zeitweilig wegen der Schneekatastrophe in den USA hängengeblieben: „Drei Gemälde mussten in einem klimatisierten Sicherheitslager am New Yorker Flughafen zwischengelagert werden.“

Die Transportdienstleister müssen deshalb besonders vorsichtig sein. „Die Gemälde müssen in Fahrt- oder Flugrichtung transportiert werden, sonst schwingt die Leinwand. Dadurch können sich Risse bilden und Malschichten lösen“, sagt Oliver Keltz, zuständig für die Kunstlogistik der Spedition Schenker Deutschland AG. Damit alles klappt, begleitet ein Mitarbeiter die Originale am Flughafen bis zur Verladung in das Flugzeug.

Ein Problem ist deshalb zunehmend die Finanzierung solcher Unternehmungen. Bis zu 1500 Euro koste allein eine Klimakiste, sagt Schmidt von den Bremer Museen Böttcherstraße. Hinzu kämen die Kosten für Packer, Fahrer, Restauratoren, Kuriere und vor allem die hohen Versicherungsgebühren. Denn sobald die Kunstwerke bei Privatsammlern, Galerien oder Museen abgehängt werden, müssen sie vom Leihnehmer versichert werden. „Von Nagel zu Nagel“, heißt das in der Branche. Die Museen sind deshalb auf die Gelder von Stiftungen und Sponsoren angewiesen.

Andere Werke wie Leonardo da Vincis „Mona Lisa“ gehen hingegen wohl nie auf Reisen. Kein Paris-Tourist wolle im Louvre auf die Aura dieses Originals verzichten, sagt Schmidt. Auch für weniger bekannte Werke gilt der Reisestopp: Als ein Museum in Linz ein Barockgemälde des Malers Lucas van Valckenborch entleihen wollte, hat das Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kultur das abgelehnt. „Im Holzbildträger ist ein Riss, ein nicht reparierbarer Schaden“, erklärt Direktor Rainer Stamm. Solche Kunstwerke sind nicht mehr reisetüchtig.

dpa

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